Johannes 12,20-24

Das Hörbuch-Video zur Lutherbibel von 1545

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zur Lutherbibel von 1545

 

 

Hörbuch-Video

Das Ende des öffentlichen Wirkens Jesu

Die Verherrlichung Jesu naht

Evangelium nach Johannes
12,20-24

vorgelesen von Reiner Makohl

 

 

 

Gedanken zum Text

 

Evangelium nach Johannes
Kapitel 12, Verse 20-24

Das Ende des öffentlichen Wirkens Jesu

Die Verherrlichung Jesu naht

 

Einleitung

Die heutige evangelische Theologie liest Johannes 12,20-24 im Kontext von Jesu Weg ans Kreuz und als Aufruf zu einem Leben im Vertrauen auf Gottes Wirken.

Inhalte und Botschaften

Verse 20-21: Die Begegnung mit den Griechen

Betrachtet man den historischen Hintergrund, dann do­ku­men­tiert die­se Notiz über die Griechen, dass Jesus im Gebiet des Herodes Phi­lip­pus un­ter­wegs war, in der Dekopolis, im Ostjordanland. Dort gab es nur wenige Juden, aber viele Griechen. Die Gründe für Jesu Aufent­halt dort waren einfach: Jesus zog sich immer wieder in Gebiete zurück, die einen gewissen Schutz vor Verfolgung boten. War er doch auch längst in Galiläa verfolgt von den dortigen Pharisäern und von He­ro­des An­ti­pas, der schon Jo­han­nes den Täu­fer hin­rich­ten ließ.

Die Bevölkerung im Ostjordanland hatte von Jesus gehört und wur­de neu­gierig. So kam es, dass Griechen diesen Jesus von Nazareth ken­nen­ler­nen wollten, nachdem sie erfahren hatten, dass Jesus in der Ge­gend war.

Die folgenden Jesu-Worte sind jedoch keine Antwort Jesu an die Griechen. Sie stehen allgemeingültig. Der Perikopenschnitt ist daher nicht zu­frie­den­stel­lend. Die beiden Verse tragen nichts zum Ver­ständ­nis der fol­gen­den Jesu-Worte bei.

Dennoch stehen in der modernen Theologie jene Griechen, die nach Jesus fragen, für die Öff­nung des Evan­ge­li­ums über das Volk Is­ra­el hin­aus. Jesus ist nicht nur für ei­ne be­stimm­te Grup­pe ge­kom­men, son­dern für die gan­ze Welt – ein Kern­the­ma der evan­ge­li­schen The­o­lo­gie.

Aber der Evangelist gibt keine Antwort darauf, ob Jesus wirk­lich die Grie­chen auf de­ren Bit­te hin ge­trof­fen hat­te. Sei­ne Wor­te rich­te­te er ja an Phi­lip­pus und An­dre­as. Der Text lässt eher ver­mu­ten, dass Jesus die Be­geg­nung mit den Grie­chen ver­mie­den hatte. Er war nicht da­r­auf aus, mit ihnen in ein theo­lo­gi­sches Ge­spräch zu ge­ra­ten zwi­schen jü­di­schem Glau­ben und hel­le­nis­ti­scher Göt­ter­welt, oder gar in der Not zu sein, sich als uni­ver­sa­ler Mes­sias der frem­den Re­li­gi­on ge­gen­über be­wei­sen zu müs­sen. Zu­min­dest be­rich­ten we­der die­se Er­zäh­lung noch die Evan­ge­li­en in Gän­ze davon.

Aus der Sicht der Griechen stellten die Jesu-Worte auch ganz sicher kei­nen Auf­hän­ger für ein Ge­spräch mit Je­sus dar. Die Grie­chen wä­ren wohl höchst irri­tiert ge­we­sen, wenn Phi­lip­pus und An­dre­as ihnen die­se Wor­te als Ant­wort auf die Bit­te, Je­sus se­hen zu wol­len, ge­ge­ben hätten.

Die Interpretation dieser Verse als Beleg für Jesu Öff­nung des Evan­ge­li­ums hin zu allen Völkern ist sicher nicht halt­bar. Die Öff­nung des Evan­ge­li­ums für Nicht-Juden ist erst nach Jesu Kreu­zi­gung vor allem durch Pau­lus um­ge­setzt wor­den. Sie ent­spring pau­li­ni­scher, aber eben nicht je­su­a­ni­scher Leh­re.

Vers 23: Der Wendepunkt in Jesu Leben

Die »Stunde« steht für Kreuz und Auferstehung. Jesus deutet an, dass sei­ne Herr­lich­keit nicht in Macht und Ruhm liegt, sondern in sei­nem Lei­den, Sterben und Auferstehen.

Jesus spricht von seinem Tod als einem notwendigen Schritt zur Ver­herr­li­chung. Doch das ist nicht einfach ein zukünftiges Ereignis, son­dern ein existenzielles Geschehen im Glauben. Der Tod Jesu of­fen­bart Gottes Heilswirken im Hier und Jetzt.

Vers 24: Das Weizenkorn als Bild

Das Sterben des Weizenkorns ist eindeutig als Bild für Jesu Tod und dessen lebensspendende Kraft zu verstehen. Doch dieses Bild ragt weit über die Person Jesu hinaus.

Das Korn muss sterben, um Frucht zu bringen. Das bedeutet: Der Mensch muss seine alte, selbstbezogene Existenz aufgeben (Sterben des alten Selbst) und im Glauben eine neue Existenz gewinnen.

Evangelisch bedeutet es: Leben entsteht, wo Menschen sich hingeben, Liebe leben und Vertrauen auf Gott setzen.

 

Zusammenfassung

Die Verse 20 und 21 stellen eine gesondert zu betrachtende Er­zäh­lung dar, die nicht zu den folgenden Jesu-Worten passen und in ei­nen ei­ge­nen Ver­kün­di­gungs­kon­text gehören.

