Der Sonntag Quinquagesimä

Der 50. Tag vor ab Ostersonntag

Herkunft und Sinn im liturgischen Jahr

Die Sonntagsnamen Septuagesimä, Sexagesimä, Quinquagesimä und Quadragesimä

 

Herkunft und Sinn im liturgischen Jahr

MODUL 4/9

Evangelisch gedacht
wortgebundene Klärungen zwischen Brauch, Bibel und Gegenwart

Der Sonntag Quinqusgesimä
(Estomihi)

Der 50. Tag ab Ostersonntag

 

Über die Bedeutung des Namens und gegenwärtige Fehlinterpretationen

 

Reiner Makohl | Februar 2026

 

Wor­um es hier geht

 

Der Sonn­tag Quin­qua­ge­si­mä bil­det den Ab­schluss der Vor­pas­si­ons­zeit. Sein Na­me ge­hört zur Rei­he der la­tei­ni­schen Zahl­be­zeich­nun­gen Sep­tua­ge­si­mä, Se­xa­ge­si­mä, Quin­qua­ge­si­mä und Qua­dra­ge­si­mä. In der li­tur­gi­schen Pra­xis wird er je­doch meist un­ter ei­nem an­de­ren Na­men wahr­ge­nom­men: Es­to­mi­hi.

Die­se Dop­pel­be­zeich­nung führt da­zu, dass die ur­sprüng­li­che Be­deu­tung des Na­mens leicht aus dem Blick ge­rät. Wäh­rend „Quin­qua­ge­si­mä“ ei­ne Zahl nennt – den fünf­zigs­ten Tag –, ver­weist „Es­to­mi­hi“ auf den In­troi­tus des Sonn­tags.

Die­ses Mo­dul fragt da­her zwei­er­lei: Wie ist die Zahl fünf­zig im Ka­len­der zu ver­ste­hen? Und wes­halb tritt in der li­tur­gi­schen Pra­xis der Psalm­vers­na­me Es­to­mi­hi an die Stel­le der Zahl­be­zeich­nung?

Die Un­ter­su­chung zeigt, dass auch Quin­qua­ge­si­mä kei­ne sym­bo­li­sche Zahl be­zeich­net. Der Na­me ge­hört zu ei­ner prä­zi­sen ka­len­da­ri­schen Zähl­struk­tur, die auf Os­tern aus­ge­rich­tet ist.

📖Le­se­zeit oh­ne Fuß­no­ten: ca. 15 Mi­nu­ten | mit Stu­di­um der Fuß­no­ten: ca. 30 Mi­nu­ten | Ge­rin­ge Vor­kennt­nis­se er­for­der­lich

 
Der Sonntagsname Quinquagesimä

Grafik: Der Sonntagsname Quinquagesimä
Bildnachweis: → siehe unten.

 

Quin­qua­ge­si­ma be­ginnt am Sonn­tag, an dem man Es­to mi­hi in de­um pro­tec­to­rem („Sei mir ein schüt­zen­der Gott“, → Ps 31,3) singt, und en­det an Os­tern.

Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne

 

Ein­lei­tung

 

Der Sonn­tag Quinqua­ge­si­mä (lat.: quinqua­ge­si­ma: der Fünf­zigs­te) ist – so­fern im Ka­len­der vor­han­den! – der Sonn­tag vor der Pas­si­ons­zeit. 1: Die Vor­pas­si­ons­zeit

Der Na­me be­deu­tet: der fünf­zigs­te [Tag]. Der Sonn­tag liegt 49 Ta­ge vor Os­tern und zeigt tat­säch­lich auf Os­ter­sonn­tag, dem fünf­zig­sten Tag ab Quin­qua­ge­si­mä. 2: In­klu­siv­zäh­lung

In der evangelischen Tradition wird der Name Quinquagesimä seit der Liturgiereform von 1977/1978 kaum noch verwendet. Der Sonntag heißt nun „Sonntag vor der Passionszeit - Estomihi“. Der Name Estomihi stammt aus der vorreformatorischen und altkrichlichen Zeit, gewählt nach dem Introitus, der an diesem Sonntag gesungen wurde: Esto mihi in deum protectorem, qua­re ob­dor­mis („Sei mir ein schützender Fels“; → Ps 31,3).

Damit unterscheidet er sich von den beiden vorausgehenden Sonntagen Septuagesimä und Sexagesimä. Während dort die Zahlbezeichnung im Vordergrund steht, begegnet hier im gottesdienstlichen Gebrauch häufig der Psalmversname.

Der Grund liegt in der liturgischen Funktion dieses Sonntags. Quinquagesimä steht unmittelbar vor dem Beginn der Passionszeit. In vielen kirchlichen Traditionen markierte dieser Sonntag daher eine Schwelle zwischen der festlichen Epiphaniaszeit und der kommenden Bußzeit.

Gerade diese Übergangsfunktion hat dazu geführt, dass der Sonntag stärker inhaltlich als rechnerisch interpretiert wurde. Seine Bedeutung wurde mit Bußvorbereitung, Fastenbeginn oder moralischen Themen verbunden.

Der Name Quinquagesimä verweist jedoch auf eine einfache kalendarische Aussage: den fünfzigsten Tag. Doch ab wo und wie wurde gezählt?

