Dr. Martin Luther

Vorrede zum Brief des Paulus: An die Römer

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Die Lutherbibel von 1545

 

Die Texte der Lutherbibel von 1545 in Frakturschrift

Das Neue Testament

Die Paulusbriefe

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Der Brief des Paulus:
An die Römer

Dr. Martin Luthers Vorrede

 

 

Zum Text in 16 Kapiteln

 

 

 

 

 

D. Mart. Luth.

 

 

 

 

[331a]

 

CCCXXXI.

 

Vorrede auff die Epiſtel S. Paul: an die
Römer .

 

 

Der Brief an die Römer::
das Hauptstück des neuen Testaments

DIeſe Epiſtel iſt das

rechte Heubtſtücke des new­en Teſta­ments / vnd das aller­lau­ter­ſte Euan­ge­li­um / Wel­che wol wi­drig vnd werd iſt / das ſie ein Chri­ſ­ten menſch nicht allein von wort zu wort aus­wen­dig wiſſe / Sondern teg­lich damit vmbgehe / als mit teg­li­chem Brot der Seelen / Denn ſie niemer kan zu viel vnd zu wol geleſen oder betrachtet werden / vnd je mehr ſie gehandelt wird / je köſtlicher ſie wird / vnd bas ſchmecket. Darumb ich auch meinen Dienſt dazu thun wil / vnd durch dieſe Vorrede einen Eingang dazu bereiten / ſo viel mir Gott verliehen hat / Damit ſie deſte bas von jederman verſtanden werde / Denn ſie bisher mit gloſen vnd man­cher­ley geſchwetz vbel verfinſtert iſt / die doch an jr ſelbs ein helles Liecht iſt / faſt genugſam / die gantze Schrifft zuerleuchten.

 

 

 

 

 

 

Epiſtel zun Rö­mern iſt das heupt­ſtücke des newen Teſtaments.

 

 

Teil 1
Der Sprache kundig werden

 

 

AVffs erſte / müſſen wir der Sprache kündig wer­den / vnd wiſſen was S. Paulus meinet / durch dieſe wort / Ge­ſetz / Sünde / Gnade / Glaube / Ge­rech­tig­keit / Fleiſch / Geiſt / vnd der gleichen / Sonſt iſt kein leſen nütz dar an.

 

 

Das Wort »Gesetz«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Pſal.116.

DAS wortlin / Ge­ſetz / muſtu hie nicht ver­ſte­hen menſch­li­cher weiſe / das eine Lere ſey / was fur werck zuthun oder zulaſſen ſind / Wie es mit menſchen Ge­ſe­tzen zugehet / da man dem geſetz mit wercken gnugthut / obs hertz ſchon nicht da iſt. Gott richtet nach des hertzen grund / Darumb foddert auch ſein Ge­ſetz des hertzen grund / vnd leſſet jm an wercken nicht benügen / Sondern ſtraffet viel mehr die werck on hertzen grund ge­than / als heu­che­ley vnd lügen. Da her alle Men­ſchen lü­ge­ner hei­ſſen / Pſal. cxvj. darumb / das keiner aus hertzen grund Gottes geſetz helt noch halten kan / Denn jederman findet bey ſich ſelbs vnluſt zum guten vnd luſt zum böſen. Wo nu nicht iſt freie luſt zum guten / da iſt des hertzen grund nicht am geſetz Gottes / Da iſt denn gewiſlich auch ſünde vnd zorn verdienet bey Gott / ob gleich aus­wen­dig viel guter werck vnd erbars Leben ſcheinen.

 

Ge­ſetz .

 

 

 

 

 

 

Gottes Ge­ſetz fod­dert des Her­tzen grund.

DAher ſchleuſſt S. Paulus am ij. Cap. Das die Jüden alle Sünder ſind / vnd ſpricht / Das alleine die thetter des Ge­ſe­tzes gerecht ſind bey Gott. Wil da mit / das niemand mit wercken des Ge­ſe­tzes thetter iſt / Sondern ſagt viel mehr zu jnen alſo / Du lereſt / man ſolle nicht ehebrechen / vnd du bricheſt die ehe. Item / worinnen du einen andern richteſt / darinnen verdamneſtu dich ſelbs / weil du eben das ſelbige thuſt / das du richteſt. Als ſolt er ſagen / Du lebeſt euſſerlich fein in des Ge­ſe­tzes wercken / vnd richteſt die nicht alſo leben / vnd weiſſeſt jederman zu leren / Den Splitter ſiheſt in der andern auge / Aber des Balcken in deinem auge wirſtu nicht gewar.

 

Niemand iſt mit wercken des Ge­ſetzes Theter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 5.

DEnn ob du wol aus­wen­dig das Ge­ſetz mit wercken helteſt / aus furcht der ſtraffe / oder liebe des lohns / So thuſtu doch alles / on freie luſt vnd liebe zum Ge­ſetz / ſon­dern mit vnluſt vnd zwang / wolteſt lieber anders thun / wenn das Ge­ſe­tze nicht were. Daraus denn ſich ſchleuſſt / das du von hertzen grund dem Ge­ſe­tze feind biſt. Was iſt denn / das du andere lereſt nicht ſtelen / ſo du im hertzen ſelbs ein Dieb biſt / vnd euſſerlich gerne wereſt / wenn du thürſteſt? Wiewol auch das euſſerliche werck die lenge nicht nachbleibet / bey ſolchen heuchlern. Alſo lereſtu andere / Aber dich ſelbs nicht / weiſſeſt auch ſelbs nicht / was du lereſt / haſt auch das Ge­ſetz noch nie recht verſtanden. Ja da zu mehret das Ge­ſetz die ſünde / wie er ſaget am. v. Cap. Darumb / das jm der Menſch nur feinder wird / je mehr es foddert / des er keines kan.

 

 

Art der Werckhei­ligen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ge­ſetz mehret die Sünde.

 

→Rom. 7.

DArumb ſpricht er am. vij. Cap. Das Ge­ſetz iſt geiſtlich. Was iſt das? Wenn das Ge­ſetz leiblich were / ſo geſchehe jm mit wercken genug / Nu es aber geiſtlich iſt / thut jm niemand genug / es gehe denn von hertzen grund / alles was du thuſt. Aber ein ſolchs hertz gibt niemand / denn Gottes geiſt / der machet den Men­ſchen dem Ge­ſetz gleich / das er luſt zum Ge­ſetz gewinnet von hertzen / vnd hinfurt nicht aus furcht noch zwang / ſon­dern aus freiem hertzen alles thut.

