Das Evangelium nach Lukas

Kapitel XVIII.

Symbol Biblia 1545

Die Lutherbibel von 1545

 

Die Texte der Lutherbibel von 1545 in Frakturschrift

Das Neue Testament

Die Evangelien und die Offenbarung

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Das Evangelium nach
Lukas

 

C. XVIII.

 

Lk 18,1-43

 

Der Text in 24 Kapiteln

 

Gliederung Kapitel XVIII.

 

Nr.

Textstelle

Abschnitt | Link zum Text

Kapitel XVIII.

 

 

9,51 - 19,27

 

V. DER WEG JESU NACH JERUSALEM

 

1

18,1-8

→Die bittende Witwe

Das Gleichnis vom ungerechten Richter

2

18,9-14

→Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner

3

18,15-16

→Jesus segnet die Kinder

4

18,17-23

→Jesus und der Reiche

5

18,24-27

→Die Gefahr des Reichtums

6

18,28-30

→Die Rede über den Lohn der Nachfolge

7

18,31-34

→Die dritte Leidensankündigung

8

18,35-43

→Der Blinde von Jericho

 

Der Spruch zum Tag

Aschermittwoch

 

Lk 18,31b

 

Im folgenden Text ist der bezeichnete Vers hervorgehoben.

 

 

 

 

Euangelium
S. Lucas.

 

 

 

 

[290b]

 

 

XVIII.

 

 

Die bittende Witwe
Das Gleichnis vom ungerechten Richter

 

ER ſa­get jnen aber ein Gleichnis da­uon / Das man alle zeit be­ten vnd nicht laſs wer­den ſolt / 2Vnd ſprach / Es war ein Rich­ter in ei­ner Stad der furch­te ſich nicht fur Gott / vnd ſchew­et ſich fur kei­nem Men­ſchen. 3Es war aber ei­ne Wid­we in der ſel­bi­gen Stad / die kam zu jm / vnd ſprach / Ret­te mich von mei­nem Wi­der­ſa­cher / 4Vnd er wol­te lan­ge nicht. Dar­nach aber dach­te er bey ſich selbs / Ob ich mich ſchon fur Gott nicht fürch­te / noch fur kei­nem Men­ſchen ſchew­e / 5Die­weil aber mir die­ſe Wid­we ſo viel mü­he ma­chet / wil ich ſie ret­ten / Auff das ſie nicht zu letzt ko­me / vnd vber­teu­be mich.

6DA ſprach der HErr / Hö­ret hie / was der vn­ge­rech­te Rich­ter ſa­get. 7Solt aber Gott nicht auch ret­ten ſei­ne Auſſ­er­we­le­ten / die zu jm tag vnd nacht ruffen / vnd ſolt ge­dult drü­ber ha­ben? 8Ich ſa­ge euch / Er wird ſie er­ret­ten in einer kürtz. Doch wenn des men­ſchen Son ko­men wird / Mei­neſ­tu das er auch wer­de Glau­ben fin­den auff Er­den?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Uberteube)

Das iſt / Das ſie mich nicht pla­ge vnd mar­te­re / wie man ſagt von den Gei­lern / Wie pla­get mich der Menſch ſo wol.

 

 

Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner

 

 

 

 

→*1)

ER ſa­get aber zu etlichen / die ſich ſelbs ver­ma­ſſen / das ſie frum we­ren / Vnd ver­ach­te­ten die an­dern / ein ſolch Gleich­nis. 10Es gien­gen zwe­en Men­ſchen hin­auff in den Tem­pel zu be­ten / Ei­ner ein Pha­ri­ſer  *1) / der an­der ein Zöl­ner. 11Der Pha­ri­ſe­er ſtund vnd be­tet bey ſich ſelbs al­ſo / Ich dan­cke dir Gott / Das ich nicht bin wie die an­dern Leu­te / Reu­ber / Vn­ge­rech­te / Ehe­bre­cher / oder auch wie die­ſer Zöl­ner / 12Ich faſ­te zwi­er in der Wo­chen / vnd ge­be den Ze­hen­den / von al­lem das ich ha­be. 13Vnd der Zöl­ner ſtund von fer­ne / wolte auch ſei­ne au­gen nicht auff­he­ben gen Hi­mel / Son­dern ſchlug an ſei­ne Bruſt / vnd ſprach / Gott ſey mir Sün­der gne­dig. 14Ich ſa­ge euch / Die­ſer gieng hin­ab ge­recht­fer­ti­get in ſein haus / a fur je­nem. Denn wer ſich ſelbs er­hö­het / der wird er­ni­dri­get wer­den / Vnd wer ſich ſelbs er­ni­dri­get / Der wird er­hö­het wer­den.