 

1. His­to­ri­sche Deu­tun­gen und ih­re Trag­fä­hig­keit

 

1.1. Die Be­deu­tung als Fas­ten­zeit

Die Acht-Wo­chen-Rech­nung und ih­re Gren­zen
 

Auch Quin­qua­ge­si­ma wur­de mit ei­ner zu­sätz­li­chen Fas­ten­wo­che im Ka­len­der be­grün­det.

So war klar, dass die Fas­ten­zeit (Qua­dra­ge­si­ma) ab dem Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä nur 36 Ta­ge um­fas­sen konn­te, wes­halb vier Ta­ge vor dem Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä zur Fas­ten­zeit ge­rech­net wur­den. Die Fas­ten­zeit be­gann am Ascher­mitt­woch. 3: Das Fas­ten­re­chen­mo­dell bei Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne

An­ders als das Volk fas­te­ten die Kle­ri­ker auch an den bei­den Ta­gen vor Ascher­mitt­woch. So wur­de schließ­lich ei­ne gan­ze Wo­che dar­aus, die man Quin­qua­ge­si­ma nann­te. Das sei so be­reits von Papst Te­les­pho­rus (Bi­schof von Rom um 125 bis um 136) an­ge­ord­net wor­den. 4: Telesphorus-Tradition bei Ps.-Ambrosius

Be­mer­kens­wert ist, dass in die­ser Er­klä­rung die ei­ne Wo­che vor Qua­dra­ge­si­mä, nicht der Sonn­tag, Quin­qua­ge­si­ma ge­nannt wur­de.

Der Na­me Quin­qua­ge­si­ma lässt sich aus die­sen sechs Fas­ten­ta­gen vor dem Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä nicht er­klä­ren. Zwar sind es ab dem Sonn­tag Quin­qua­ge­si­mä 50 Ka­len­der­ta­ge bis Os­tern, doch sind es in­klu­si­ve der zu­sätz­li­chen zwei Fas­ten­ta­ge für die Kle­ri­ker nur 42 Fas­ten­ta­ge. Auch oh­ne die Ver­län­ge­rung der Fas­ten­zeit wä­ren es 50, al­so Quin­qua­ge­si­ma, Ka­len­der­ta­ge.

Es ist kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen dem Na­men des Sonn­tags und der Fas­ten­zeit er­kenn­bar.

 

 

1.2. Die Be­deu­tung des 50. Jahrs, des Er­lass­jahrs

Al­le­go­ri­sche Deu­tung
 

Die Zahl fünf­zig im Na­men Quin­qua­ge­si­mä ist das Er­geb­nis ei­ner prä­zi­sen Zäh­lung nach der in­klu­si­ven Zähl­wei­se, nicht mehr und nicht we­ni­ger. 2: In­klu­siv­zäh­lung

Dass die­ser Be­fund im Lau­fe der Kir­chen­ge­schich­te theo­lo­gisch auf­ge­la­den wur­de, zeigt die Aus­le­gung des Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne (13. Jh.) bei­spiel­haft. Er nimmt die im Ka­len­der vor­ge­fun­de­ne Zahl und schlägt ei­ne Brücke zum alt­tes­ta­ment­li­chen Ju­bel­jahr (→ 3Mos 25,8-19): Das fünf­zigs­te Jahr war ein Jahr des Er­las­ses und der Frei­heit, al­so sei der fünf­zigs­te Tag vor Os­tern der Be­ginn ei­ner Zeit der Bu­ße. Die Zahl wird zur Be­grün­dung ei­nes Pro­gramms.

Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne bleibt da­bei nicht bei der Ana­lo­gie ste­hen. Er ent­fal­tet ei­ne spi­ri­tu­el­le Kon­se­quenz: Durch die Bu­ße wer­den „die Schul­den der Sün­den ver­ge­ben“, al­le „aus der Knecht­schaft der Dä­mo­nen be­freit“ und zur „In­be­sitz­nah­me der himm­li­schen Woh­nun­gen“ zu­rück­ge­führt. 5: Das Ju­bel­jahr

Die drei Ele­men­te des Ju­bel­jahrs – Schul­den­er­lass, Skla­ven­be­frei­ung, Land­res­ti­tu­ti­on – wer­den so zu Bil­dern ei­ner Er­lö­sung, die der Mensch durch ei­ge­ne Leis­tung er­wirbt.

Da­mit ist die Gren­ze be­zeich­net, an der ei­ne ka­len­da­ri­sche Ori­en­tie­rungs­hil­fe zum ri­tu­el­len In­stru­ment wird. Das Ju­bel­jahr er­klärt nicht den Na­men Quin­qua­ge­si­mä, es deu­tet ihn um. Die Struk­tur stand vor der Deu­tung.