 

 

Ge­ſetz ist Geiſt­lich

 

 

 

 

[331a | 331b]

 

 

Vorrede.

 

 

Alſo iſt das Ge­ſetz geiſtlich / das mit ſolchem geiſtlichen hertzen wil geliebet vnd erfüllet ſein / vnd foddert einen ſolchen geiſt. Wo der nicht im hertzen iſt / da bleibet ſünde / vnluſt / feindſchafft wider das Ge­ſetz / das doch gut / gerecht vnd heilig iſt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 3.

SO gewehne dich nu der Rede / Das viel ein an­der ding iſt / Des Ge­ſe­tzes werck thun / vnd das Ge­ſetz erfüllen. Des Ge­ſe­tzes werck iſt alles / das der menſch thut oder thun kan am Ge­ſetz / aus ſeinem freien willen vnd eigen krefften. Weil aber vnter vnd neben ſolchen wercken bleibet im hertzen vnluſt vnd zwang zum Ge­ſetz / ſind ſolche werck alle verloren / vnd kein nütze. Das meinet S. Paulus am. iij. Cap. da er ſpricht / Durch Ge­ſe­tzes werck wird fur Gott kein Menſch gerecht. Da her ſiheſtu nu / das die Schulzencker vnd Sophiſten verfürer ſind / wenn ſie leren mit wercken ſich zur gnade bereiten. Wie kan ſich mit wercken zum guten bereiten / der kein gut werck / on vnluſt vnd vnwillen im hertzen thut? Wie ſol das werck Gottes gelüſten / das aus einem vnluſtigen vnd widerwilligen hertzen gehet.

Des Ge­ſe­tzes werck thun / vnd das Ge­ſetz erfül­len / iſt zweierley.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sophiſten .

 

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 5.

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 3.

→Rom. 4.

→Rom. 10.

ABer das Ge­ſetz erfüllen iſt / mit luſt vnd liebe ſeine werck thun / vnd frey on des Ge­ſe­tzes zwang göttlich vnd wol leben / als were kein Ge­ſe­tze oder ſtraffe. Solche luſt aber freier liebe / gibt der heilige Geiſt ins hertz / Wie er ſpricht im. v. Cap. Der Geiſt aber wird nicht denn allein / in / mit / vnd durch den glauben an Jheſum Chriſt / gegeben / wie er in der Vorrede ſaget. So kompt der glaube nicht / on alleine durch Gottes wort oder Euangelium / das Chri­ſtum pre­di­get / wie er iſt Gottes Son vnd Menſch / geſtorben vnd auff­er­ſtan­den vmb vnſern willen / Wie er am. iij. iiij. vnd x. Cap. ſaget.

Das Geſtz erfül­len.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Glaube kompt durchs Euange­lium.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 3.

DAher kompts / Das allein der Glaube gerecht machet / vnd das Ge­ſetz erfüllet / Denn er bringet den Geiſt aus Chri­ſ­tus verdienſt. Der Geiſt aber machet ein lüſtig vnd frey hertz / wie das Ge­ſetz foddert / So gehen denn die guten werck aus dem Glauben ſelber. Das meinet er am. iij. Cap. nach dem er des Ge­ſe­tzes werck verworffen hatte / das es lautet / als wolt er das Ge­ſetz auffheben durch den Glauben / Nein (ſpricht er) wir richten das Ge­ſetz an / durch den Glauben / das iſt / wir erfüllens durch den glauben.

Glaube macht al­lein gerecht.

 

 

 

 

 

 

Ge­ſetz wird durch den glauben auff gerichtet.

 

 

Die Wörter »Sünde« und »Tun«

 

 

 

 

 

 

 

 

Thun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Gen. 3.

SVnde hei­ſſet in der Schrifft / nicht allein das euſſerliche werck am Leibe / Sondern alle das Geſcheffte das ſich mit reget vnd weget zu dem euſſerlichen werck / nem­lich / des hertzen grund mit allen krefften. Alſo / das das wörtlin / Thun / ſol hei­ſſen / wenn der Menſch gantz dahin fellt vnd feret in die ſünde. Denn es geſchicht auch kein euſſerlich werck der ſünde / der Menſch fahre denn gantz mit leib vnd ſeele hin an. Vnd ſon­der­lich ſihet die Schrifft ins hertz / vnd auff die wurtzel vnd heubtquelle aller ſünde / welche iſt der Vnglaube im grunde des hertzen. Alſo / das / wie der Glaube alleine gerecht macht / vnd den Geiſt vnd luſt bringet / zu guten euſſerlichen wercken / Alſo ſündiget alleine der vnglaube vnd bringet das Fleiſch auff / vnd luſt zu böſen euſſerlichen wercken / wie Adam vnd Heua ge­ſchach im Paradis / Gen. am. iij. Cap.

Sünde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unglaube Heupt­quelle aller ſünde.

→Joh. 16.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Gen. 3.

 

DAher Chri­ſ­tus alleine den vnglauben ſünde nennet / da er ſpricht Johan. xvj. Der Geiſt wird die Welt ſtraffen vmb die Sünde / das ſie nicht gleuben an mich. Darumb auch / ehe denn gute oder böſe werck geſchehen / als die guten oder böſen Früchte / mus zuuor im hertzen da ſein Glaube oder Vnglaube / als die wurtzel / ſafft vnd heubtkrafft aller ſünde. Welchs in der Schrifft auch darumb der Schlangenkopff vnd des alten Trachenheubt hei­ſſet / den des Weibes ſame Chri­ſ­tus zuretten mus / wie Adam ver­hei­ſſen ward / Gene. am. iij.

Chri­ſ­tus nennet al­lein den vnglau­ben ſünde.

 

 

 

 

 

 

 

Schlangenkopff / etc.

 

 

Die Wörter »Gnade« und »Gabe«

 

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 5.

 

 

 

 

 

 

→Rom. 7.

→Gal. 5.

→Gen. 3.