Die Verse 21 bis 24 zeigen zwar klar den Hinweis auf Jesu Lei­den, Ster­ben und Auf­er­ste­hung, als Botschaft in unsere Zeit hinein sind sie aber eine Forderung Jesu an uns, die uns existenziell im Kern (das me­ta­pho­ri­sche Wei­zen­korn) unseres Lebens trifft: Wer sich auf den Glau­ben an Chris­tus einlässt, tritt in eine neue, wahre Existenz ein – das ist die ei­gent­li­che »Verherrlichung« Gottes.

Die evangelische Verkündigung betont be­son­ders Nach­fol­ge, Ver­ant­wor­tung und Ver­trau­en auf Got­tes Han­deln.

 

 

 

 

Kleiner Entwurf für eine Predigt

 

 

Evangelium nach Johannes
Kapitel 12, Verse 20-24

Das Ende des öffentlichen Wirkens Jesu

Die Verherrlichung Jesu naht

Leben, das erst beginnt, wenn es endet?

An Dich!

Da spricht Jesus: »Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.« (Jo­han­nes 12,24)

Was soll das bedeuten? Muss etwas sterben, um zu le­ben? Und was meint die­ses Ster­ben, von dem Jesus spricht, für uns heute?

Es bedeutet: Der Mensch muss seine al­te, selbst­be­zo­ge­ne Exis­tenz auf­ge­ben (Ster­ben des al­ten Selbst) und im Glau­ben ei­ne neue Exis­tenz ge­win­nen.

Es geht also nicht um das tat­säch­li­che Ster­ben, um un­se­ren ir­di­schen Tod. Dann geht es auch nicht um ein zu­künf­ti­ges Him­mel­reich, son­dern um das Reich Gottes im Hier und Jetzt. Es geht da­rum, wie wir un­ser christ­li­ches Le­ben ganz prak­tisch ge­stal­ten.

Christlich gelebtes Leben ent­steht dort, wo Men­schen sich hin­ge­ben, Lie­be le­ben und Ver­trau­en auf Gott set­zen.

Jesus fordert uns auf, nicht zu ver­pas­sen, un­se­rem Le­ben den an­ge­dach­ten Sinn zu ge­ben. Das rei­fe Wei­zen­korn muss fal­len, um die Me­ta­mor­pho­se ein­zu­lei­ten. Es muss auf frucht­ba­rem Bo­den kei­men kön­nen, um dann viel Frucht zu er­zeu­gen.

Wer sich auf dieses Le­bens­ziel ein­lässt – wer es bei­spiels­wei­se ris­kiert, zu lie­ben, auch wenn er ver­letzt wer­den kann, wer los­lässt, auch wenn es Angst macht, wer sein Le­ben als Grund­la­ge für sich selbst und für Be­stand, Ent­fal­tung und En­twick­lung von künf­ti­gem Le­ben un­ter christ­li­chen Leh­ren und christ­li­cher Ethik sieht, der er­fährt ech­tes, tie­fes Le­ben.

 

 

Perikopen: Liturgiegeschichtliche Verwendung
Perikope Typ Tag
1531 - 1898  

Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen

1899 - 1978  

Joh 12,20-26

2. Evangelium

→ 3. Sonntag nach Ostern: Jubilate

Lutherische Kirchen
1958-1978
 

Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen

1979 - 2018  

Joh 12,20-26

Evangelium
+ Reihe I

→ Sonntag Lätare

seit 2019  

Joh 12,20-24

Evangelium
+ Reihe III

→ 4. Sonntag der Passionszeit (Lätare)

 

 

SprüchE: Liturgiegeschichtliche Verwendung

VERSE AUS DEM TEXT IN LITURGISCHEN TAGES- UND WOCHENSPRÜCHEN

Vers / Typ Text Tag
1531 - 1898  

Joh 12,24b

Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Wochenspruch

→ Lätare: 4. Sonntag in der Fasten

1899 - 1978  

Joh 12,24b

Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Wochenspruch

→ Lätare: 4. Sonntag in der Fasten

Lutherische Kirchen
1958-1978
 

Joh 12,24b

Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Wochenspruch

→ Lätare: 4. Sonntag in der Fasten

1979 - 2018  

Joh 12,24b

Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Wochenspruch

→ Lätare: 4. Sonntag der Passionszeit

seit 2019  

Joh 12,24b

Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Wochenspruch

→ Lätare: 4. Sonntag der Passionszeit

 

 

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Frakturschrift ist nicht leicht zu le­sen. Die Vi­de­os zei­gen aus­ge­wähl­te Tex­te aus der Luther­bi­bel von 1545, vor­ge­le­sen von Reiner Makohl.

 

 

Zum Gebrauch

Die Lutherbibel von 1545 ist mit ihrem Frak­tur­zei­chen­satz nicht leicht zu le­sen. Wir bie­ten Vi­de­os, in de­nen aus­ge­wähl­te Pe­ri­ko­pen aus den Sonn- und Fei­er­tags­rei­hen vor­ge­le­sen wer­den.

Wir empfehlen, die Vi­de­os im Voll­bild­mo­dus zu ge­nie­ßen.

 

 

Credits zum Video:

©2024 by Reiner D. Makohl | www.stilkunst.de

Bibeltexte: Dr. Martin Luther, Biblia, Wittenberg 1545
Zeichensätze der Frakturschriften, Typografie & Layout,
Video: Reiner D. Makohl

Sprecher: Reiner D. Makohl
Musik: ©Bluevalley, J.S.Bach, Präludium in C-Dur, Gitarre

 

 

Sabrina

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©by Reiner Makohl | Stilkunst.de

SK Version 15.03.2025