 

a

(Fur jenem)

Das iſt / Je­ner iſt nicht ge­recht / ſon­dern ver­dampt heim gan­gen. Ebra­iſmus eſt / et ne­ga­ti­ue di­ci­tur. Si­cut Pſal. 118. Es iſt gut auff den HER­RN ver­traw­en / fur dem ver­traw­en auff Für­ſten / das iſt / nicht auff Für­ſten. Hoc effi­cit Ebrea li­te­ra Mem. Al­ſo auch Matth. 21. Hu­ren vnd Bu­ben wer­den fur euch in Hi­mel komen / Fur euch / das iſt / Ir nicht.

→*2)

 

 

Jesus segnet die Kinder

|| → Mt 19,13-15    || → Mk 10,13-16

Matt. 19.

Mar. 10.

SIe brachten auch jun­ge Kind­lin zu jm / das er ſie ſolt an­rü­ren. Da es aber die Jün­ger ſa­hen / be­draw­e­ten ſie die. 16Aber Jhe­ſus rieff ſie zu ſich / vnd ſprach / La­ſſet die Kin­din zu mir ko­men / vnd we­ret jnen nicht / Denn

 

 

 

 

[290b | 291a]

 

 

S. Lucás.     C․ XVIII.

CCXCI.

 

 

ſol­cher iſt das reich Got­tes. 17War­lich / Ich ſa­ge euch / Wer nicht das reich Got­tes nimpt als ein Kind / der wird nicht hin ein komen.

 

 

Jesus und der Reiche

|| → Mt 19,16-26 || → Mk 10,17-31

Mat. 19.

Mar. 10.

 

 

 

→Exod. 20.

VND es fra­get jn ein Ober­ſter / vnd ſprach / Gu­ter meiſ­ter / Was mus ich thun / das ich das e­wi­ge Le­ben er­er­be? 19Jhe­ſus aber ſprach zu jm / Was hei­ſſeſ­tu mich gut? Nie­mand iſt gut / denn der ei­ni­ge Gott. 20Du wei­ſſeſt die Ge­bot wol / Du ſolt nicht ehe­bre­chen. Du ſolt nicht töd­ten. Du ſolt nicht ſte­len. Du ſolt nicht falſch ge­zeug­nis re­den. Du ſolt dei­nen Va­ter vnd dei­ne Mut­ter eh­ren. 21Er aber ſprach / Das habe ich al­les ge­hal­ten von mei­ner Ju­gent auff. 22Da Jhe­ſus das hö­ret / ſprach er zu jm / Es fei­let dir noch ei­nes / Ver­keuf­fe al­les was du haſt / vnd gibs den Ar­men / So wirſ­tu ei­nen ſchatz im Hi­mel ha­ben / Vnd kom / vnd fol­ge mir nach. 23Da er das hö­ret / ward er traw­rig / Denn er war ſeer reich.

 

(Eines)

Das iſt / Es fei­let dir al­les / vt ſu­pra Matth. 19. Ver­keuf­fen aber iſt / vt ſupra / Luc. 12.

→*3)

 

 

Die Gefahr des Reichtums

|| → Mt 19,23-26    || → Mk 10,23-27

Matth. 19.

Mar. 10.