 

 

1.3. Die Ver­sinn­bild­li­chung mit­tels Zah­len­sym­bo­lik

Heils­ge­schicht­li­che Deu­tung bei Ja­co­bus
 

Nach Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne ist die Zahl 50 mehr­fach von Be­deu­tung: „Im fünf­zigs­ten Jahr wur­den Skla­ven frei, am fünf­zigs­ten Tag nach dem Tag des ge­schlach­te­ten Lam­mes wur­de das Ge­setz ge­ge­ben, am fünf­zigs­ten Tag nach Os­tern wur­de der Hei­li­ge Geist ver­lie­hen. Da­rum ver­sinn­bild­licht die­se Zahl die Se­lig­keit, wo­rin Er­lan­gung der Frei­heit, Er­kennt­nis der Wahr­heit und Voll­en­dung der Lie­be ent­hal­ten sind.“ 6: Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne zur Ver­sinn­bild­li­chung der Zahl 50

 

Ex­kurs

Die Zahl 50 als heils­ge­schicht­li­che Ent­spre­chung

 

Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne be­nennt drei Er­eig­nis­se, die al­le mit der Zahl fünf­zig ver­bun­den sind: Im fünf­zigs­ten Jahr wur­den Skla­ven frei. Am fünf­zigs­ten Tag nach dem Op­fer­lamm wur­de das Ge­setz ge­ge­ben. Am fünf­zigs­ten Tag nach Os­tern wur­de der Hei­li­ge Geist ver­lie­hen.

Die­se drei Aus­sa­gen sind nicht be­lie­big ge­reiht. Sie fol­gen ei­ner ty­po­lo­gi­schen Lo­gik, die im mit­tel­al­ter­li­chen Den­ken selbst­ver­ständ­lich war, heu­te aber er­läu­tert wer­den muss.

 
Pas­sah und Scha­wu­ot
 

Das jü­di­sche Fest Scha­wu­ot (hebr. שָׁבוּעוֹת, „Wo­chen“) wird fünf­zig Ta­ge nach dem Pas­sah­fest be­gan­gen, da­her sein grie­chi­scher Na­me Pen­te­kos­te (πεντηκοστή, „der fünf­zigs­te [Tag]“).

Das Fest er­in­nert an den Ge­set­zes­er­lass am Si­nai: Fünf­zig Ta­ge nach dem Aus­zug aus Ägyp­ten, der durch das Blut des Pas­sah­lamms er­mög­licht wur­de, emp­fing Is­ra­el die To­ra. Die Grund­la­ge da­für fin­det sich in der Pas­sah­ord­nung (→ 2Mos 12,1–14), der An­kunft am Si­nai im drit­ten Mo­nat (→ 2Mos 19,1) so­wie der Zäh­lung der fünf­zig Ta­ge bis Scha­wu­ot (→ 3Mos 23,15-22).

Das Pas­sah­lamm und der Si­nai-Bund ge­hö­ren al­so zu­sam­men. Sie sind durch den Ab­stand von fünf­zig Ta­gen ka­len­da­risch ver­klam­mert.

 
Die ty­po­lo­gi­sche Brücke
 

Die früh­christ­li­che Theo­lo­gie las die­sen Zu­sam­men­hang als Vor­aus­zeich­nung: Chris­tus ist das wah­re Pas­sah­lamm (→ 1Kor 5,7). Sein Tod und sei­ne Auf­er­ste­hung an Os­tern ent­spre­chen dem Aus­zug aus Ägyp­ten.

Fünf­zig Ta­ge nach Os­tern, an Pfings­ten, wird nicht das stei­ner­ne Ge­setz, son­dern der Hei­li­ge Geist ge­ge­ben (→ Apg 2,1–4).

Was am Si­nai als äu­ße­res Ge­bot kam, kommt nun als in­ne­re Er­neue­rung: „Ich will mein Ge­setz in ihr Herz schrei­ben“ (→ Jer 31,33), ein Wort, das der He­bräer­brief aus­drück­lich auf den neu­en Bund in Chris­tus be­zieht (→ Hebr 8,10).

Die fünf­zig Ta­ge sind in die­ser Les­art kein ka­len­da­ri­scher Zu­fall, son­dern heils­ge­schicht­li­ches Pro­gramm. Pas­sah und Scha­wu­ot, Os­tern und Pfings­ten, bei­de Paa­re sind durch den­sel­ben Ab­stand ver­bun­den, weil das Neue Tes­ta­ment die Struk­tur des Al­ten er­füllt, nicht er­setzt.

 
Die drit­te Ebe­ne: das Ju­bel­jahr
 

Ja­co­bus fügt dem ei­ne drit­te Ent­spre­chung hin­zu: das Ju­bel­jahr, das fünf­zigs­te Jahr (→ 3Mos 25,8–13.54-55). Auch dort steht am An­fang ein Be­frei­ungs­akt und am En­de die Rück­kehr in den ur­sprüng­li­chen Be­sitz.

Die Zahl fünf­zig trägt da­mit bei Ja­co­bus drei Schich­ten: Be­frei­ung (Ju­bel­jahr), Of­fen­ba­rung (Si­nai/Pfings­ten) und Voll­en­dung (Se­lig­keit). Er fasst sie zu­sam­men als „adep­tio li­ber­ta­tis, cog­ni­tio ve­ri­ta­tis et per­fec­tio ca­ri­ta­tis“, al­so „Er­lan­gung der Frei­heit, Er­kennt­nis der Wahr­heit, Voll­en­dung der Lie­be“.

 
Zur Ein­ord­nung
 

Die­se ty­po­lo­gi­sche Aus­le­gung ist theo­lo­gisch be­deu­tsam und in sich stim­mig. Sie er­klärt je­doch nicht den Na­men Quin­qua­ge­si­mä.