 

GNade vnd Gabe ſind des vnterſcheids / das Gnade eigentlich hei­ſſet / Gottes hulde oder gunſt / die er zu vns treget bey ſich ſelbs / aus welcher er geneiget wird / Chri­ſtum vnd den Geiſt mit ſeinen Gaben in vns zu gieſſen / Wie das aus dem. v. Cap. klar wird / da er ſpricht / Gnade vnd Gabe in Chri­ſ­to etc. Ob nu wol die Gaben vnd der Geiſt in vns teg­lich zunemen / vnd noch nicht volkomen ſind / das alſo noch böſe lüſte vnd ſünde in vns vber­blei­ben / welche wider den Geiſt ſtreiten / wie er ſaget Rom. vij. vnd Gal. v. Vnd wie Gen. iij. verkündiget iſt der hadder zwi­ſchen des weibes Samen vnd der Schlangen ſamen / So thut doch die Gnade ſo viel / das wir gantz vnd fur vol gerecht fur Gott gerechnet werden. Denn ſeine gnade teilet vnd ſtücket ſich nicht / wie die Gaben thun / ſon­dern nimpt vns gantz vnd gar auff in die hulde / vmb Chri­ſ­tus vnſers

 

 

Gnade.

Gabe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Böſe luſt vnd ſün­de in den Heiligen vberig etc.

 

 

 

 

 

[331b | 332a]

 

 

Vórrede.

CCCXXXII.

 

 

Fürſprechers vnd Mitlers willen / vnd vmb das in vns die Gaben angefangen ſind.

ALſo verſteheſtu denn das. vij. Cap. da ſich S. Paulus noch einen Sünder ſchilt. Vnd doch im. viij. ſpricht / Es ſey nichts verdamlichs an denen / die in Chri­ſ­to ſind / der vnuolkomenen Gaben vnd des Geiſtes halben. Vmb des vngetödten Fleiſches willen / ſind wir noch Sünder / Aber weil wir an Chri­ſ­to gleuben / vnd des Geiſtes anfang haben / iſt vns Gott ſo günſtig vnd gnedig / das er ſolche ſünde nicht achten noch richten wil / Sondern nach dem glauben in Chri­ſ­to mit vns fahren / bis die ſünde getödtet werde.

Chri­ſ­ten ſind Ge­recht vnd doch Sünder.

 

 

Das Wort »Glaube«

 

GLaube iſt nicht der menſchliche wahn vnd trawm / den etliche fur glauben halten. Vnd wenn ſie ſehen / das keine beſſerung des Lebens noch gute werck folgen / vnd doch vom glauben viel hören vnd reden können / fallen ſie in den jrthum / vnd ſprechen / Der glaube ſey nicht gnug / Man müſſe werck thun / ſol man frum vnd ſelig werden. Das macht wenn ſie das Euangelium hören / ſo fallen ſie da her / vnd machen jnen aus eigen krefften einen gedancken / im hertzen / der ſpricht / Ich gleube / das halten ſie denn fur einen rechten glauben. Aber wie es ein menſchlich geticht vnd gedancken iſt / den des hertzen grund nimer erferet / Alſo thut er auch nichts / vnd folget keine beſſerung her nach.

 

Glaube.

 

→Joh. 1.

ABer Glaube iſt ein Göttlich werck in vns / das vns wandelt vnd new gebirt aus Gott / Joha. j. Vnd tödtet den alten Adam / machet vns gantz ander Men­ſchen von hertzen / mut / ſinn / vnd allen krefften / vnd bringet den heiligen Geiſt mit ſich. O es iſt ein lebendig / ſchefftig / thettig / mech­tig ding vmb den glauben / Das vmmüglich iſt / das er nicht on vnterlas ſolte guts wircken. Er fraget auch nicht / ob gute werck zu thun ſind / ſon­dern ehe man fraget / hat er ſie ge­than / vnd iſt jmer im thun. Wer aber nicht ſolche werck thut / der iſt ein glaubloſer Menſch / tappet vnd ſihet vmb ſich nach dem glauben vnd guten wercken / vnd weis weder was glaube oder gute werck ſind / weſchet vnd ſchwatzet doch viel wort vom glauben vnd guten wercken.

Krafft vnd ge­ſcheffte des glaubens.

 

GLaube iſt ein lebendige / erwegene zuuerſicht auff Gottes gnade / ſo gewis / das er tau­ſent mal drüber ſtürbe. Vnd ſolche zuuerſicht vnd erkentnis göttlicher gnade / machet frölich / trotzig vnd lüſtig gegen Gott vnd alle Creaturn / welchs der heilige Geiſt thut im glauben. Da her on zwang willig vnd lüſtig wird jederman guts zu thun / jederman zu dienen / al­ler­ley zu leiden / Gott zu liebe vnd zu lob / der jm ſolche gnade erzeiget hat. Alſo / das vmmüglich iſt / werck vom glauben ſcheiden / Ja ſo vmmüglich / als brennen vnd leuchten / vom fewr mag geſcheiden werden. Darumb ſihe dich fur / fur deinen eigen falſchen gedancken / vnd vnnützen Schwetzern / die vom glauben vnd guten wercken klug ſein wöllen zu vrteilen / vnd ſind die gröſten Narren. Bitte Gott / das er den Glauben in dir wircke / ſonſt bleibeſtu wol ewiglich on Glauben / du tichteſt vnd thuſt / was du wilt oder kanſt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Glaube vnd werck ſinnd vnge­ſcheiden.

 

 

Das Wort »Gerechtigkeit«

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Rom. 14.

GErechtigkeit iſt nu ſolcher Glaube / Vnd hei­ſſet Gottes gerechtigkeit / oder die fur Gott gilt / darumb / das ſie Gott gibt / vnd rechent fur gerechtigkeit / vmb Chri­ſ­tus willen vnſern Mittler / vnd macht den Men­ſchen / das er jederman gibt was er ſchüldig iſt. Denn durch den glauben wird der Menſch on ſünde / vnd gewinnet luſt zu gottes geboten / Da mit gibt er Gott ſeine Ehre / vnd bezalet jn / was er jm ſchuldig iſt. Aber den Men­ſchen dienet er wil­lig­lich / wo mit er kan / vnd bezalet da mit auch jederman. Solche gerechtigkeit kan Natur / Freierwille / vnd vnſer Kreffte nicht zu wegen bringen / Denn wie niemand jm ſelber kan den glauben geben / So kan er auch den vnglauben nicht wegnemen / Wie wil er denn eine einige kleineſte ſünde / wegnemen? Darumb iſts alles falſch / heucheley vnd ſünde / was auſſer dem glauben oder in vnglauben geſchicht / Rom. xiiij. es gleiſſe wie gut es mag.

Gerechtigkeit

Gottes.

 

 

Die Wörter »Fleisch« und »Geist«

 

 

 

 

 

 

 

→Joh. 3.

 

 

 

 

 

 

 

 

→Gal. 5.

