Sonntag Quinquagesimä | Estomihi
Sonntag, 11. Februar 1872

◉ Home | ►Evangelischer Kirchenkalender | ►Sonntag Estomihi | Sonntag, 11. Februar 1872
Titel: Das evangelische Kirchenjahr
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün
11.2.1872 | Quinquagesimä | Estomihi<br>Sonntag vor der Fasten
Sonntag
 

Kirchenjahr 1871/1872

Sonntag
Quinquagesimä

Estomihi
Sonntag vor der Fasten

 
 
Bewegliches Datum
Sonntag Estomihi zwischen dem 1. Februar und dem 7. März
  • 7. Sonntag vor Ostern
  • Estomihi
    Sonntag vor der Fasten
  • Abhängig vom Osterdatum
    Quinquagesimä liegt zwischen dem 1. Februar und dem 7. März eines Jahres
 
Symbol: Abstand zum Osterfest
  • 49 Tage vor Ostern
  • gerechnet ab diesem Tag ist am 50. Tag Ostern

Der Name Estomihi

 

»Sei mir!«

esse: sein; esto: sei!
mihi: mir
esto mihi: sei mir!

 

Der Name Estomihi geht zurück auf die vorreformatorische Zeit und leitet sich ab von den ersten Worten des lateinischen Introitus der römisch-katholischen Messe für diesen Sonntag (»esto mihi in lapidem fortissimum et in domum munitam ut salves me«). Er hat sich sich in den evangelischen Kirchen als Bezeichnung für den Sonntag vor der Passionszeit bis heute erhalten.

Biblisch stützt sich die Bezeichnung Estomihi auf die ersten Worte in →Psalm 31,3b (das ist in der lateinischen Biblia Sacra Vulgata der Psalm 30,3).

Hier der Text aus der lateinischen Biblia Sacra Vulgata (Ps 30,3; Text nach H) und aus Luthers Biblia von 1545 ( Ps 31,3):

 

30 3a inclina ad me aurem tuam velociter libera me 3b esto mihi in lapidem fortissimum et in domum munitam ut salves me

 

313a Neige deine Ohren zu mir / eilend hilff mir / 3b Sey mir ein ſtarcker Fels vnd eine Burg / das du mir helffeſt.

 

Der Name Quinquagesimae

 

Der Sonntag vor der Passionszeit, Estomihi, trägt in Anlehnung an die beiden Sonntage davor (→Septuagesimae und →Sexagesimae) auch die Bezeichnung Quinquagesimae (lat. quinquagesima: fünfzig). Dieser Name zeigt an, dass die Osterwoche am 50. Tag ab diesem Sonntag beginnt (Ostersonntag).

Mit diesen Bezeichnungen spiegelt die Zeit zwischen den drei Sonntagen der Vorpassionszeit die gesamte Osterwoche zwischen →Ostersonntag und dem Samstag vor →Quasimodogeniti und richtet so den Blick auf die Freudenzeit nach der Passionszeit, die am →Aschermittwoch, dem Mittwoch nach Estomihi, beginnt.

  • Septuagesimae (lat. septuagesima: siebzig), 63 Tage vor Ostern, zeigt auf das Ende der Osterwoche, auf den Tag vor dem Sonntag Quasimodogeniti, den siebzigsten Tag ab Septuagesimae.
  • Sexagesimae (lat. sexagesima: sechzig), 56 Tage vor Ostern, zeigt auf die Mitte der Osterwoche (Mittwoch nach Ostersonntag), den sechzigsten Tag ab Sexagesimae.
  • Quinquagesimae (lat. quinquagesima: fünfzig), 49 Tage vor Ostern, zeigt auf den Beginn der Osterwoche, Ostersonntag, dem fünfzigsten Tag ab Quinquagesimae.
  • Zudem zeigt der Sonntag Quadragesimae (lat. quadragesima: vierzig), der Sonntag Invokavit, auf Gründonnerstag (den 40. Tag ab Invokavit), auf den Beginn des Triduum Paschale, der drei österlichen Tage, mit der →Vesper am Abend des Gründonnerstag.
Titel Gottesdienstliche Ordnung
Symbol Evangelisch

Der evangelische Sonntag

Quinquagesimä

Estomihi
Sonntag vor der Fasten

Gottesdienstliche Ordnung

 
 