Die Zahl fünf­zig war im Ka­len­der be­reits ge­setzt, und zwar durch die com­pu­ta­tio ro­ma­na, die rö­mi­sche Art der Ka­len­der­be­rech­nun­gen, nicht durch Heils­ge­schich­te. Ja­co­bus deu­tet ei­ne vor­ge­fun­de­ne Struk­tur; er be­schreibt nicht ih­re Ent­ste­hung.

 

Nach dem sor­gen­vol­len Schrei »Cir­cum­de­de­runt me« („Es um­ring­ten mich“, → Psalm 18,5) vom Sonn­tag Sep­tua­ge­si­mä, und dem Hil­fe­ruf »Ex­sur­ge, qua­re ob­dor­mis, Do­mi­ne« („Wach auf! War­um schläfst du, Herr?“, → Psalm 44,24) vom Sonn­tag Se­xa­ge­si­mä folgt nun als In­troi­tus zu die­sem Sonn­tag kon­se­quen­ter­wei­se die Bit­te »Es­to mi­hi in de­um pro­tec­to­rem« („Sei mir ein schüt­zen­der Gott“, → Psalm 31,3). 7: In­troi­tus am Sonn­tag Quin­qua­ge­si­mä

Die wohl be­deu­tsams­te Er­klä­rung lie­fert Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne am En­de sei­nes Ka­pi­tels über Quin­qua­ge­si­ma: „Quin­qua­ge­si­ma en­det [...] an Os­tern, weil die Bu­ße uns zu ei­nem neu­en Le­ben auf­er­ste­hen lässt.“ 8: Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne zum Ab­schluss der Quin­qua­ge­si­ma

 

 

2. Zwi­schen­fa­zit

 

Die Un­ter­su­chung der his­to­ri­schen Deu­tungs­ver­su­che zeigt ein durch­ge­hen­des Mus­ter: So­wohl die Le­gen­den um ei­ne ver­län­ger­te Fas­ten­zeit (Papst Te­les­pho­rus) als auch die al­le­go­ri­schen Be­zü­ge auf das bib­li­sche Er­lass­jahr set­zen die Zahl Fünf­zig be­reits vor­aus. Die­se Er­klä­run­gen be­grün­den nicht den Na­men, son­dern ver­su­chen, ei­ne vor­ge­fun­de­ne ka­len­da­ri­sche Struk­tur nach­träg­lich mit Sinn zu fül­len.

Das Rät­sel der Zahl fünf­zig löst sich erst durch den Wech­sel der Blick­rich­tung. Quin­qua­ge­si­mä ist kei­ne Be­schrei­bung ei­ner Fas­ten­dau­er, son­dern ei­ne exak­te Po­si­ti­ons­an­ga­be.

In der Ar­chi­tek­tur des Kir­chen­jah­res fun­giert das Os­ter­fest als der zen­tra­le Fix­punkt, von dem aus die Zeit be­rech­net wird. Wäh­rend die Na­men der Vor­fas­ten­zeit (70, 60, 50) das Er­geb­nis ei­ner Rück­wärts­zäh­lung vom Os­ter­ter­min aus sind, mar­kiert Quin­qua­ge­si­mä den Mo­ment, in dem die­se Zäh­lung punkt­ge­nau am Os­ter­sonn­tag lan­det.

Da­mit tritt die funk­tio­na­le Lo­gik des Fas­tens hin­ter die ord­nen­de Lo­gik des Ka­len­ders zu­rück. Quin­qua­ge­si­mä be­zeich­net kein Buß­pro­gramm, son­dern do­ku­men­tiert die ma­the­ma­ti­sche Ver­zah­nung der Vor­pas­si­ons­zeit mit dem Os­ter­fest. An Quin­qua­ge­si­mä be­ginnt die Zeit des War­tens auf die Auf­er­ste­hung Je­su.

 

 

3. Ge­gen­wär­ti­ge evan­ge­li­sche Pra­xis

Pe­ri­ko­pen­ord­nung und Be­deu­tungs­ver­schie­bung
 

 

3.1. Li­tur­gi­sche Neu­ord­nung der Zeit vor der Pas­si­ons­zeit

 

In der heu­ti­gen evan­ge­li­schen Pra­xis ist die his­to­ri­sche Vor­fas­ten­zeit ei­ner in­halt­lich de­fi­nier­ten Vor­pas­si­ons­zeit ge­wi­chen. Seit der Re­vi­si­on der Pe­ri­ko­pen­ord­nung (2018) en­det die Epi­pha­ni­as­zeit am 2. Fe­bru­ar (Tag der Dar­stel­lung Je­su im Tem­pel [Licht­mess]). Da­mit wird die Weih­nachts­zeit bis zum vier­zigs­ten Tag nach Weih­nach­ten ge­dacht und der Über­gang zur Vor­pas­si­ons­zeit ka­len­da­risch fi­xiert.

Nach dem 2. Fe­bru­ar folgt ab­hän­gig vom Os­ter­ter­min ei­ne va­ria­ble Puf­fer­zo­ne von bis zu fünf Sonn­ta­gen, die als Sonn­ta­ge vor der Pas­si­ons­zeit be­zeich­net wer­den. Quin­qua­ge­si­mä (Es­to­mi­hi) ist in die­ser Ab­fol­ge der letz­te die­ser Sonn­ta­ge.