FLeiſch vnd Geiſt muſtu hie nicht alſo ver­ſte­hen / Das Fleiſch alleine ſey / was die vnkeuſcheit betreffe / vnd Geiſt was das innerliche im hertzen betreffe. Sondern Fleiſch hei­ſſet Paulus / wie Chri­ſ­tus. Joh. iij. alles was aus Fleiſch geboren iſt / denn gan­tzen Men­ſchen / mit leib vnd ſeele / mit vernunfft vnd allen ſinnen / Darumb / das es alles an jm nach dem fleiſch trachtet. Alſo / das du auch den Fleiſchlich wiſſeſt zu hei­ſſen / der on Gnade / von hohen geiſtlichen ſachen viel tichtet / leret vnd ſchwetzet. Wie du das aus den wercken des fleiſches / Gal. v. wol kanſt lernen / da er auch Ketzerey vnd haſs / fleiſches

 

Fleiſch.

Geiſt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fleiſchlich menſch

 

 

 

 

[332a | 332b]

 

 

Vórrede.

 

werck hei­ſſet. Vnd Rom. viij. ſpricht er / Das durchs Fleiſch das Ge­ſetz geſchwecht wird / welchs nicht von vnkeuſcheit / ſon­dern von allen ſünden / allermeiſt aber vom vnglauben geſagt iſt / der das allergeiſtlichſte Laſter iſt.

 

WIderumb auch / den Geiſtlich hei­ſſet / der mit den aller euſſerlichſten wercken vmbgehet / als Chri­ſ­tus / da er der Jünger füſſe wuſch / vnd Petrus / da er das Schiff füret vnd fiſchet. Alſo / das Fleiſch ſey ein Menſch / der in­wen­dig vnd aus­wen­dig lebet vnd wircket / das zu des Fleiſches nutz vnd zeitlichem Leben / dienet. Geiſt ſey der in­wen­dig vnd aus­wen­dig lebet vnd wircket / das zu dem Geiſt vnd zu künfftigem leben dienet.

Geiſtlich menſch.

 

 

 

 

Fleiſch.

Geiſt.

 

On ſolchen verſtand dieſer wörter / wirſtu dieſe Epiſtel S. Pauli / noch kein Buch der heiligen Schrifft nimermher verſtehen. Darumb hüte dich fur allen Lerern / die anders dieſe wort brauchen / ſie ſeien auch / wer ſie wöllen / obs gleich Hieronymus / Auguſtinus / Ambroſius / Origenes / vnd jrs gleichen / vnd noch höher weren. Nu wöllen wir zur Epiſtel greiffen.

 

 

Teil 2
Die Kapitel I. bis XVI. im Überblick

 

 

Kurzfassung des Kapitels I.
Das Amt eines Evangelischen Predigers

 

DIEweil einem Euangeliſchen Pre­di­ger ge­bürt / am erſten durch offen­ba­rung des Ge­ſe­tzes vnd der Sün­den / alles zu ſtraffen / vnd zu ſün­den machen / das nicht aus dem Geiſt vnd glauben an Chri­ſ­to gelebt wird / Da mit die Men­ſchen zu jrem eigen erkentenis vnd jamer ge­fü­ret werden / da ſie demütig werden / vnd hülffe begeren. So thut S. Paulus auch / vnd fehet an jm. j. Cap. vnd ſtraffet die groben ſünde vnd vnglauben / die öffentlich ſind am tage / als der Heiden ſünde waren / vnd noch ſind / die on Gottes gnade leben / vnd ſpricht / Es werde offenbaret durchs Euangelium Gottes zorn von Himel / vber alle Men­ſchen / vmb jres Gottloſen weſens vnd vn­ge­rech­tig­keit willen. Denn ob ſie gleich wiſſen vnd teg­lich erkennen / das ein Gott ſey / So iſt doch die Natur an jr ſelbs / auſſer der gnaden / ſo böſe / das ſie jm weder dancket / noch jn ehret. Sondern verblendet ſich ſelbs / vnd fellet on vnterlas in erger weſen / Bis das ſie noch Abgöttereien / auch die ſchentlichſten Sünden / mit allen Laſtern wircket / vnuerſchampt / vnd da zu vngeſtraffet leſſt an den andern.

Ampt eines Evan­geliſchen Predi­gers.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I.

 

 

Kurzfassung des Kapitels II.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Mat. 23.

M. ij. Cap. ſtrecket er ſolche ſtraffe wei­ter auch auff die / ſo euſſerlich frum ſcheinen oder heimlich ſün­di­gen / Als die Jüden waren / vn noch alle Heuchler ſind / die on luſt vnd liebe wol leben / vnd im hertzen Gottes geſetze feind ſind / vnd doch ander Leute gerne vrteilen. Wie aller Gleiſner art iſt / das ſie ſich ſelbs rein achten / vnd doch vol Geitzes / haſſes / hoffart / vnd alles vnflats ſtecken / Matth. xxiij. Die ſinds eben / die Gottes gütigkeit verachten / vnd nach jrer Hartigkeit den zorn vber ſich heuffen. Alſo / das S. Paulus / als ein rechter Ge­ſetz verklerer / niemand on ſünde bleiben leſſet / Sondern allen den zorn Gottes verkündiget / die aus natur oder freiem willen wollen wol leben / vnd leſſt ſie nichts beſſer ſein / denn die öffentlichen Sünder / ja er ſpricht / ſie ſeien hartmütige vnd vnbuſfertige.

II.

Art der Heuchler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. Paulus leſſet niemand on ſünde bleiben.

 

 

Kurzfassung des Kapitels III.

 

M. iij. Wirfft er ſie alle beide in einen hauffen / vnd ſpricht / Einer ſey wie der ander / alle zu mal Sünder fur Gott. On das die Jüden Gottes wort gehabt / wiewol viel nicht dran gegleubt haben / Doch da mit Gottes glaube vnd warheit nicht aus iſt. Vnd füret zufellig ein den Spruch aus dem. lj. Pſal. Das Gott gerecht bleibet in ſeinen worten. Darnach kompt er wider darauff / vnd beweiſet auch durch Schrifft / das ſie alle Sunder ſind / vnd durch Ge­ſe­tzes werck niemand gerecht werde / Sondern das Ge­ſetz nur die ſünde zu erkennen gegeben ſey.