24DA aber Jhe­ſus ſa­he / das er traw­rig war wor­den / ſprach er / Wie ſchwer­lich wer­den die Rei­chen in das reich Got­tes ko­men. 25Es iſt leich­ter / das ein Ka­meel ge­he durch ein Na­del­öre / denn das ein Rei­cher in das reich Got­tes ko­me. 26Da ſpra­chen die das hö­re­ten / Wer kan denn ſe­lig wer­den? 27Er aber ſprach / Was bey den Men­ſchen vm­müg­lich iſt / das iſt bei Gott müg­lich.

 

 

Die Rede über den Lohn der Nachfolge

|| → Mt 19,27-30   ||→ Mk 10,28-31

 

DA ſprach Petrus / Si­he / wir ha­ben al­les ver­la­ſſen / vnd ſind dir nach­ge­fol­get. 29Er ſprach zu jnen / War­lich ich ſa­ge euch / Es iſt nie­mand / der ein Haus ver­leſ­ſet / oder El­tern / oder Brü­der / oder Weib / oder Kind / vmb des reich Got­tes wil­len / 30der es nicht viel­fel­tig wi­der emp­fa­he / in die­ſer zeit / vnd in der zu­künff­ti­gen Welt / das ewi­ge Le­ben.

 

 

Die dritte Leidensankündigung

|| → Mt 20,17-19    || → Mk 10,32-34

Mat. 20.

Mar. 10.

ER nam aber zu ſich die Zwelffe / vnd ſprach zu jnen / Se­het / wir ge­hen hin­auff gen Je­ru­ſa­lem / vnd es wird al­les vol­en­det / das ge­ſchrie­ben iſt durch die Pro­phe­ten / von des men­ſchen Son.32Denn er wird vber­ant­wor­tet wer­den den Hei­den / vnd er wird ver­ſpot­tet vnd ge­ſchme­het vnd ver­ſpei­et wer­den / 33vnd ſie wer­den jn gei­ſſeln vnd töd­ten / Vnd am drit­ten ta­ge wird er wi­der auff­er­ſte­hen. 34Sie aber ver­na­men der kei­nes / Vnh die Re­de war jnen verborgen / Vnd wuſ­ten nicht / was das ge­ſagt war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→*4)

 

 

Der Blinde von Jericho

|| → Mt 20,29-34    || → Mk 10,46-52

 

ES ge­ſchach aber / da er na­he zu Je­ri­cho kam / ſaſs ein Blin­der am we­ge / vnd bet­telt. 36Da er aber hö­ret das Volck / das durch hin gieng / for­ſchet er was das we­re? 37Da ver­kün­di­ge­ten ſie jm / Jhe­ſus von Na­za­reth gien­ge fur vber. 38Vnd er rieff / vnd ſprach / Jhe­ſu du Son Da­uid / Er­bar­me dich mein. 39Die aber for­ne an gien­gen / be­draw­e­ten jn / er ſolt ſchwei­gen. Er aber ſchrey viel mehr / Du Son Da­uid / er­bar­me dich mein. 40Jhe­ſus aber ſtund ſtil­le / vnd hies jn zu ſich fü­ren. Da ſie jn aber na­he bey jn brach­ten / fra­get er jn 41vnd ſprach / Was wil­tu / das ich dir thun ſol? Er ſprach / HErr / das ich ſe­hen mü­ge. 42Vnd Jhe­ſus ſprach zu jm / Sey ſe­hend / Dein glau­be hat dir ge­holf­fen / 43Vnd al­ſo bald ward er ſe­hend / vnd fol­get jm nach vnd prei­ſe­te Gott. Vnd al­les Volck / das ſolchs ſa­he / lo­bet Gott.