Die of­fi­zi­el­le Le­se­ord­nung führt den Na­men Quin­qua­ge­si­mä an die­ser Stel­le nicht mehr; der Sonn­tag er­scheint schlicht als Sonn­tag vor der Pas­si­ons­zeit – Es­to­mi­hi. Da­mit tritt die ur­sprüng­li­che Zahl­be­zeich­nung in der li­tur­gi­schen Wahr­neh­mung zu­rück.

Der his­to­ri­sche Na­me Quin­qua­ge­si­mä ver­weist je­doch auf den fünf­zigs­ten Tag vor Os­tern. Die -ge­si­ma-Sonn­ta­ge mar­kie­ren da­mit ur­sprüng­lich kei­ne the­ma­ti­schen Pas­si­ons­sonn­ta­ge, son­dern ka­len­da­ri­sche Ori­en­tie­rungs­punk­te in­ner­halb ei­ner auf die Os­ter­zeit aus­ge­rich­te­ten Zeit­struk­tur.

 

 

3.2. Die Le­se­ord­nun­gen im Ver­gleich

 

Die Ver­schie­bung zeigt sich be­son­ders deut­lich im Ver­gleich der äl­te­ren und der ak­tu­el­len Le­se­ord­nung.

Text Altkirchlich Eisenacher Aktuell
Psalm  → Ps 31 → Ps 31 → Ps 31,2–6.8–9.16–17
Evangelium → Lk 18,31–43 → Lk 18,31–43 → Mk 8,31–38
Epistel → 1Kor 13,1-13 → 1Kor 13,1-13 → 1Kor 13,1-13
Altes Testament - →Jer 8,4-9 → Amos 5,21-24
2. Ev. - → Mk 10,35-45 -
2. Ep. - → 1Kor 1,21-31 -
Reihe I - - → Lk 10,38-42
Reihe II - - → Lk 18,31–43
Reihe III - - → Jes 58,1-9a
 

An­mer­kun­gen:
Die alt­kirch­li­chen Pe­ri­ko­pen ent­stam­men den Li­tur­gi­en der vor­re­for­ma­to­ri­schen Zeit und wur­den in die evan­ge­li­schen Pre­digt­ord­nun­gen über­nom­men.
Ab 1899 galt dann in den evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen über­wie­gend die neue Ord­nung, die auf der Ei­se­na­cher Kon­fe­renz fest­ge­legt wur­de.
Die Ord­nung, in der sechs Pre­digt­rei­hen fest­ge­legt wur­den (für sechs Got­tes­dienst­jah­re), wur­de erst­mals 1956 of­fi­zi­ell in den lu­the­ri­schen Lan­des­kir­chen gül­tig. Die uni­ier­ten Kir­chen nah­men sie ab dem Kir­chen­jahr 1977/1978 auf, die neu­es­te Re­vi­si­on gilt seit dem Kir­chen­jahr 2018/2019.

 

3.3. Be­fund

 

In der ak­tu­el­len Pe­ri­ko­pen­ord­nung zei­gen sich meh­re­re in­halt­li­che Ver­schie­bun­gen. 9: Pe­ri­ko­pe / Pe­ri­ko­pen­ord­nung / Le­se­ord­nung

Der Wo­chen­psalm wird nicht mehr voll­stän­dig ge­le­sen, son­dern auf ein­zel­ne Ver­se re­du­ziert (→ Ps 31,2–6.8–9.16–17). Die Kla­ge­pas­sa­gen des Psalms tre­ten da­bei weit­ge­hend zu­rück; stär­ker her­vor­ge­ho­ben wird das Ver­trau­en des Be­ters, ins­be­son­de­re der Vers „In dei­ne Hän­de be­feh­le ich mei­nen Geist“ (→ Ps 31,6), der in der Pas­si­ons­er­zäh­lung als Ster­be­wort Je­su auf­ge­nom­men wird (→ Lk 23,46).

Die frü­he­re Evan­ge­li­ums­le­sung von der Hei­lung des blin­den Bar­ti­mä­us (→ Lk 18,31–43) ist in der neu­en Ord­nung durch → Mk 8,31–38 er­setzt wor­den. Der Text bleibt je­doch als Pre­digt­pe­ri­ko­pe in Rei­he Ⅱ er­hal­ten. 10: Die Evan­ge­li­ums­pe­ri­ko­pe am Sonn­tag Quin­qua­ge­si­mä

Auch die alt­tes­ta­ment­li­che Le­sung hat sich ver­än­dert. Die äl­te­re Ord­nung las → Jer 8,4-9, ei­ne pro­phe­ti­sche Kri­tik fal­scher re­li­giö­ser Ge­wiss­heit. In der neu­en Ord­nung tritt an die­se Stel­le → Amos 5,21-24, wo ein Kult, der nicht von Recht und Ge­rech­tig­keit ge­tra­gen ist, aus­drück­lich ver­wor­fen wird.

Un­ter den Pre­digt­tex­ten der neu­en Ord­nung er­scheint zu­sätz­lich in Rei­he Ⅲ → Jes 58,1-9a, ein wei­te­rer pro­phe­ti­scher Text, der die üb­li­che Fas­ten­pra­xis grund­sätz­lich in­fra­ge stellt und Fas­ten statt­des­sen als kon­kre­te Ta­ten der Ge­rech­tig­keit und der Mit­mensch­lich­keit be­schreibt.

