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Muss man nicht lesen, kann man aber!

»Vater, vergib ihnen!« – Ein umstrittenes Kreuzeswort

3. Juli 2026

Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!

Grafik: Vater, vergib Ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!
Grafik: Reiner Makohl
Copyright: 2026 by Reiner Makohl, geschütztes Bildmaterial

Im Vaterunser verbindet Jesus die Bitte um Gottes Vergebung mit dem eigenen Vergeben: »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.« In der Kreuzigungsszene handelt er selbst nach dieser Vorgabe. Er hält die Schuld seiner Täter nicht fest und bittet den Vater um Vergebung für sie.

Ausgerechnet dieses Gebetswort in Lk 23,34a fehlt in einigen bedeutenden alten Handschriften des Lukasevangeliums und gilt deshalb häufig als später Zusatz. Irenäus von Lyon (ca. 135–200; Bischof und Theologe) kennt es jedoch bereits im 2. Jahrhundert und bezeugt es ausdrücklich in seinem Werk »Gegen die Häresien« als Wort Jesu am Kreuz.

Meine neue Untersuchung prüft die Auslassungszeugen, die frühe Bezeugung bei Irenäus und die Einfügung des Satzes in das lukanische Doppelwerk. Dabei geht es um mehr als eine textkritische Einzelheit: Mit der Auslassung verliert die Kreuzigungsszene ihre sichtbare Verbindung zur Vergebungsordnung des Vaterunsers.

Und mit der Auslassung tritt der Gott um Vergebung bittende Jesus hinter einen selbst vergebenden Christus zurück.

Der Artikel dazu ist hier zu finden:

 

Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!
Theologische Aufsätze

→»Vater, vergib ihnen!«

Lk 23,34a: Eine textkritische Untersuchung

Gehört Jesu Bitte zum ursprünglichen Text des Lukasevangeliums? Was sagen Textzeugen und Wirkungsgeschichte?

 

Reiner Makohl

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Wie steht es bei dir mit GOTT?

31. Mai 2026

Du, Gott, Ich - ein gelebtes Beziehungsdreieck

Kann man Gott ver­wal­ten?


Die Fra­ge klingt ab­surd. Aber die Pra­xis ist alt. Got­tes Wort steht in der Bi­bel und wird da­rin ver­wal­tet. Es wird her­vor­ge­holt und von Pre­di­gern aus­ge­legt. Got­tes Ge­gen­wart wird im Kir­chen­raum ver­or­tet und von Pries­tern ge­hü­tet. Glo­cken la­den ein, Gott zu be­su­chen, per Läu­te­ord­nung. Kelch und Hos­tie bin­den sei­ne Prä­senz an Ort und Hand­lung. Beich­te, Bu­ße und Ab­so­lu­ti­on he­gen sein Han­deln ein.


Das ist kei­ne An­kla­ge. Das ist Be­schrei­bung. Re­li­gio­nen brau­chen Struk­tur. Struk­tu­ren ten­die­ren zur Selbst­er­mäch­ti­gung.


Ir­gend­wann ver­wal­tet die Struk­tur nicht mehr den Zu­gang zu Gott. Sie be­haup­tet, über Gott zu ver­fü­gen.


In Mät­thä­us 9 wird ein Ge­lähmter zu Je­sus ge­bracht. Je­sus sagt: „Dei­ne Sün­den sind dir ver­ge­ben.“ Die Schrift­ge­lehr­ten den­ken: Got­tes­läs­te­rung. Nicht weil Ver­ge­bung un­mög­lich wä­re. Son­dern weil sie ge­ord­net ver­lau­fen muss. Durch die rich­ti­gen In­stan­zen, auf dem rich­ti­gen Weg. Je­sus über­springt die In­stan­zen. Nicht aus Re­gel­ver­ach­tung. Son­dern weil dem Mann jetzt ver­ge­ben wird, nicht nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ei­ner Ord­nung.


Sa­lo­mo hat die Fra­ge selbst ge­stellt, mit­ten in der Ein­wei­hung des Tem­pels, den er für Gott ge­baut hat: Soll­te Gott wirk­lich auf Er­den woh­nen? (1.Kön 8,27) Er weiß, dass der Bau ei­ne An­ma­ßung ist. Er baut trotz­dem. Aber er weiß es.


Das ist der Un­ter­schied. Nicht ob man Struk­tu­ren hat. Son­dern ob man noch weiß, was sie sind: Be­helf, nicht Ver­fü­gung. Zu­gang, nicht Be­sitz.


Glau­ben ist das Ge­gen­teil da­von. Nicht Ver­fü­gung über Gott, son­dern Ver­trau­en in ihn. Ver­trau­en lässt sich nicht ver­wal­ten, nicht re­gu­lie­ren, nicht an Or­te bin­den, nicht durch Ver­fah­ren si­chern. Es hat kei­nen Zu­stän­di­gen. Gott han­delt, wo und wie er will, nicht wo die Läu­te­ord­nung es vor­sieht.


Und nun?
Viel­leicht emp­fiehlt sich das: Ver­trau­e. Glau­be.

Reiner Makohl

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Gott delegiert – der Mensch reagiert

25. Mai 2026

Gott hilft.
Aber was, wenn der Mensch genau dort auf Gottes Hilfe wartet, wo Gott längst Verantwortung delegiert hat?