 

 

 

 

1) Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Druckfehler: Phariſer;
Korrektur: Phariſeer

 

 

2) a) lat.: Ebraismus est / et ne­ga­ti­ve di­ci­tur. Si­cut Psal. 118.

dt.: »Das ist ein Hebraismus [= ein Ausdruck, der dem Hebräischen entlehnt ist] und verneinend gemeint, so wie in Psalm 118.«

b) lat.: Hoc effi­cit Ebrea li­te­ra Mem.

dt.: »Dies geht aus den Anmerkungen zum hebräischen Text hervor.«

 

 

3) lat.: ut supra

dt.: »wie oben«

 

 

4) Druckfehler: Vnh
Korrektur: Vnd

 

 

 
 

 

Biblia 1545

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Erläuterungen siehe →Liste der Abkürzungen und Namen biblischer Bücher

 

 

 

 

Worterklärungen: Übersicht

Die folgenden Begriffe aus dem Text Lk 18 wer­den hier erläutert.

Versnummer: Luthers Wort

1: Gleichnis

1: laſs

2: ſchewet

3: Widwe

7: Auſſerweleten

8: Meineſtu

8: Glauben

8: frum

10: Phariſeer

Klick auf ein Wort führt zum Eintrag mit den Erklärungen.

Das vollständige Verzeichnis findet sich hier: →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 
Weltkugel

Aus dem Wörterbuch

Worterklärungen:
Seltene Namen, Wörter und Begriffe im Text Lk 18

Luther-Deutsch

Deutsch   |   Erläuterungen

Gleichnis

Gleichnis, das

Das Wort Gleichnis besitzt verschiedene Umfelder, von denen wir heute üblicherweise fast nur noch eines benutzen: Das Gleichnis als rhetorisches Stilmittel.

 

Luther verwendet es aber auch in anderen Bedeutungen.

 

Entwickelt hat sich das Wort Gleichnis aus dem Adjektiv »gleich«, verbunden mit dem Suffix »-nis«. Es wurde allgemein dann verwendet, wenn der Vergleich zweier Gegenstände, Ideen, Geschichten usw. ergibt, dass sie gleich sind oder gleich sein sollen.

 

Dies umfasst beispielsweise:

 

a) gegenständlich: Bild, Abbild, Ebenbild, daher auch: Götzenbild (Abbild eines Gottes), Nachbildung, Kopie

b) für innere Bilder und Vorstellungen, die der Realität gleich kommen (sollen): Traumbilder, Gesichte, usw.

c) für Personen und Körper: Gestalt, Erscheinung, Aussehen

d) als Sinnbild: Symbol, Beispiel, Metapher, Zeichen (von bestimmter Bedeutung)

e) als abstrakter Eigenschaftsbegriff für Übereinstimmung: Ähnlichkeit, Gleichartigkeit, Gleichheit

f) als Muster sachlicher Übereinstimmung: Beispiel, konkretisiert: (typischer) Einzelfall, Fallbeispiel

g) als rhetorisches Stilmittel: vergleichende bildliche Rede

 

→2Mos 20,4

 

Du ſolt dir kein Bildnis noch jrgend ein Gleichnis machen ... Bete ſie nicht an / vnd diene jnen nicht

 

Hier steht Gleichnis nicht für das gegenständliche (handwerklich hergestellte) Abbild, das Götzenbild (denn das wurde schon durch Bildnis unmittelbar davor ausgedrückt), sondern gerade auch für Gestalt und Erscheinung (hebr.: תְּמוּנָה, tĕmûnā, Gestalt, Erscheinung) also auch für abstrakte Bilder, die ein »Gottesbild« zeichnen, beschreiben oder festlegen.

 

In diesem Zusammenhang denken wir an die Trinitätslehre. Sie ist der künstlich geschaffene, abstrakte Entwurf eines Gottesbildes, der Gott als dreieinige Erscheinung bzw. in dreieiniger Gestalt aus Gott-Vater (den Schöpfer), Gott-Sohn (Jesus Christus) und Gott-Geist (Heiliger Geist) beschreibt. Doch nicht nur das: Sie legt dieses Bild dogmatisch fest und fordert zur Anbetung auf. Luther konnte diesem Dogma der katholischen Kirche nicht folgen.

 

 

 

 

 

SK Version 08.05.2024  

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laſs

lass (Adjektiv)

Schreibweisen: lass, laß (veraltet), lasz (veraltet)

 

müde, matt, schlaff, schlapp

 

laſs
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
8 6 1 1

 

 

→Jes 13,7

 

Da­r­umb wer­den alle Hende laſs / vnd aller Men­ſchen hertz wird feig ſein.