Ins­ge­samt rü­cken die Tex­te der neu­en Ord­nung stär­ker The­men der Bu­ße, des Fas­tens und der Kreu­zes­nach­fol­ge in den Vor­der­grund. Die frü­he­re Kom­bi­na­ti­on ver­band den Sonn­tag da­ge­gen stär­ker mit ei­nem Zei­chen der Be­frei­ung und der ös­ter­li­chen Hoff­nung und rich­te­te ihn da­mit deut­li­cher auf das kom­men­de Os­ter­er­eig­nis aus.


 

3.4. Pre­digt­pra­xis im Um­feld der Kar­ne­vals­zeit

 

Zu­sätz­lich kann die Wahr­neh­mung des Sonn­tags durch sei­ne ka­len­da­ri­sche La­ge re­gio­nal durch Kar­ne­val über­la­gert sein. Da er vor Ro­sen­mon­tag liegt, steht er un­mit­tel­bar vor den Hö­he­punk­ten der Kar­ne­vals­zeit. In Re­gio­nen mit aus­ge­präg­ter Fast­nachts- oder Kar­ne­vals­tra­di­ti­on wird die­ser Zu­sam­men­hang mit­un­ter auch in Pre­dig­ten oder kirch­li­chen Ver­an­stal­tun­gen auf­ge­grif­fen.

Der Ein­füh­rungs­text zu die­sem Sonn­tag im Pe­ri­ko­pen­buch nach der Ord­nung Got­tes­dienst­li­cher Tex­te und Lie­der er­wähnt in die­sem Zu­sam­men­hang den Pau­lus­text → 1Kor 4,10 („Wir sind Nar­ren um Chris­ti wil­len; ihr aber seid klug in Chris­tus“), je­doch aus­drück­lich nur als mög­li­chen Ge­gen­ak­zent, und regt an zu prü­fen, ob das The­ma im Got­tes­dienst über­haupt an­ge­mes­sen auf­ge­grif­fen wer­den kann.

Pre­dig­ten, die das när­ri­sche Trei­ben auf­neh­men, ver­bin­den es den­noch nicht sel­ten mit mo­ra­li­schen Ap­pel­len zur kom­men­den Fas­ten­zeit. Da­durch kann der Ein­druck ent­ste­hen, der Sonn­tag selbst be­grün­de oder ver­wei­se auf ei­ne evan­ge­li­sche Fas­ten­pra­xis.

 

 

3.5. Miss­ver­ständ­nis­se der Sonn­tags­na­men

 

Aus die­ser Wahr­neh­mung er­gibt sich leicht die Vor­stel­lung ei­ner di­rek­ten Ver­bin­dung zwi­schen die­sem Sonn­tag und der vor­ös­ter­li­chen Fas­ten­zeit der rö­mi­schen Tra­di­ti­on. Da der dar­auf­fol­gen­de Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä („der Vier­zigs­te“) in­ner­halb der vor­ös­ter­li­chen Buß­zeit liegt, wird sein Na­me häu­fig als Be­zeich­nung der vier­zig­tä­gi­gen Fas­ten­zeit (Qua­dra­ge­si­ma) ge­deu­tet.

Da­bei wird über­gan­gen, dass Qua­dra­ge­si­mä („der vier­zigs­te [Tag]“) nicht das­sel­be ist wie Qua­dra­ge­si­ma („die vier­zig [Ta­ge]“). Um die­se Gleich­set­zung plau­si­bel er­schei­nen zu las­sen, wer­den nach­träg­lich Fas­ten­re­geln oder rech­ne­ri­sche An­pas­sun­gen her­an­ge­zo­gen, für die sich je­doch kei­ne zeit­ge­nös­si­schen Be­le­ge zur Ent­ste­hung des Sonn­tags­na­mens nach­wei­sen las­sen.

Den­noch wer­den von die­ser Deu­tung aus häu­fig auch die vor­aus­ge­hen­den Sonn­tags­na­men Quin­qua­ge­si­mä, Se­xa­ge­si­mä und Sep­tua­ge­si­mä mit an­geb­li­chen al­ten Fas­ten­re­geln er­klärt.

 

 

3.6. Theo­lo­gi­sche Kon­se­quenz des Pe­ri­ko­pen­wech­sels

 

Der Wech­sel der Evan­ge­li­ums­pe­ri­ko­pe ist kei­ne bloß tech­ni­sche Re­vi­si­on. Er ver­än­dert den theo­lo­gi­schen Cha­rak­ter die­ses Sonn­tags spür­bar.

Die frü­he­re Kom­bi­na­ti­on – → Lk 18,31–43 als Evan­ge­li­um und → Ps 31 als Wo­chen­psalm – stell­te dem an­ge­kün­dig­ten Lei­den ei­ne Ge­gen­be­we­gung ge­gen­über. Die Lei­dens­an­kün­di­gung Je­su wird in der Bar­ti­mä­us-Ge­schich­te un­mit­tel­bar von ei­ner Hei­lung be­ant­wor­tet. Der Blin­de ruft, weil er Ret­tung er­war­tet, und er be­kommt sie. Der Psalm klagt of­fen, weil Kla­ge im Ver­trau­en auf Gott ih­ren Ort hat. Der Sonn­tag en­det im Lob Got­tes. Die Blick­rich­tung weist auf Os­tern.