DArnach fehet er an / vnd leret den rechten weg / wie man müſſe frum vnd ſelig werden / vnd ſpricht / Sie ſind alle Sünder vnd on Gottes rhum / Müſſen aber on verdienſt gerecht werden / durch den Glauben an Chri­ſtum / der vns ſolchs verdienet hat / durch ſein Blut / vnd vns ein Gnadeſtuel worden von Gott / der vns alle vorige ſünde vergibt. Da mit er beweiſe / das ſeine Gerechtigkeit / die er gibt im glauben / alleine vns helffe / die zu der zeit durchs Euangelium offenbaret / vnd zuuor durchs Ge­ſetz vnd die Propheten bezeuget iſt. Alſo wird das Ge­ſetz / durch den glauben auffgerichtet / ob wol des Ge­ſe­tzes werck da mit werden nidergelegt / ſampt jrem rhum.

III.

Jüden vnd Hei­den alle Sünder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie man fur Gott gerecht vnd ſelig wird.

 

 

Kurzfassung des Kapitels IIII.

 

M iiij. Als nu durch die erſten drey Cap. die ſünde offenbaret / vnd der weg des glaubens zur gerechtigkeit geleret iſt / Fehet er an zu begegnen etlichen Einreden vnd Anſprüchen. Vnd nimpt am erſten den fur / den gemeiniglich

 

IIII.

 

 

 

 

[332b | 333a]

 

 

Vorrede.

CCCXXXIII.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

→Gen. 15.

 

thun / alle die vom Glauben hören / wie er on werck gerecht macht / vnd ſprechen / Sol man denn nu keine gute werck thun? Alſo helt er hie jm ſelbs fur den Ab­ra­ham / vnd ſpricht / Was hat denn Ab­ra­ham mit ſeinen wercken ge­than? Iſts alles vmb ſonſt ge­we­ſen? Waren ſeine werck kein nütz? Vnd ſchleuſſet / Das Ab­ra­ham on alle werck / allein durch den glauben gerecht worden ſey / So gar das er auch vor dem werck ſeiner Beſchneitung durch die Schrifft allein ſeines glaubens halben gerecht gepreiſet werde / Gen. xv. Hat aber das werck der Beſchneitung zu ſeiner gerechtigkeit nichts ge­than / das doch Gott jm gebot / vnd ein gut werck des gehorſams war / So wird gewiſlich auch kein ander gut werck zur gerechtigkeit etwas thun. Sondern wie die Beſchneitung Abrahe ein euſſerlich Zeichen war / da mit er ſeine gerechtigkeit im glauben beweiſete / Alſo ſind alle gute werck nur euſſerliche zeichen / die aus dem glauben folgen / vnd beweiſen / als die guten Früchte / das der Menſch ſchon fur Gott in­wen­dig gerecht ſey.

 

 

Ab­ra­ham iſt al­lein durch den glauben gerecht worden etc.

 

DA mit beſtetiget nu S. Paulus als mit einem krefftigen Exempel aus der Schrifft ſeine vorige lere im iij. Cap. vom glauben. Vnd füret dazu noch einen Zeugen / Dauid aus dem xxxij. Pſalm / der auch ſaget / Das der Menſch on werck gerecht werde / Wiewol er nicht on werck bleibet / wenn er gerecht worden iſt. Darnach breitet er das Exempel aus / wider alle ander werck des Ge­ſe­tzes / vnd ſchleuſt das die Jüden nicht mügen Ab­ra­hams Erben ſein / alleine des Geblüts halben / viel weniger des Ge­ſe­tzes werck halben / Sondern müſſen Ab­ra­hams glauben erben / wollen ſie rechte Erben ſein. Sin­te­mal Ab­ra­ham vor dem Ge­ſe­tze / beide Moſi vnd der Beſchneitung / durch den glauben iſt gerecht worden / vnd ein Vater genennet aller gleubigen. Da zu auch das Ge­ſetz viel mehr zorn wircke denn gnade / die weil es niemand mit liebe vnd luſt thut / Das viel mehr vngnade denn gnade durch des Ge­ſe­tzes werck kompt. Darumb mus allein der glaube die gnade Abrahe ver­hei­ſſen / erlangen. Denn auch ſolche Exempel vmb vnſern willen geſchrieben ſind / das wir auch ſollen gleuben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die des glaubens ſind / ſind Abra­hams Kinder vnd Erben etc.

 

 

Kurzfassung des Kapitels V.

 

AM v. kompt er auff die Früchte vnd werck des Glaubens / als da ſind Friede / Freude / Liebe gegen Gott vnd jederman / dazu ſicherheit / trotz / freidigkeit / mut vnd hoffnung in trübſal vnd leiden. Denn ſolches alles folget / wo der Glaube recht iſt / vmb des vberſchwenglichen gutes willen / das vns Gott in Chri­ſ­to erzeiget / das er jn fur vns hat ſterben laſſen / ehe wir jn darumb bitten kundten / ja da wir noch Feinde waren. Alſo haben wir denn / das der glaube on alle werck gerecht machet / Vnd doch nicht daraus folget / das man darumb kein gut werck thun ſolle / Sondern das die rechtſchaffene werck nicht auſſen bleiben / Von welchen die Werckheiligen nichts wiſſen / vnd tichten jnen ſelbs eigene werck / darinnen weder friede / freude / ſicherheit / liebe / hoffnung / trotz / noch keines rechten Chriſtlichen wercks vnd glaubens art iſt.

V.

Frucht vnd werck des glaubens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werckheiligen wiſſen nichts von den rechtſchaffe­nen wercken / ſo dem glauben fol­gen.

 

 

 

DArnach thut er einen luſtigen Ausbruch vnd Spaciergang / vnd erzelet / wo beide Sünde vnd Gerechtigkeit / Tod vnd Leben her komen. Vnd helt die zween fein gegenander / Adam vnd Chri­ſtum. Wil alſo ſagen / Darumb muſte Chri­ſ­tus komen / ein ander Adam / der ſeine Gerechtigkeit auff vns erbete / durch ein new geiſtliche Geburt im glauben / Gleich wie jener Adam auff vns geerbet hat die ſünde / durch die alte fleiſchliche Geburt.

Wie Adam auff vns geerbet hat die ſünde / Alſo er­bet Chri­ſ­tus auff vns ſeine gerech­tigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DA mit wird aber kund vnd beſtetiget / Das jm niemand kan ſelbs aus ſünden zur gerechtigkeit mit wercken helffen / ſo wenig er kan weren / das er leiblich geboren wird. Das wird auch da mit beweiſet / das das göttliche Ge­ſetz / das doch billich helffen ſolte / ſo etwas helffen ſolte zur gerechtigkeit / nicht allein on hülffe komen iſt / ſon­dern hat auch die ſünde gemehret / darumb / das die böſe Natur jm deſte feinder wird / vnd jre luſt deſte lieber büſſen wil / je mehr jr das Ge­ſetz wehret. Das alſo das Ge­ſetz Chri­ſtum noch nötiger machet / vnd mehr gnade foddert / die der Natur helffe.