 

Darum wer­den alle Hände schlaff, und aller Menschen Herz wird feige sein.

 

→ Lk 18,1

 

ER ſaget jnen aber ein Gleichnis dauon / Das man alle zeit beten vnd nicht laſs wer­den ſolt /

 

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und [darin] nicht schlapp wer­den sollte.

 

 

SK Version 08.05.2024  

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ſchewen

scheuen (Verb)

(intransitiv) scheuen: zurückfahren, stutzen.

(transitiv) Furcht oder Abneigung haben vor et­was.

 

er ſchewet: er scheut

 

→Psalm 31,14

 

Denn viel ſchelten mich vbel / das jederman ſich fur mir ſchewet

 

a) Denn viele beschimpfen mich so übel, dass jeder vor mir zurückschreckt.

b) Denn viele beschimpfen mich so übel, dass mich alle meiden.

 

 

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Widwe

Witwe, die

Verheiratete Frau, deren Ehemann gestorben ist

 

→Psalm 78,64

 

Jre Prie­ſter fielen durchs Schwert / Vnd waren keine Widwen / die da weinen ſolten

 

a) Ihre Priester fielen durch das Schwert. Und es gab keine Witwen, die da­r­ü­ber weinten.

b) Ihre Priester fielen durch das Schwert. Und die Witwen weinten nicht.

 

 

SK Version 08.05.2024  

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Auſſerwelete

Auserwählte, der

Substantivierung des Verbs auserwählen

 

a) von einzelnen Personen: auserwählt sein für eine Bestimmung

b) vom Volk Israel: das auserwählte Volk

 

→Psalm 105,6

 

Jr kinder Jacob ſei­nes Auſſerweleten.

 

Deneben gibt es die Form Auſſwelete, der Ausgewählte, von auswählen

 

→Psalm 106,5

 

Das wir ſe­hen mügen die Wolfart deiner Auſſweleten

 

 

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meinſtu

 

meineſtu

meinst du (Verb)

2. Person Singular Aktiv von meinen (Verb)

 

Präsens Indikativ: meinſtu, du meinst

Präsens Konjunktiv: meineſtu, du meinest

 

-u:

Die Fle­xi­on mit dem an­ge­häng­ten »u« ist ei­ne ei­gen­tüm­li­che Form, die sonst nur noch aus älte­ren Tex­ten be­kannt ist. Ge­bil­det wur­de sie aus der 2. Per­son, zu­sam­men­ge­zo­gen mit dem Per­so­nal­pro­no­men »du«, aus dem das »u« stammt.

Die­se Form im­pli­ziert ei­ne ge­wis­se Dring­lich­keit und Di­rekt­heit der An­spra­che, die un­mit­tel­ba­re Hin­wen­dung zum Ge­gen­über. So kann es die un­zwei­fel­haf­te Fest­stel­lung des Han­delns, die dring­li­che An­spra­che oder die un­mit­tel­ba­re Auf­for­de­rung zum Han­deln be­deu­ten (In­di­ka­tiv in der Aus­sa­ge), die Er­fül­lung ein­for­dern, mut­maßen bzw. un­ter­stel­len (Kon­junk­tiv), oder zur Ant­wort und Er­klä­rung auf­for­dern (Verb in der Fra­ge).

 

Heute ist statt­des­sen das Verb in sei­ner ge­bräuch­li­chen Fle­xi­on ver­bun­den mit »du« zu ver­wen­den. Die Di­rekt­heit oder ei­ne Auf­for­de­rung kann besten­falls durch ei­ne Sinn tra­gen­de Bei­fü­gung um­schrie­ben wer­den ab­hän­gig vom Kon­text. Sie kann ggf. durch einen Im­pe­ra­tiv he­raus­ge­stellt wer­den.

 

→Psalm 50,13

 

Meinſtu das ich Ochſſenfleiſch eſſen wölle / Oder Bockſblut trin­cken?

