vorgelesen von Reiner Makohl
Andreas und Petrus:
Die ersten Jünger
Der Text Joh 1,35-42 erzählt von der ersten Begegnung Jesu mit einigen seiner zukünftigen Jünger, darunter die Brüder Andreas und Simon Petrus.
Im ersten Abschnitt (Verse 35 bis 39) erzählt der Autor davon, wie Jesus erneut an der Stelle vorbeikommt, an der Johannes im Jordan tauft. Wieder legt Johannes der Täufer über Jesus sein Zeugnis ab, woraufhin sich zwei seiner Jünger Jesus zuwenden. Die beiden Jünger des Johannes folgen Jesus zu dessen Unterkunft, die ganz der Nähe gewesen muss.
Im zweiten Abschnitt (Verse 40 bis 42) erfahren wir, dass einer dieser beiden Jünger Andreas ist, der Bruder Simons.
Andreas sucht und findet seinen Bruder Simon, um ihm eine gute Nachricht zu überbringen, und führt Simon zu Jesus. Jesus nennt Simon um. Der Autor erklärt nicht, warum. Simons Name lautet von da an in aramäischer Sprache Kephas. So wird ihn Jesus zeitlebens genannt haben. Der Name bedeutet in deutscher Sprache Fels. Im Griechischen lautet derselbe Name Πέτρος (Petros), latinisiert Petrus.
Ob wir bereits als kleine Kinder getauft wurden oder auch nicht, spielt kaum eine Rolle. Selbstverständlich ist es gut, dabei an die Hand genommen zu werden so, wie Andreas seinen Bruder Simon an die Hand nahm und zu Jesus führte. Da ist die Taufe ein wichtiger Wegbereiter.
Doch unser eigener Glaubensweg beginnt oft mit einer Entdeckung oder mit einer persönlichen Begegnung. In diesem Text entdecken zwei Jünger des Johannes die Anziehung, die von Jesus ausgeht. Sie sind neugierig, wollen mehr erfahren und stellen Fragen. Jesus antwortet: "Kommt und seht!".
Die Einladung, zu kommen und zu sehen, bleibt für uns alle bestehen, wobei wir tiefer in die Wunder, die Lehren und deren Wahrheiten des Jesus von Nazareth eintauchen. Wir müssen hin zu ihm, nicht er zu uns. Wir sind eingeladen, unsere Beziehung zu Gott zu errichten, zu vertiefen und zu festigen. Wir müssen uns nur etwas Zeit nehmen und dieser Einladung folgen, mit offenen Augen und Ohren.
Warum der Autor in Vers 5,39 ausdrücklich auf die zehnte Stunde hinweist, ist unklar. Die zehnte Stunde entspricht nach unserer Tageseinteilung etwa der Zeit zwischen 15 Uhr und 16 Uhr bzw. gut zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Theologen mühen sich mit recht unterschiedlichen Erklärungen dazu.
Doch vermutlich ging es dem Erzähler einfach nur darum, aufzuzeigen, dass es noch längst nicht Abend war und die beiden Jünger von Johannes dem Täufer noch Zeit mit Jesus verbringen konnten, bevor der Tag zu Ende ging und die Nacht einbrach. Denn sie blieben nach der Erzählung den Rest des Tages bei Jesus. Es gab noch genug Zeit, sich auszutauschen. Man lernte sich kennen und kam sich näher.
Johannes der Täufer taufte nach Vers 28 (im vorhergehenden Textstück enthalten) am Ostufer des Jordans. Den dort angegebenen Ortsnamen übersetzte bzw. transkribierte Luther 1545 mit Betharaba, in allen neuen Übersetzungen findet sich Bethanien, das jedoch nicht mit dem Bethanien nahe Jerusalem verwechselt werden darf (siehe Joh 11,18).
Aber auch die neue Ortsangabe hilft so wenig wie die von Luther, um den historischen Ort zu lokalisieren. Der genaue Ort bleibt unbekannt. Heute beanspruchen mindestens drei Orte die Lage der historischen Taufstelle für sich: »Qasr al-Yahud« am Westufer des Jordan, »al-Maghtas« am Ostufer in Jordanien und »Yardenit« (oder auch »Jardenit«), wegen seiner Beliebtheit unter Wallfahrern das sogenannte »israelische Lourdes«, nahe am Austritt des Jordans aus dem See Genezareth.
Der Ort al-Maghtas wird inzwischen offiziell als Taufstätte »Bethanien jenseits des Jordans« (al-Maghtas) bezeichnet. 2015 wurde die Taufstätte in das UNESCO-Weltkulturerbe in Jordanien aufgenommen.
Abbildung: al-Maghtas, die Taufstätte »Bethanien jenseits des Jordans«.
Foto: Nasib Bitar, Wikimedia Commons, User:Producer,
Lizenz: Creative Commons, CC BY-SA
Perikope | Typ | Tag |
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1531 - 1898 | ||
Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen | ||
1899 - 1978 | ||
Joh 1,35-42 | 2. Evangelium | |
Lutherische Kirchen 1958-1978 | ||
Joh 1,35-39 | Marginaltext | |
Joh 1,35-42 | Marginaltext | |
1979 - 2018 | ||
Joh 1,35-42 | Reihe III | |
Joh 1,35-42 | Evangelium | |
seit 2019 | ||
Joh 1,35-42 | Evangelium | |
Joh 1,35-51 | Reihe V |
Frakturschrift ist nicht leicht zu lesen. Die Videos zeigen ausgewählte Texte aus der Lutherbibel von 1545, vorgelesen von Reiner Makohl.
Die Lutherbibel von 1545 ist mit ihrem Frakturzeichensatz nicht leicht zu lesen. Wir bieten Videos, in denen ausgewählte Perikopen aus den Sonn- und Feiertagsreihen vorgelesen werden.
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©2024 by Reiner D. Makohl | www.stilkunst.de
Bibeltexte: Dr. Martin Luther, Biblia, Wittenberg 1545
Zeichensätze der Frakturschriften, Typografie & Layout,
Video: Reiner D. Makohl
Sprecher: Reiner D. Makohl
Musik: ©Bluevalley, J.S.Bach, Präludium in C-Dur, Gitarre