 

Niemand kan jm ſelbs aus der ſün­de helffen.

 

 

 

 

 

 

Ge­ſetz mehret die Sünde.

 

 

 

Kurzfassung des Kapitels VI.

 

AM vj. Nimpt er das ſon­der­liche werck des glaubens fur ſich / den ſtreit des Geiſtes mit dem Fleiſch / vollend zu tödten die vbrigen ſünde vnd lüſte / die nach der Gerechtigkeit vberblieben. Vnd leret vns / Das wir durch den glauben nicht alſo gefreiet ſind von ſünden / das wir müſſig / faul vnd ſicher ſein ſolten / als were keine ſünde mehr da. Es iſt ſünde da. Aber ſie wird nicht zur verdamnis gerechnet / vmbs glaubens willen / der mit jr ſtreittet. Darumb haben wir mit vns ſelbs gnug zu ſchaffen vnſer leben lang / da wir vnſern Leib zemen / ſeine lüſte tödten / vnd ſeine Gliedmas zwingen / das ſie dem Geiſt gehorſam ſeien vnd nicht den lüſten. Da mit wir dem Tod vnd auff­er­ſte­hen Chriſti gleich ſein / vnd

 

VI.

Streit des Gei­ſtes mit dem Fleiſch.

 

Glaube fichtet on vnterlas wider die ſünd.

 

 

 

 

 

[333a | 333b]

 

 

Vorrede.

 

 

vnſer Tauffe volbringen (die auch den Tod der ſünden vnd new Leben der gnaden bedeutet) Bis das wir gar rein von ſünden / auch leiblich mit Chri­ſ­to auff­er­ſte­hen / vnd ewiglich leben.

Deutung der Tauffe.

 

 

VNd des können wir thun / ſpricht er / weil wir in der Gnaden vnd nicht in dem Ge­ſetz ſind. Welchs er ſelbs ausleget / das on Ge­ſetz ſein / ſey nicht ſo viel geſagt / das man keine Ge­ſe­tze habe / vnd müge thun / was jederman gelüſtet / Sondern vnter dem Ge­ſetz ſein / iſt / wenn wir on gnade / mit Ge­ſe­tzes wercken vmbgeben / Als denn herrſchet gewiſlich die ſünde durchs Ge­ſe­tze / ſintemal niemand dem Ge­ſetz hold iſt von natur / Daſſelbige iſt aber groſſe ſünde. Die gnade machet vns aber das Ge­ſe­tze lieblich / So iſt denn keine ſünde mehr da / vnd das Ge­ſetz nicht mehr wider vns / ſon­dern eines mit vns.

 

 

 

On Ge­ſetz ſein.

 

 

Vnter dem Ge­ſetz sein.

 

 

DAsſelbige aber iſt die rechte Freheit von der Sünden vnd vom Ge­ſe­tze / von welcher er bis ans ende dieſes Cap. ſchreibet / Das es ſey eine Freiheit nur guts zuthun mit luſt / vnd wol leben on zwang des Ge­ſe­tzes. Darumb iſt die Freiheit ein geiſtlich freiheit / die nicht das Ge­ſe­tze auffhebet / ſon­dern darreichet / was vom Ge­ſetz gefoddert wird / nem­lich luſt vnd liebe / da mit das Ge­ſetz geſtillet wird / vnd nicht mehr zu treiben vnd zu foddern hat. Gleich als wenn du einem Lehenherrn ſchüldig wereſt / vnd kündeſt nicht bezalen. Von dem möchteſtu zweierley weiſe los werden / Ein mal / das er nichts von dir neme / vnd ſein Regiſter zuriſſe. Das ander mal / das ein frum Man fur dich bezalete / vnd gebe dir / da mit du ſeinem Regiſter gnugthetteſt. Auff dieſe weiſe hat vns Chri­ſ­tus vom Ge­ſetz frey gemacht / Darumb iſts nicht eine wilde fleiſchliche Freiheit / die nichts thun ſolle / Sondern die viel vnd al­ler­ley thut / vnd von des Ge­ſe­tzes foddern vnd ſchuld ledig iſt.

Freiheit von ſün­den vnd Ge­ſetz etc.

 

 

Kurzfassung des Kapitels VII.

 

AM vij. Beſtetiget er ſolchs mit einem Gleich­nis des ehelichen lebens. Als wenn ein man ſtirbet / ſo iſt die Fraw auch ledig / vnd iſt alſo eins des andern los vnd abe. Nicht alſo / das die Frawe nicht müge oder ſolle einen andern Man nemen / Sondern viel mehr / das ſie nu aller erſt recht frey iſt / einen andern zunemen / Das ſie vor hin nicht kundte thun / ehe ſie jenes Mannes ab war. Alſo iſt vnſer gewiſſen verbunden dem Ge­ſetz / vnter dem ſündlichen alten Men­ſchen / Wenn der getödtet wird durch den Geiſt / ſo iſt das Gewiſſen frey / vnd eines des andern los. Nicht das das Gewiſſen ſolle nichts thun / ſon­dern nu aller erſt recht an Chri­ſ­to / dem andern Manne hangen / vnd Frucht bringen des Lebens.

VII.

Gleichnis vom ehelichen leben.

 

 

DArnach ſtreichet er weiter aus die art der Sünde vnd des Ge­ſe­tzes / wie durch das Ge­ſetz die ſünde ſich nu recht reget vnd gewaltig wird. Denn der alte Menſch wird dem Ge­ſetz nur deſte feinder / weil er nicht kan bezalen / das vom Ge­ſetz gefoddert wird. Denn ſünde iſt ſeine natur / vnd kan von jm ſelbs nicht anders / darumb iſt das Ge­ſetz ſein tod / vnd alle ſeine marter. Nicht das das Ge­ſetz böſe ſey / ſon­dern das die böſe natur nicht leiden kan das gute / das es gutes von jm foddere. Gleich wie ein Krancker nicht leiden kan / das man von jm foddere lauffen vnd ſpringen / vnd andere wercke eines Geſunden.