 

(Was denkst Du nur?!) Meinst du etwa, das ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bockblut trinken?!

 

 

→Psalm 50,21

 

Das thuſtu / vnd ich ſchweige / Da meineſtu / Jch wer­de ſein gleich wie du /

 

(Ich weiß,) das tust du! Und ich schweige. Und deswegen meinest du (womöglich), ich bin wie du?!

 

 

→Rom 2,26

 

meineſtu nicht / das ſei­ne Vorhaut wer­de fur eine Beſchneitung gerechnet?

 

meinest du nicht auch, dass seine Vorhaut als Beschnitten gilt?!

 

 

 

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Glaube

Glaube, der

Glauben, der

Glaube(n)
Vorkommen in der Lutherbibel von 1545

 

Gesamt AT Apokryphen NT
552 94 28 430
Mhd.: geloube, gloube, f., m.

Gegenstück: →Unglaube(n).

 

In der Bibel tritt der Begriff bevorzugt in seiner religiösen Bedeutung auf:

 

Glaube bezeichnet allgemein sowohl das auf Gott gerichtete hingebende Vertrauen religiöser Menschen, sowie eine innere Bejahung, Aneignung und Bewahrung der offenbarten Gotteserkenntnis, mit der sich Gehorsam, Treue u. s. w. gegenüber den göttlichen Geboten und religiösen Lehren verbinden.

 

Ein zentraler Begriff reformatorischer Lehre

 

Sowohl die neutestamentlichen Schriften selbst, wie auch die Theologen der christlichen Konfessionen definieren den Begriff Glaube im einzelnen verschieden. Für Luther ist es der zentrale Begriff, der das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen begründet. Dabei stützt er sich insbesondere auf die Erläuterungen des Paulus im Römerbrief.

 

Das Wort Glaube(n) kommt im Neuen Testament sehr häufig vor (430 mal), bevorzugt in den Paulusbriefen. Dabei finde sich das Wort allein im relativ kurzgehaltenen Römerbrief an 130 Stellen.

 

Luthers Übersetzung von →Rom 3,28, alleine durch den Glauben, führte zu heftigen Disputen zwischen Luther und seinen Gegenspielern, weil in den griechischen Quellen das Wort »allein« nicht vorkommt. Man versuchte Luther als stümperhaften Übersetzer zu entlarven, der Bibeltexte verfälscht. Doch Luther pariert, dass dies auch in den Quellen absolut gemeint sei und in solchen Fällen die Verwendung des Wortes allein die Anforderungen eines guten deutschen Sprachgebrauchs erfüllt. Es käme nicht darauf an, einzelne Wörter zu übersetzen und blank aneinanderzureihen, sondern darauf, den Inhalt möglichst wortgetreu in die deutsche Sprache und deren üblichen Gebrauch zu übertragen.

 

Aus Rom 3,28 hat sich ein wesentlicher Lehrsatz der Reformation und der Kirchen, die aus ihr entstanden sind, entwickelt: Allein aus Glauben! bzw. Allein durch Glauben!, lateinisch: sola fide!

 

Dies schmälert die Bedeutung der Gesetze und Gebote nicht. Doch der Glauben ist ihr tragendes Fundament, der ihre Einhaltung und Erfüllung bestimmt und in konkreten Situationen überzeichnet. Nur so ist (christliche) Eigen­verant­wortung gewährleistet. Nur das Handeln aus dem Glauben heraus macht den Menschen vor Gott gerecht. Diese Gerechtigkeit wird aus Gnade anerkannt, nicht aus Erfüllung der Gesetze. Die Gesetzeswerke sind nicht länger erforderlich, weil der glaubende Mensch sie ihrem Inhalt nach eigenverantwortlich erfüllt. Ähnlich wie das Gebot »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« einerseits die entsprechenden Gebote aus den Zehn Geboten enthält, andererseits da­r­ü­ber weit hinausgeht. So umfasst das Handeln aus Glauben an Gott alle Gebote und Gesetze, geht aber weit da­r­ü­ber hinaus. Umgekehrt: Die Erfüllung der Gebote und Gesetze ohne Glauben an Gott macht zwar vor dem Gesetz gerecht, erfüllt aber nicht Got­tes Anspruch auf Eigen­verant­wortlichkeit des Menschen in der Beziehung der Menschen zu Gott und in der Beziehung der Menschen zueinander.