Liturgische Farbe

 
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Grün

Grün

 

Nach altkirchlicher Textordnung

 

überwiegend gültig in den Jahren 1530/1531 bis 1897/1898

 

Thema des Sonntags

( nach dem Evangeliumstext Lk 18,31-43 )

 

Jeſu dritte Leidensankündigung und Heilung des Blinden vor Jericho

 

 

Spruch für die Woche

 
Biblia
1545
 

Spruch für die Woche

 

Sehet / wir gehen hinauff gen Jeruſalem / vnd es wird alles volendet / das geſchrieben iſt durch die Propheten / von des menſchen Son.

→Lk 18,31b

Pſalm
31
 

Psalm für die Woche

 
 

→Psalm 31

 

Hinweis: Der Spruch ist an dieser Stelle der Lutherbibel von 1545 entnommen und kann sich daher in Formulierung und Schreibweise geringfügig unterscheiden von Veröffentlichungen in Perikopenordnungen oder Gesangbüchern der jeweiligen Zeit.

 

 

Lied für die Woche

 
EG alt EG neu Titel
252 EG 384 Lasset uns mit Jeſu ziehen
 

EG: Evangelisches Gesangbuch
EG alt: Nummer des Liedes in alten Evangelischen Gesangbüchern
EG neu: Nummer des Liedes im neuen Evangelischen Gesangbuch (ab 2013)

 
 

Die biblischen Texte für Lesung und Predigt*

 
Lesung Text für die Lesung
Epistel Verweis1Kor 13
Evangelium VerweisLk 18,31-43
   

 

Erläuterungen zu den Perikopen

Mit der Reformation änderte sich die Bedeutung der Lesungen und der Predigt in der Kirche grundlegend. Gab es vorher keine oder nur eine sehr lose Bindung der Perikopen an die Messe, so war für Luther nun re­gel­mäßig die Evangelienperikope Grundlage der Predigt im sonntäglichen Hauptgottesdienst (Vor­mit­tags), an diesem Tag also VerweisLk 18,31-43.

Im Fokus der Predigt stand jetzt als Teil der Verkündigung die Auslegung des Evangeliums.

Die Epistelperikope war als Predigttext empfohlen für den Gebrauch im Gottesdienst am Nachmittag bzw. Abend. (siehe dazu auch Luthers Schrift →Von der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde, 1523, Über den Sonntagsgottesdienst).

Die Reihe der Epistelperikopen enthielt (anders als heute) auch Texte aus dem Alten Testament. Es gab keine spezielle Reihe für Lesungen aus dem Alten Testament.

Doch die Pfarrer und Prediger waren zunächst nicht nur frei darin, einen biblischen Text für die Predigt zu wählen, sondern geradezu aufgefordert, die Predigt an den Bedürfnissen der Gemeinde und an der geübten Praxis auszurichten.

In den meisten Kirchen wurden nahezu täglich Gottesdienste geboten (die in unseren Kalendern z. Z. nicht abgebildet sind). An Sonn- und Feiertagen konnten gleich mehrere Gottesdienste und Messen stattfinden. Hier entwickelten sich Leseempfehlungen für jeden Wochentag, in Summe also für jeden Tag des Kirchenjahres.

Von Bedeutung war auch die protestantische Ausrichtung der Gebietskirche: lutherisch, reformiert und uniert. Unterschiede zeigten sich in der Liturgie und damit im Verständnis der Predigt als Teil der Verkündigung.

Luthers allgemeinen Empfehlungen in seinen Schriften folgten etwa ab 1560 vereinzelt Ansätze, eine gewisse verbindliche Textordnung für Pfarrer und Gemeinden zu gestalten. Dies geschah jedoch zaghaft und zögerlich angesichts der bestehenden Meinungsvielfalt und angesichts der Lage der Entscheidungshoheit, die nicht in der Kirche, sondern beim Landesfürsten angesiedelt war. Zunächst gab es auch keinen hinreichenden Bedarf für neue Regelungen: Gottesdienst war selbstverständlich und die Bevölkerung nahm rege teil. Doch spätestens im Zeitalter der Aufklärung, als ein deutlicher Rückgang christlichen Engagements in der Bevölkerung zu erkennen war, die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig abnahm und etliche unterwöchige Gottesdienste und Messen gestrichen wurden, trat die Notwendigkeit deutlich hervor, das Gottesdienstverständnis und die Gottesdienste des Kirchenjahres zu überdenken.