Die Sünde reget sich durchs Ge­ſetz vnd wird gewal­tiger etc.

 

 

 

 

 

 

Ampt des Ge­ſetzs wens recht erkand wird.

 

 

DArumb ſchleuſſt S. Paulus hie / das / wo das Ge­ſetz recht erkennet vnd auffs beſte gefaſſet wird / da thut es nicht mehr / denn es erinnert vns vnſer ſünde / vnd tödtet vns durch die ſelbige / vnd machet vns ſchüldig des ewigen zorns. Wie das alles fein ſich leret vnd erferet im Gewiſſen / wens mit dem Ge­ſetz recht troffen wird. Alſo / das man mus etwas anders haben / vnd mehr denn das Ge­ſetz / den Men­ſchen frum vnd ſelig machen. Welche aber das Ge­ſetz nicht recht erkennen / die ſind blind / gehen mit vermeſſenheit da hin / meinen jm mit wercken gnug zu thun / Denn ſie wiſſen nicht wie viel das Ge­ſetz foddert / nem­lich / ein frey / willig / luſtig hertz. Darumb ſehen ſie Moſi nicht recht vnter augen / das Tuch iſt jnen da fur gelegt vnd zugedecket.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heuchler erkennen nicht des Ge­ſe­tzes krafft.

 

 

DARnach zeiget er / wie Geiſt vnd Fleiſch miteinander ſtreiten in einem Men­ſchen. Vnd ſetzet ſich ſelbs zu einem Exempel / Das wir lernen / das werck (die ſünde in vns ſelbs zu tödten) recht erkennen. Er nennet aber beide den Geiſt vnd das Fleiſch ein geſetze / darumb / das gleich wie des göttlichen Ge­ſe­tzes art iſt / das es treibet vnd foddert. Alſo treibet vnd foddert vnd wütet auch das Fleiſch wider den Geiſt / vnd wil ſeine luſt haben. Widerumb treibt vnd foddert der Geiſt wider das Fleiſch / vnd wil ſeine luſt haben. Dieſer zanck weret in vns / ſo lange wir leben / In einem mehr / im andern weniger darnach der Geiſt oder Fleiſch

 

Kampff des

Geiſts vnd Flei­ſch­es in den Hei­li­gen

 

S. Paulus nennet Geiſt vnd Fleiſch ein Ge­ſetz.

 

 

 

 

[333b | 334a]

 

 

Vorrede.

CCCXXXIIII.

 

 

ſtercker wird. Vnd iſt doch der gantze Menſch ſelbs alles beides / Geiſt vnd Fleiſch der mit jm ſelbs ſtreittet / bis er gantz geiſtlich werde.

 

 

Kurzfassung des Kapitels VIII.

 

AM viij. Tröſtet er ſolche Streitter / das ſie ſolch Fleiſch nicht verdamne. Vnd zeiget weiter an / was Fleiſches vnd Geiſtes art ſey / vnd wie der Geiſt kompt aus Chri­ſ­to / der vns ſeinen heiligen Geiſt gegeben hat / der vns geiſtlich machet / vnd das Fleiſch dempffet. Vnd vns ſichert / das wir dennoch Gottes Kinder ſind / wie hart auch die Sünde in vns wütet / So lange wir dem Geiſte folgen / vnd der Sünde widerſtreben ſie zu tödten. Weil aber nichts ſo gut iſt / das Fleiſch zu teuben / als Creutz vnd leiden / tröſtet er vns im leiden / durch beyſtand des Geiſtes / der liebe / vnd aller Creaturen / nem­lich / das beide der Geiſt in vns ſeufftzet / vnd die Creatur ſich mit vns ſehnet / das wir des Fleiſches vnd der Sünde los werden. Alſo ſehen wir / das dieſe drey Cap. 6. 7. 8. auff das einige werck des glaubens treiben / das da hei­ſſet / den alten Adam tödten / vnd das Fleiſch zwingen.

VIII.

Art Fleiſches und Geiſts.

 

Das fleiſsch vnd ſünde wird ge­teubt durchs Creutz.

 

 

Kurzfassung der Kapitel IX., X. und XI.

Lere von der ewigen Verſehung Gottes.

AM .ix. x. vnd xj. Cap. leret er von der ewi­gen verſehung Gottes / Da her es vr­ſprüng­lich fleuſſet / wer gleuben oder nicht gleuben ſol / von ſünden los / oder nicht los werden kan / Da mit es je gar aus vnſern henden genomen vnd alleine in Gottes hand geſtellet ſey / das wir frum werden. Vnd das iſt auch auffs allerhöheſt not / Denn wir ſind ſo ſchwach vnd vngewis / das / wenn es bey vns ſtünde / würde freilich nicht ein Menſch ſelig / der Teufel würde ſie gewiſlich alle vberweldigen. Aber nu Gott gewis iſt / das jm ſein verſehen nicht feilet / noch jemand jm weren kan? haben wir noch hoffnung wider die Sünde.

IX.

 

 

XI.

 

 

ABer hie iſt den freuelen vnd hochfarenden Geiſtern ein mal zuſtecken / die jren verſtand am erſten hie her füren / vnd oben anheben / zuuor den abgrund göttlicher Verſehung zu forſchen / vnd vergeblich da mit ſich bekümern / ob ſie verſehen ſind. Die müſſen ſich denn ſelbs ſtörtzen / das ſie entweder verzagen / oder ſich in die freie ſchantz ſchlahen.

 

DV aber folge dieſer Epiſtel in jrer ordnung / Bekümere dich zuuor mit Chri­ſ­to vnd dem Euangelio / das du deine Sünde vnd ſeine Gnade erkenneſt. Darnach mit der ſünden ſtreitteſt / Wie hie das j. ij. iij. iiij. v. vj. vij. viij. Cap. geleret haben. Darnach wenn du in das viij. komen biſt / vnter das Creutz vnd leiden / das wird dich recht leren die Verſehung im ix. x. xj. Cap. wie tröſtlich ſie ſey. Denn on leiden / Creutz vnd Todſnöten / kan man die Verſehung nicht on ſchaden vnd heimlichen zorn wider Gott handeln. Darumb mus Adam zuuor wol tod ſein / ehe er dis ding leide / vnd den ſtar­cken wein trin­cke. Darumb ſihe dich fur / das du nicht wein trin­ckeſt / wenn du noch ein Seugling biſt / Ein jgliche Lere hat jre maſſe / zeit vnd alter.

Wie von der Ver­ſehung zu lesen ſey.

