Erst DU, dann GOTT – was Jesus über Vergebung sagt
Jesus verbindet Gottes Vergebung mit unserer Bereitschaft, anderen zu vergeben. Ein kurzes Video und Gedanken zu Matthäus 6,12–15.
▶
Evangelisch gedacht
Gott vergibt. Aber Jesus knüpft Gottes Vergebung
an eine Bedingung: Auch wir sollen anderen
vergeben. Das Vaterunser macht deutlich,
wie eng beides zusammengehört.
▶
Reel ansehen
Gott vergibt. Immer. Aber nicht bedingungslos.
Was Jesus dazu sagt, wird oft übersehen.
Gott weiß, was zwischen dir und einem Menschen
geschehen ist, der dich im Reden und Handeln
verletzt hat — was es dir angetan hat, was
noch immer wehtut, was noch immer in dir gärt.
Er fordert Versöhnung. Die beginnt damit,
dass Du vergibst. Kein anderer kann dir
das abnehmen.
Video: © 2026 by Reiner Makohl
Musik: © Bluevalley, »Fury«
Sprecher: KI-Stimme
Dürfen Christen über christliches und nicht-christliches Denken, Reden und Handeln ihrer Mitmenschen urteilen? Besonders in politischen Auseinandersetzungen wird das immer wieder bestritten.
Besteht ein Anspruch auf Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft, wenn bewusst gegen maßgebliche Lehren Jesu verstoßen wird? Ist menschenverachtendes Denken, Reden und Handeln, das konkrete Menschen zu Opfern macht, für den Glauben und die Zugehörigkeit zur Kirche belanglos?
Jesus wendet sich Sündern zu und eröffnet ihnen den Weg zu Einsicht, Umkehr und Vergebung. Doch was gilt, wenn Menschen bewusst gegen seine Lehren verstoßen, jede Umkehr verweigern und dennoch ihren Platz in der christlichen Gemeinschaft beanspruchen? Müssen Christen das hinnehmen, oder dürfen sie darüber urteilen und ihr eigenes Verhalten danach ausrichten?
Der Himmel steht nicht jedem offen.
Die Diskussion um bereits vollzogene und geplante Hinrichtungen in den USA wirft erneut eine grundsätzliche Frage auf: Kann die Tötung eines Menschen gerecht sein, weil ein Gericht sie angeordnet hat?
Aus christlicher Sicht: nein!
Die Bibel erzählt gleich zu Beginn der Menschheitsgeschichte von einem Mord. Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Gott zieht ihn dafür zur Verantwortung und bestraft ihn. Doch er schützt Kain zugleich davor, selbst getötet zu werden.
Mehr noch: Gott kündigt jedem, der Kain tötet, Vergeltung an (1. Mose 4,15). Wer den Mörder tötet, dem droht Gott mit einer siebenfach härteren Strafe als dem Mörder selbst.
Die späteren alttestamentlichen Rechtsordnungen übernehmen diesen grundlegenden göttlichen Schutzgedanken nicht durchgängig. Sie sehen für bestimmte Vergehen ausdrücklich die Todesstrafe vor. Erst Jesus greift den Gedanken der Überwindung von Vergeltung wieder auf und führt ihn in seiner Lehre weiter. Er fordert Versöhnung, Feindesliebe und einen Umgang miteinander, der über die Maßstäbe staatlicher Rechtsprechung hinausgeht.
Die Schuld eines Mörders bleibt bestehen. Seine Opfer haben Anspruch auf Gerechtigkeit. Doch wer einen Täter hinrichtet, macht ihn selbst zum Opfer. Richter und Henker tragen dafür eigene Schuld ganz besonders schwerer Art. Gerade, wer Gottes Willen kennt, kann sich vor Gott nicht auf die Rechtmäßigkeit seines Handelns berufen.
Ein Todesurteil kann durchaus nach staatlichem Recht gültig sein. Vor Gott wird die Tötung dadurch nicht gerecht. Staatliche Legitimation oder gesellschaftliche Ansichten rechtfertigten Taten nicht vor Gott.
Ich stehe als Christ entschieden gegen jede vorsätzliche Tötung eines Menschen. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein Staat sie anordnet, ein Gericht sie erlaubt oder eine Religion sie duldet, rechtfertigt oder gar verlangt.
Evangelisch Christsein meint: Gott gegenüber verantwortlich sein.
Und damit jedem Menschen gegenüber.
Kann man Gott verwalten?
Die Frage klingt absurd. Aber die Praxis ist alt. Gottes Wort steht in der Bibel und wird darin verwaltet. Es wird hervorgeholt und von Predigern ausgelegt. Gottes Gegenwart wird im Kirchenraum verortet und von Priestern gehütet. Glocken laden ein, Gott zu besuchen, per Läuteordnung. Kelch und Hostie binden seine Präsenz an Ort und Handlung. Beichte, Buße und Absolution hegen sein Handeln ein.
Das ist keine Anklage. Das ist Beschreibung. Religionen brauchen Struktur. Strukturen tendieren zur Selbstermächtigung.
Irgendwann verwaltet die Struktur nicht mehr den Zugang zu Gott. Sie behauptet, über Gott zu verfügen.
In Mätthäus 9 wird ein Gelähmter zu Jesus gebracht. Jesus sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Schriftgelehrten denken: Gotteslästerung. Nicht weil Vergebung unmöglich wäre. Sondern weil sie geordnet verlaufen muss. Durch die richtigen Instanzen, auf dem richtigen Weg. Jesus überspringt die Instanzen. Nicht aus Regelverachtung. Sondern weil dem Mann jetzt vergeben wird, nicht nach Abschluss des Verfahrens einer Ordnung.
Salomo hat die Frage selbst gestellt, mitten in der Einweihung des Tempels, den er für Gott gebaut hat: Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? (1.Kön 8,27) Er weiß, dass der Bau eine Anmaßung ist. Er baut trotzdem. Aber er weiß es.
Das ist der Unterschied. Nicht ob man Strukturen hat. Sondern ob man noch weiß, was sie sind: Behelf, nicht Verfügung. Zugang, nicht Besitz.
Glauben ist das Gegenteil davon. Nicht Verfügung über Gott, sondern Vertrauen in ihn. Vertrauen lässt sich nicht verwalten, nicht regulieren, nicht an Orte binden, nicht durch Verfahren sichern. Es hat keinen Zuständigen. Gott handelt, wo und wie er will, nicht wo die Läuteordnung es vorsieht.
Und nun?
Vielleicht empfiehlt sich das: Vertraue. Glaube.