 

Damit rückte der Glaubensbegriff und seine Interpretation in den Mittelpunkt reformatorischer Lehren.

 

 

→Rom 3,28

 

So hal­ten wir es nu / Das der Menſch gerecht wer­de / on des Ge­ſe­tzes werck / alleine durch den Glauben.

 

a) So hal­ten wir es nun: Der Mensch wird gerecht ohne die Gesetzeswerke, allein durch den Glauben.

b) So hal­ten wir fest: Der Mensch wird allein durch Glauben gerecht. Die Vorgaben der Gesetze und ihre Erfüllung haben dabei keine Bedeutung.

 

 

SK Version 08.05.2024  

→Register

from

 

frum

fromm (Adjektiv)

a) brav, tüchtig, tapfer

b) nützlich, gut

c) ordentlich, ehrlich

d) unschuldig, unsträflich

e) gewissenhaft, lie­bevoll, pflichtgetreu (gegenüber Gott)

f) fromm, verehrend

 

 

Eine anhaltende (tüchtige), die Göttlichkeit pflichtgetreu verehrende Eigenschaft, die von Tapferkeit gegen alle Anfechtungen getragen wird.

 

 

from: →Psalm 94,15

 

DEnn Recht mus doch recht bleiben / Vnd dem wer­den alle frome Her­tzen zufallen.

 

Denn Recht muss doch Recht bleiben. Und dem wer­den alle frommen Herzen zufallen.

 

 

frum: → Lk 18,9

 

ER ſaget aber zu etlichen / die ſich ſelbs vermaſſen / das ſie frum we­ren /

 

Er sagte zu etlichen, die von sich selbst überzeugt waren, dass sie fromm wären ...

 

 

 

SK Version 08.05.2024  

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Phariſeer

Pharisäer ,der

griechisch: Φαρισαίος (Pharisaios)

lateinisch: Pharisaeus

 

Angehöriger einer alt-jüdischen Bewegung, die Gesetze und Gebote streng einhält.

 

 

 

SK Version 08.05.2024  

→Register

Erläuterungen siehe →Das große Stilkunst.de–Wörterbuch zur Lutherbibel von 1545

 

 

Biblia 1545

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel ist auf un­se­ren Sei­ten in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 

 

Liturgiegeschichtliche Verwendung
Perikope Typ Tag
1531 - 1898  

Lk 18,9-14

Evangelium

→ 11. Sonntag nach Trinitatis

Lk 18,31-43

Evangelium

→ Sonntag Estomihi

1899 - 1978  

Lk 18,9-14

Evangelium

→ 11. Sonntag nach Trinitatis

Lk 18,31-43

Evangelium

→ Sonntag Estomihi

Lutherische Kirchen
1958-1978
 

Lk 18,1-8

Marginaltext

→ Sonntag Rogate

Lk 18,1-8

Reihe III

→ Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Lk 18,9-14

Reihe I

→ 11. Sonntag nach Trinitatis

Lk 18,31-43

Reihe I

→ Sonntag Estomihi

1979 - 2018  

Lk 18,1-8

Reihe V

→ Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Lk 18,9-14

Evangelium + Reihe I

→ 11. Sonntag nach Trinitatis

Lk 18,28-30

Reihe III

→ Sonntag Estomihi

Lk 18,31-43

Reihe V

→ 15. Sonntag nach Trinitatis

seit 2019  

Lk 18,1-8

Reihe IV

→ Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres

Lk 18,9-14

Reihe II

→ 11. Sonntag nach Trinitatis

Lk 18,15-17

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Lk 18,18-27

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Lk 18,28-30

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Lk 18,31-43

Reihe II

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Sabrina

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Biblia
1545
Lk
XVIII.