Der neue Aufsatz ent­wickelt einen un­ge­wöhn­li­chen Ge­dan­ken:
Das Evangelium be­schreibt Gott nicht als re­li­gi­ö­sen Mi­kro­ma­na­ger, son­dern als de­le­gie­ren­den Gott. Mit dem Ende der alt­tes­ta­ment­li­chen Op­fer­lo­gik ver­än­dert sich auch die Struk­tur der Got­tes­be­zie­hung. Ver­ant­wor­tung wird nicht län­ger kul­tisch ver­wal­tet, son­dern dem Men­schen über­tragen.

Doch was geschieht, wenn Men­schen Ver­ant­wor­tung wie­der an Gott rück­de­le­gie­ren wollen?

Der Text verbindet neu­tes­ta­ment­li­che Theo­lo­gie, Va­ter­un­ser, Kreuz, Ver­ge­bung und mo­der­ne Ma­na­ge­ment­be­grif­fe wie „De­le­ga­tion“ und „Rück­de­le­ga­tion“ zu einem neuen Blick auf Glau­ben, Frei­heit und Ver­ant­wor­tung.

Im Zentrum steht eine un­be­queme Frage:

Was bleibt vom Glau­ben übrig, wenn das „Du“, der Mit­mensch, aus der Be­zie­hung zwi­schen Gott und Mensch ver­schwin­det?

Zum Essay auf Stilkunst.de:


Zum Aufsatz: Der delegierende Gott
Theo­lo­gi­sche Po­si­ti­o­nen

→Der delegierende Gott

Das Evangelium be­schreibt Gott nicht als kon­trol­lie­ren­de In­s­tanz, son­dern als de­le­gie­ren­den Gott. Was ge­schieht, wenn Men­schen Ver­ant­wor­tung an Gott rück­de­le­gie­ren wol­len?

Reiner Makohl

Kategorien: Evangelisch Christsein | Kirche und Religion

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Du, GOTT, Ich - eine gelebte Dreiecksbeziehung

22. Mai 2026

Viele religiöse Vorstellungen denken Glauben als eine direkte Verbindung zwischen Mensch und Gott. Der Mitmensch erscheint dann oft nur noch als Folge, Pflicht oder Nebensache.

Die Evangelien zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Was geschieht, wenn die Beziehung zum Mitmenschen aus dem Glauben herausgelöst wird?

Was bleibt übrig, wenn nur noch die Linie zwischen ICH und GOTT bestehen soll?

Mein neues Positionsessay beschreibt Glauben als Raum gelebter Beziehung. Es fragt, warum dieser Raum implodiert, sobald das DU verschwindet.

Zum Essay:

Zum Aufsatz: DU - GOTT - ICH. Eine gelebte Dreiecksbeziehung.
Theo­lo­gi­sche Positionen

→DU – GOTTICH

Das Glau­bens­drei­eck DU – GOTTICH be­schreibt Glau­ben nicht als iso­lier­te Got­tes­be­zie­hung, son­dern als Raum ge­leb­ter Ver­ant­wor­tung zwi­schen Gott und Mit­mensch.

Reiner Makohl

Kategorien: Evangelisch Christsein | Kirche und Religion

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Gott fordert Versöhnung

8. Mai 2026

Credits
Video: ©2026 by Reiner Makohl
Musik: © Bluevalley, »Fury«



Gott vergibt. Immer. Aber nicht bedingungslos.


Was Jesus dazu sagt, wird oft übersehen.
Gott weiß, was zwischen dir und einem Menschen geschehen ist, der dich im Reden und Handeln verletzt hat — was es dir angetan hat, was noch immer wehtut, was noch immer in dir gärt.
Er fordert Versöhnung. Die beginnt damit, dass Du vergibst.
Kein anderer kann dir das abnehmen.


 

Wer nur 1. Joh 1,9 liest oder vergleichbare Stellen, hat nicht falsch gelesen, aber sicher unvollständig.


Johannes schrieb für Gemeinden, die Jesu Worte ebenfalls längst kannten.
Mt 6,14-15 war keine Fußnote, sondern die Hervorhebung einer Grundlage.
Die Bedingung, die Jesus formuliert, musste Johannes nicht wiederholen, sie war selbstverständlich.


Die alten griechischen Textzeugen des Vaterunsers machen das noch deutlicher. Dort heißt es in Mt 6,12: „wie wir vergeben haben.“ — abgeschlossene Handlung. Der Beter tritt vor Gott mit einer bereits vollzogenen Tat, nicht mit einer frommen Absicht.


Jesus scheint dies so wichtig zu sein — vielleicht, weil es schon damals „übersehen“ wurde! —, dass er es in Mt 6,14-15 mit vielen Worten hervorhob und doppelt unterstrich.


Dem Mitmenschen vergeben, ist keine Lappalie. Das Vergeben durch Gott geschieht niemals unabhängig von dem, was zwischen Menschen geschehen ist. Jesus bindet beides zusammen — unauflöslich.


Und Jesus legt die Reihenfolge fest: erst DU, dann GOTT.

Reiner Makohl

Kategorien: Evangelisch Christsein | Kirche und Religion

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