Die neue Kom­bi­na­ti­on – → Mk 8,31–38 als Evan­ge­li­um und → Ps 31 in Aus­wahl­ver­sen – ver­schiebt die­sen Ak­zent. Mk 8,34 lau­tet: „Wer mir will nach­fol­gen, der ver­leug­ne sich selbst und neh­me sein Kreuz auf sich.“ Das Kreuz er­scheint hier nicht mehr als das, was über­wun­den wird, son­dern als das, was in der Nach­fol­ge ge­tra­gen wer­den soll. Die Hei­lungs­ge­schich­te ent­fällt. Das Lob am En­de der Er­zäh­lung ent­fällt. Im Zen­trum steht der Ruf zur Stand­haf­tig­keit im Lei­den.

Der ver­kürz­te Psalm ver­stärkt die­se Ver­schie­bung. Von der in­ne­ren Be­we­gung des Psalms – Kla­ge, Bit­te und Ver­trau­en – bleibt vor al­lem der Ver­trau­ens­satz be­ste­hen. Her­vor­ge­ho­ben wird ins­be­son­de­re Vers 6: „In dei­ne Hän­de be­feh­le ich mei­nen Geist“, das Ster­be­wort Je­su am Kreuz (→ Lk 23,46). 11: Ps 31,6 als Ster­be­wort Je­su

Was im Psalm ur­sprüng­lich am En­de ei­nes lan­gen We­ges der Kla­ge steht, er­hält so ei­ne lei­ten­de Stel­lung für den gan­zen Sonn­tag.

Das ist theo­lo­gisch nicht falsch, aber es er­scheint ein­sei­tig. Die re­for­ma­to­ri­sche Bot­schaft rich­tet sich ge­gen ei­ne Fröm­mig­keit, die dem Men­schen sein Lei­den als re­li­giö­se Auf­ga­be auf­er­legt. „Neh­me sein Kreuz auf sich“ be­deu­tet bei Lu­ther nicht: Ak­zep­tie­re dein Schick­sal als gött­li­che Pä­d­ago­gik. Es meint: Ste­he zu dem, was dir um des Evan­ge­li­ums wil­len auf­er­legt wird. Das Kreuz kommt, es wird nicht ge­sucht und nicht ver­klärt. 12: Lu­ther zum Kreu­zes­tra­gen

Wo der Sonn­tag je­doch pri­mär mit Lei­dens­an­kün­di­gung, Kreu­zes­nach­fol­ge und dem Ster­be­wort Je­su be­setzt wird, droht die­se Un­ter­schei­dung zu ver­schwim­men. Aus dem letz­ten Sonn­tag vor der Pas­si­ons­zeit, der ka­len­da­risch ein Ori­en­tie­rungs­punkt in­ner­halb der auf Os­tern aus­ge­rich­te­ten Zeit­struk­tur ist, wird dann leicht ein the­ma­ti­scher Auf­takt zur Fas­ten­zeit. Die Ar­chi­tek­tur des Kir­chen­jah­res, die ur­sprüng­lich auf Os­tern hin ori­en­tiert ist, wird so zu­neh­mend von Kar­frei­tag her ge­le­sen.

 

Der Sonntagsname Quinquagesimä

 

4. Der 50. Tag ab Os­tern

Die ei­gent­li­che Be­zeich­nungs­lo­gik
 

Der Na­me Quin­qua­ge­si­mä ist ei­ne Ord­nungs­zahl (Or­di­nal­zahl) und be­deu­tet „der Fünf­zigs­te“. Die­se Zahl er­schließt sich nicht durch ei­ne vor­wärts­ge­wand­te Zeit­rech­nung, son­dern durch die spe­zi­fi­sche Kon­struk­ti­ons­lo­gik der Os­ter­zeit.

Da der Os­ter­ter­min für je­des Kir­chen­jahr neu be­rech­net wer­den muss, fun­giert er als das gra­vi­ta­ti­ve Zen­trum des Kir­chen­jah­res. Von die­sem fest­ge­stell­ten Da­tum aus ent­fal­tet die Li­tur­gie ih­re Zeit­struk­tur in zwei Rich­tun­gen. Für die Be­nen­nung der Vor­fas­ten­sonn­ta­ge ist da­bei ei­ne kon­se­quen­te Rück­schau maß­geb­lich:

  • die Rück­wärts­zäh­lung (der Ur­sprung des Na­mens):
    Die Zäh­lung nimmt ih­ren Aus­gang am Os­ter­sonn­tag und schrei­tet im Ka­len­der zu­rück. Der Os­ter­sonn­tag ist der ers­te Tag, der Kar­sams­tag der zwei­te Tag, der Kar­frei­tag der drit­te Tag. In die­ser lü­cken­lo­sen Fol­ge ist der Sonn­tag Quin­qua­ge­si­mä ex­akt der fünf­zigs­te Tag. Der Na­me be­nennt so­mit das Re­sul­tat die­ser Rück­zäh­lung; er weist dem Sonn­tag sei­nen fes­ten Platz in­ner­halb der vom Os­ter­fest her er­schlos­se­nen Zeit­rei­he zu.
  • die Vor­wärts-Zeit­span­ne (das Er­le­ben im Ka­len­der):
    In der li­nea­ren Be­trach­tung vom Sonn­tag Quin­qua­ge­si­mä aus lie­gen 49 Ta­ge bis zum Os­ter­fest. Da die mit­tel­al­ter­li­che Arith­me­tik je­doch den Aus­gangs­tag als ers­ten Tag der Span­ne mit­zählt (In­klu­siv­zäh­lung), er­gibt sich auch in die­ser Per­spek­ti­ve die Sum­me von 50 Ta­gen.