 

 

Kurzfassung des Kapitels XII.

 

AM xij. Leret er den rechten Gottes­dienſt / vnd machet alle Chri­ſ­ten zu Pfaffen / das ſie opffern ſollen / Nicht Geld noch Vieh / wie im Ge­ſetz / ſon­dern jre eigene Leibe / mit tödtung der lüſte. Darnach beſchreibet er den euſſerlichen wandel der Chri­ſ­ten / im geiſtlichen Regiment / wie ſie leren / predigen / regieren / dienen / geben / leiden / lieben / leben vnd thun ſollen / gegen Freund / Feind / vnd jederman. Das ſind die werck die ein Chri­ſ­ten thut / Denn wie geſagt iſt / Glaube feiret nicht.

XII.

Op­ffer der Chri­ſten / die alle Prie­ter ſind.

 

 

Kurzfassung des Kapitels XIII.

 

AM xiij. Leret er das weltlich Regiment eh­ren vnd gehorſam ſein / Welches darumb eingeſetzt iſt / obs wol die Leute nicht frum machet fur Gott / ſo ſchaffets doch ſo viel / das die Frumen euſſerlich friede vnd ſchutz haben / vnd die Böſen on furcht oder mit friede vnd ruge nicht können frey vbels thun. Darumb es zu ehren iſt auch den Frumen / ob ſie wol ſein nicht dürffen. Endlich aber faſſet er alles in die Liebe / vnd beſchleuſſt es in das Exempel Chriſti / wie der vns ge­than hat / das wir auch alſo thun / vnd jm nachfolgen.

XIII.

Warumb das Weltlich Regi­ment eingeſetzt ſey.

 

 

Kurzfassung des Kapitels XIIII.

 

AM xiiij. Leret er die ſchwachen Gewiſſen im glauben ſeuberlich füren / vnd jr ſchonen / Das man der Chri­ſ­ten freiheit nicht brauche zu ſchaden / ſon­dern zur forderung der Schwachen. Denn wo man das nicht thut / da folget zwitracht vnd verachtung des Euangelij / daran doch alle not ligt. Das es beſſer iſt / den Schwachgleubigen ein wenig weichen / bis ſie ſtercker werden / denn das aller dinge die lere des Euangelij ſolt vntergehen. Vnd iſt ſolchs werck ein ſon­der­lich werck der Liebe / das wol auch itzt von nöten iſt / da man mit Fleiſch eſſen vnd ander Freiheit / frech vnd rauch / on alle not / die ſchwachen Gewiſſen zurüttelt / ehe ſie die warheit erkennen.

 

XIIII.

Wie man mit den ſchwachen Gewi­ſſen vmbgehen ſol.

 

 

 

 

[334a | 334b]

 

 

Vórrede.

 

 

 

Kurzfassung des Kapitels XV.

 

AM. xv. Setzt er Chri­ſtum zum Exem­pel / das wir auch die andern Schwachen dulden / als die ſonſt gebrechlich ſind in öffentlichen ſünden / oder von vnluſtigen Sitten / welche man nicht mus hin werffen / ſon­dern tragen / bis ſie auch beſſer werden. Denn alſo hat Chri­ſ­tus mit vns ge­than / vnd thut noch teg­lich / das er gar viel vntugent / vnd böſer ſitten / neben aller vnuolkomenheit / an vns treget / vnd hilfft on vnterlas. Darnach zum beſchlus / bittet er fur ſie / lobet ſie / vnd befihlet ſie Gott. Vnd zeiget ſein Ampt vnd pre­di­get an. Vnd bittet ſie gar ſeuberlich vmb Steure an die Armen zu Je­ru­ſa­lem. Vnd iſt eitel liebe / dauon er redet / vnd damit er vmbgehet.

XV.

Die gebrechlich ſind ſol man tra­gen.

 

 

Kurzfassung des Kapitels XVI.

 

DAs letzte Cap. iſt ein grus Cap. Aber da­run­ter vermiſchet er gar eine edle warnung fur Men­ſchenleren / die da neben der Euangeliſchen lere einfallen / vnd ergernis anrichten. Gerade als hette er gewiſlich erſehen / das aus Rom vnd durch die Römer komen ſolten / die verfüriſchen / ergerlichen Canones vnd Decretales / vnd das gantze geſchwürm vnd gewürm menſchlicher Ge­ſe­tzen vnd geboten / die jtzt alle Welt erſeuffet / Vnd dieſe Epiſtel vnd alle heilige Schrifft ſampt dem Geiſt vnd Glauben vertilget haben / das nichts mehr da blieben iſt / denn der Abgott / Bauch / des Diener ſie hie S. Paulus ſchilt. Gott erlöſe vns von jnen / AMEN.

XVI.

Warnung fur menſchenlere .

Canones vnd De­cretales .

 

 

Zusammenfassung

 

ALſo finden wir in dieſer Epiſtel auffs aller­reich­lich­ſte / was ein Chri­ſ­ten wiſſen ſol / nem­lich / was Ge­ſetz / Euangelium / Sünde / Straffe / Gnade / Glaube / Gerechtigkeit / Chri­ſ­tus / Gott / gute Werck / Liebe / Hoffnung / Creutz ſey. Vnd wie wir vns gegen jederman / er ſey frum oder ſünder / ſtarck oder ſchwach / Freund oder Feind / vnd gegen vns ſelber / halten ſollen. Da zu das alles mit Schrifften trefflich gegründet / mit Exempeln ſein ſelbs vnd der Propheten beweiſet / das nichts mehr hie zu wündſchen iſt. Darumb es auch ſcheinet / als habe S. Paulus in dieſer Epiſtel wollen ein mal in die kürtze verfaſſen / die gantze Chriſtliche vnd Euangeliſche lere / vnd einen Eingang bereiten in das gantze alte Teſtament.

Denn on zweiuel / wer dieſe Epiſtel wol im hertzen hat /
der hat des alten Teſtaments liecht vnd krafft
bey ſich. Darumb laſſe ſie ein jg­li­cher Chri­ſ­ten
jm gemein vnd ſtetig in vbung ſein.
Da gebe Gott ſeine Gnade zu /
A M E N.

 

❦❧

Was ein Chriſt wiſſen ſoll / iſt reich­lich in dieser Epi­ſtel verfaſſet.

 
 

 

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→Der Gerechte wird seines Glaubens leben

Römer 1,16a.17 | Lutherbibel 1545

Der Gerechte wird ſeines Glaubens leben.

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