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Muss man nicht lesen, kann man aber!

Todesstrafe in den U.S.A. vollstreckt

23. September 2011

E s ging durch die Medien: Der wegen Mordes verurteilte US-Amerikaner Troy Davis wurde im US-Staat Georgia am Abend des 21. September 2011 mit einer Giftspritze getötet. Damit wurde das verhängte Urteil, die Todesstrafe, mit der Hinrichtung vollstreckt. Zuvor saß Mr. Davis 20 Jahre in der Todeszelle.

Ich bin sprachlos. Es wurde wohl alles gesagt im Für und Wider. Es gab Proteste von vielen Seiten, es gab Anträge, Bitten und Flehen, und es gab das ungebrochene Unschuldsbekenntnis des Verurteilten. Es gibt wohl kaum mehr etwas hinzuzufügen.

Aber es geht nicht allein um Schuld oder Unschuld. Es geht davon losgelöst darum, wie wir mit einem sehr schwierigen Thema umgehen, das weltweit kontrovers diskutiert und gelebt wird. Und es geht darum, welche Werte für Sie und mich, für unsere Gesellschaft von Bedeutung und schützenswert sind.

Irgendwo hatte ich es schon einmal geschrieben: Das Zeitalter der Aufklärung und der Humanismus haben uns zwar aus einem dunklen Mittelalter geführt und ganz sicher Wissender gemacht, aber keineswegs klüger. Ich möchte an dieser Stelle einfach noch einmal den letzten britschen Henker, Albert Pierrepoint, zitieren: »Hinrichtungen lösen gar nichts. Sie sind nur ein veraltetes Relikt für einen primitiven Wunsch nach Rache.«

Aufklärung und Humanismus brachten die Menschenrechte mit sich. Darin stehen die Persönlichkeitsrechte ganz oben. Und ganz, ganz weit oben steht das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Aber beispielsweise auch der Schutz vor Folter, der Schutz vor Körperstrafen und Prügelstrafen, sowie der Schutz vor entwürdigender oder erniedrigender Behandlung.

Wer durch die Welt zieht und Menschenrechte einfordert, wer Aufklärung und Humanismus für sich reklamiert, der muss es schaffen, sich selbst über primitives Wunschdenken und Rachegelüste, wie sie Pierrepoint in der Hinrichtung identifiziert hat, hinwegzusetzen. Die weltweite politische Diskussion um Menschenrechte, um Todesstrafen, um Hinrichtungen, um Folter zerschellt sonst an der Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis und verpufft zwischen pathetischen Reden und der primitiven Wirklichkeit des Lebens. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Sabrina

Kategorien: Politik | Hope for the Future

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  1.  
     Bianca Nerlich schrieb am 28. September 2011, 01:15
     

    Hallo Sabrina,

    super interessant und klasse geschrieben. Zudem glaube ich, das du alles richtig verstanden hast.

    Viele Gruesse aus Portugal

    Bianca

     

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