Die­se vom Ziel de­fi­nier­te Struk­tur fin­det sich be­reits bei Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne be­stä­tigt. Dass die­se Zeit­span­ne be­reits im Mit­tel­al­ter als de­fi­nier­te Ein­heit ver­stan­den wur­de, zeigt er zu Be­ginn sei­ner Aus­le­gung des Sonn­tags Quin­qua­ge­si­ma 13: Zur ka­len­da­ri­schen Be­stim­mung der Quin­qua­ge­si­ma:

Quin­qua­ge­si­ma be­ginnt am Sonn­tag, an dem man Es­to mi­hi in de­um pro­tec­to­rem („Sei mir ein schüt­zen­der Gott“, Ps 31,3) singt, und en­det an Os­tern.

Ja­co­bus de Vo­ra­gi­ne be­schreibt hier kei­ne Sym­bo­lik, son­dern ei­ne ka­len­da­ri­sche Be­stim­mung. Die Zahl wird als fest um­ris­se­ne Zeit­span­ne ver­stan­den. Die Struk­tur steht vor der Deu­tung.

Quin­qua­ge­si­ma be­ginnt am Sonn­tag „Es­to mi­hi in de­um pro­tec­to­rem“ und en­det Os­ter­tag. Mehr sagt der Na­me nicht, aber ge­nau das sagt er.

 

 

 

Wie es wei­ter ge­hen kann

 

→ Weiter zu Mo­dul 5

Der Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä (In­vo­ka­vit)

© Geschütztes Bildmaterial
Theo­lo­gi­sche Stu­di­en

→ Der Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä

Qua­dra­ge­si­mä be­zeich­net den 40. Tag ei­ner Zeit­span­ne bis Grün­don­ners­tag. Das Mo­dul zeigt, wie die ka­len­da­ri­sche Lo­gik durch Fas­ten­pra­xis ver­deckt wur­de.

Der Sonn­tag Qua­dra­ge­si­mä (In­vo­ka­vit) er­öff­net die Pas­si­ons­zeit und wird meist mit der vier­zig­tä­gi­gen Fas­ten­zeit ver­bun­den. Sein Na­me be­zeich­net je­doch ei­ne prä­zi­se Rück­wärts­zäh­lung bis zum Grün­don­ners­tag. Das Mo­dul re­kon­stru­iert die­se Zähl­wei­se und zeigt, wie sie durch spä­te­re Deu­tun­gen über­la­gert wur­de.

 

→ Zu­rück zu Mo­dul 3

Der Sonn­tag Sex­a­ge­si­mä

© Geschütztes Bildmaterial
Theo­lo­gi­sche Stu­di­en

→ Der Sonn­tag Sex­a­ge­si­mä

Der Sonn­tag Sex­a­ge­si­mä ist Teil der Vor­pas­si­ons­zeit. Sein Na­me be­zeich­net ei­ne ge­naue Zäh­lung bis zum Mitt­woch der Os­ter­wo­che.

Der Sonn­tag Sex­a­ge­si­mä steht in­ner­halb der Vor­pas­si­ons­zeit und gilt oft als Glied ei­ner sym­bo­li­schen Zah­len­fol­ge. Sein Na­me be­zeich­net je­doch ei­ne ei­gen­stän­di­ge Rück­wärts­zäh­lung mit ei­nem spe­zi­fi­schen Ziel­punkt in der Os­ter­wo­che. Das Mo­dul klärt die zu­grun­de lie­gen­de Zähl­ord­nung und grenzt sie von ver­ein­fa­chen­den In­ter­pre­ta­tio­nen ab.

 

→ Zur Modulübersicht

© Geschütztes Bildmaterial
Theo­lo­gi­sche Stu­di­en

→Vier merkwürdige Namen

Im evan­ge­li­schen Kir­chen­ka­len­der tau­chen nach der Epi­pha­nias­zeit Sonn­ta­ge auf, de­ren Na­men kaum noch ver­ständ­lich sind. Die Stu­die fragt nach Er­klä­run­gen und Sinn.

Die Sonntagsnamen Septuagesimä, Sexagesimä, Quinquagesimä und Quadragesimä - Herkunft und Sinn im liturgischen Jahr.
Die Übersicht zeigt alle Module.

 

 

Bildnachweis:
Abbildung: Der Sonntagsname Quin­qua­ge­si­mä
Grafik: Reiner Makohl
Copyright: ©2026 by Reiner Makohl, geschütztes Bildmaterial

Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Beispiel:
Reiner Makohl, Die Sonntagsnamen Septuagesimä, Sexagesimä, Quinquagesimä und Quadragesimä - Der Sonntag Quinquagesimä (Estomihi), in: Stilkunst.de,
abgerufen unter:
(abgerufen am )

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de

SK Version 29.03.2026