Ein Sakrament ist eine von Christus eingesetzte Handlung, in der die göttliche Verheißung zugesagt und durch ein äußeres Zeichen bezeugt wird (Taufe und Abendmahl). Es ist kein magisches Mittel, sondern die leibliche Zuspitzung der Wortbindung: Das Zeichen trägt die Zusage nicht in sich, sondern verweist auf sie und bindet den Glauben an das Wort Gottes. [↗1]
Systematische Kurzformel
Ein Sakrament ist die Verheißung im Wort, bezeugt durch eine von Christus eingesetzte Zeichenhandlung.
1. Einstieg
Warum gibt es im evangelischen Glauben nur zwei Sakramente, während andere Traditionen sieben Sakramente oder zahlreiche Sakramentalien kennen? Die Antwort liegt im Verständnis dessen, was ein Sakrament eigentlich ist: Es ist kein heiliges Ding, sondern ein sichtbares Wort. [↗2]
2. Was ein Sakrament evangelisch auszeichnet
Ein Sakrament ist durch drei Merkmale definiert:
Einsetzung durch Christus: Es ist kein menschlich erfundener Brauch, sondern ein göttlicher Auftrag. [↗3]
Äußeres Zeichen: Wasser, Brot und Wein sind die materiellen Elemente.
Die Verheißung (lateinisch: Promissio, dt.: Verheißung, Zusage): Das entscheidende Element ist das Wort Christi, das mit dem Zeichen verbunden ist.
Ohne das Wort bleibt das Wasser nur Wasser. Erst durch die Verheißung („Ich taufe dich...“) wird die Handlung zum Sakrament. Das Sakrament wirkt nicht magisch durch den bloßen Vollzug (lateinisch: ex opere operato), sondern es will im Glauben ergriffen werden. [↗4]
3. Abgrenzung zur Sakramentalie
Der Unterschied ist fundamental:
Sakramentalien sind kirchliche Erfindungen, die Dinge oder Orte geitlich qualifizieren sollen.
Sakramente sind Gottes Zusage an Menschen, die Gewissheit des Heils zuspricht.
Evangelisch gesehen gibt es keine Abstufungen von Heiligkeit. Ein Gegenstand wird nicht durch ein Gebet oder Weihwasser „aufgeladen“. Im Sakrament nutzt Gott Materie ausschließlich als Träger seiner Zusage an den Menschen. [↗5]
4. Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Wenn alles (Trauung, Beerdigung, Gegenstände, Gebäude) sakramental oder sakramentalienhaft verstanden wird, verliert das Sakrament seine Konzentration. Das Sakrament ist die Ausnahme, nicht die Regel. Wo religiöse Mittel vermehrt werden, entsteht neue Abhängigkeit von Riten statt Vertrauen auf das Wort. [↗6]
Exkurs: Das sakramentale Profil
Evangelisch vs. Katholisch
„Man nutzt oft dasselbe Wort, meint aber eine völlig andere Logik.“
Obwohl Evangelische und Katholiken vom „Sakrament“ sprechen, meinen sie damit nicht dasselbe.
Entscheidend ist die Frage, ob Gottes Handeln an das Wort gebunden bleibt oder durch sakramentale Mittel objektiv vermittelt wird.
Wenn du aber Almoſen gibſt / So las deine lincke hand nicht wiſſen / was die rechte thut / Auff das dein Almoſen verborgen ſey / vnd dein Vater / der in das verborgen ſihet / wird dirs vergelten öffentlich.