Dies führte vielfach schon früh und speziell im 19. Jahrhundert zu zahlreichen unterschiedlichen Durchführungen, Vorschlägen und Erprobungen, bis sich 1896 die Eisenacher Konferenz als reichsweite Konferenz der deutschen Landeskirchen mit der Idee einer allgemein gültigen Textordnung beschäftigte und schließlich eine Perikopenordnung beschloss, die ab 1898/1899 allen evangelischen Landeskirchen zur Umsetzung empfohlen wurde.

Es ist derzeit an dieser Stelle nicht möglich, für die Jahre 1530/1531 bis 1898/1899 Textordnungen darzustellen, die über die altkirchlichen Perikopen für die Lesungen und Predigten hinaus gehen. Wir sind uns dabei bewusst, dass diese Perikopen regional und zeitlich begrenzt keine Bedeutung hatten.

 

HERR thu meine Lipppen auff

Das mein Mund deinen Rhum verkündige.

→Psalm 51,17

 

»Frewet euch mit den Frölichen /

vnd weinet mit den Weinenden.

Habt mit allen Menſchen Friede.«

→Römerbrief 12,15.18

Zum Gebrauch

Wir beschränken uns in den weit zu­rück­lie­gen­den Jahren auf Pe­ri­ko­pen­ord­nun­gen, die über­wie­gend in Ge­brauch oder empfoh­len wa­ren.

Zu bedenken ist, dass es zu keiner Zeit (und das bis heute) eine ein­heit­li­che evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land gab. Das führte zu zahl­rei­chen Ord­nun­gen ver­schie­de­ner Landes-, Gebiets- und Frei­kir­chen, die neben­ein­an­der be­stan­den. Das schlug sich nie­der in de­ren Ge­stal­tung der Gottes­dienste.

Durch den Rückblick ist zu­min­dest sche­men­haft er­kenn­bar, wie sich die Ver­wen­dung der bib­li­schen Texte in evan­ge­li­schen Gottes­diensten im Lau­fe der Zeit ver­än­der­te. Dies er­laubt auch Rück­schlüsse auf jene Zeit und auf die Men­schen, die als Gottes­dienst­be­su­cher Em­pfän­ger der bib­li­schen Bot­schaften waren.

Dadurch, dass es in­zwischen neue Ord­nun­gen für die Ver­wen­dung von Sprüchen, Psalmen, Bibel­texten und Lie­dern gibt, sind die alten Ord­nun­gen zwar li­tur­gisch über­holt, aber in­halt­lich des­we­gen kei­nes­wegs falsch.

 

Selbst lesen, selbst urteilen

Wir möchten Sie daher aus­drück­lich da­zu er­mun­tern, die in alter Zeit ver­wen­de­ten Text­stellen ein­mal in Ihrer Bibel zu lesen und sie auf diese Weise in Ihre per­sön­liche Ge­gen­wart zu holen. Nur so kön­nen Sie er­grün­den, ob das, wo­rauf sich Pfarrer vor hun­der­ten von Jahren in Gottes­dienst und Pre­digt stützen, auch noch heute aktu­ell ist. Aktu­ell für Sie ganz per­sönlich.

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel auf die­ser Sei­te ist in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
Empfehlungen: Das könnte Sie auch interessieren
Zum Artikel

Wann ist Ostern?

Die beweglichen Fest- und Feiertage im Jahreslauf hängen ab vom Osterdatum. Wir erläutern, wie sich das Osterdatum berechnet und nennen die aktuellen Daten der Feiertage.

→Mehr darüber in diesem Artikel.
Sabrina

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de
©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

SK Version 21.07.2019  

Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied der Europäischen Union.

 
Die Kalenderangaben beziehen sich ab dem Jahr 1949 auf Kalender der Bundesrepublik Deutschland (DE).
Die Datums- und Zeitangaben gelten nach Mitteleuropäischer Zeit (MEZ/MESZ | CET/CEST).
Fehler und Irrtümer sind nicht ausgeschlossen. Alle Angaben ohne Gewähr.