Das Ende des öffentlichen Wirkens Jesu
vorgelesen von Reiner Makohl
Das Ende des öffentlichen Wirkens Jesu
Die Verherrlichung Jesu naht
Die heutige evangelische Theologie liest Johannes 12,20-24 im Kontext von Jesu Weg ans Kreuz und als Aufruf zu einem Leben im Vertrauen auf Gottes Wirken.
Betrachtet man den historischen Hintergrund, dann dokumentiert diese Notiz über die Griechen, dass Jesus im Gebiet des Herodes Philippus unterwegs war, in der Dekopolis, im Ostjordanland. Dort gab es nur wenige Juden, aber viele Griechen. Die Gründe für Jesu Aufenthalt dort waren einfach: Jesus zog sich immer wieder in Gebiete zurück, die einen gewissen Schutz vor Verfolgung boten. War er doch auch längst in Galiläa verfolgt von den dortigen Pharisäern und von Herodes Antipas, der schon Johannes den Täufer hinrichten ließ.
Die Bevölkerung im Ostjordanland hatte von Jesus gehört und wurde neugierig. So kam es, dass Griechen diesen Jesus von Nazareth kennenlernen wollten, nachdem sie erfahren hatten, dass Jesus in der Gegend war.
Die folgenden Jesu-Worte sind jedoch keine Antwort Jesu an die Griechen. Sie stehen allgemeingültig. Der Perikopenschnitt ist daher nicht zufriedenstellend. Die beiden Verse tragen nichts zum Verständnis der folgenden Jesu-Worte bei.
Dennoch stehen in der modernen Theologie jene Griechen, die nach Jesus fragen, für die Öffnung des Evangeliums über das Volk Israel hinaus. Jesus ist nicht nur für eine bestimmte Gruppe gekommen, sondern für die ganze Welt – ein Kernthema der evangelischen Theologie.
Aber der Evangelist gibt keine Antwort darauf, ob Jesus wirklich die Griechen auf deren Bitte hin getroffen hatte. Seine Worte richtete er ja an Philippus und Andreas. Der Text lässt eher vermuten, dass Jesus die Begegnung mit den Griechen vermieden hatte. Er war nicht darauf aus, mit ihnen in ein theologisches Gespräch zu geraten zwischen jüdischem Glauben und hellenistischer Götterwelt, oder gar in der Not zu sein, sich als universaler Messias der fremden Religion gegenüber beweisen zu müssen. Zumindest berichten weder diese Erzählung noch die Evangelien in Gänze davon.
Aus der Sicht der Griechen stellten die Jesu-Worte auch ganz sicher keinen Aufhänger für ein Gespräch mit Jesus dar. Die Griechen wären wohl höchst irritiert gewesen, wenn Philippus und Andreas ihnen diese Worte als Antwort auf die Bitte, Jesus sehen zu wollen, gegeben hätten.
Die Interpretation dieser Verse als Beleg für Jesu Öffnung des Evangeliums hin zu allen Völkern ist sicher nicht haltbar. Die Öffnung des Evangeliums für Nicht-Juden ist erst nach Jesu Kreuzigung vor allem durch Paulus umgesetzt worden. Sie entspring paulinischer, aber eben nicht jesuanischer Lehre.
Die »Stunde« steht für Kreuz und Auferstehung. Jesus deutet an, dass seine Herrlichkeit nicht in Macht und Ruhm liegt, sondern in seinem Leiden, Sterben und Auferstehen.
Jesus spricht von seinem Tod als einem notwendigen Schritt zur Verherrlichung. Doch das ist nicht einfach ein zukünftiges Ereignis, sondern ein existenzielles Geschehen im Glauben. Der Tod Jesu offenbart Gottes Heilswirken im Hier und Jetzt.
Das Sterben des Weizenkorns ist eindeutig als Bild für Jesu Tod und dessen lebensspendende Kraft zu verstehen. Doch dieses Bild ragt weit über die Person Jesu hinaus.
Das Korn muss sterben, um Frucht zu bringen. Das bedeutet: Der Mensch muss seine alte, selbstbezogene Existenz aufgeben (Sterben des alten Selbst) und im Glauben eine neue Existenz gewinnen.
Evangelisch bedeutet es: Leben entsteht, wo Menschen sich hingeben, Liebe leben und Vertrauen auf Gott setzen.
Die Verse 20 und 21 stellen eine gesondert zu betrachtende Erzählung dar, die nicht zu den folgenden Jesu-Worten passen und in einen eigenen Verkündigungskontext gehören.
Die Verse 21 bis 24 zeigen zwar klar den Hinweis auf Jesu Leiden, Sterben und Auferstehung, als Botschaft in unsere Zeit hinein sind sie aber eine Forderung Jesu an uns, die uns existenziell im Kern (das metaphorische Weizenkorn) unseres Lebens trifft: Wer sich auf den Glauben an Christus einlässt, tritt in eine neue, wahre Existenz ein – das ist die eigentliche »Verherrlichung« Gottes.
Die evangelische Verkündigung betont besonders Nachfolge, Verantwortung und Vertrauen auf Gottes Handeln.
Das Ende des öffentlichen Wirkens Jesu
Die Verherrlichung Jesu naht
Da spricht Jesus: »Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.« (Johannes 12,24)
Was soll das bedeuten? Muss etwas sterben, um zu leben? Und was meint dieses Sterben, von dem Jesus spricht, für uns heute?
Es bedeutet: Der Mensch muss seine alte, selbstbezogene Existenz aufgeben (Sterben des alten Selbst) und im Glauben eine neue Existenz gewinnen.
Es geht also nicht um das tatsächliche Sterben, um unseren irdischen Tod. Dann geht es auch nicht um ein zukünftiges Himmelreich, sondern um das Reich Gottes im Hier und Jetzt. Es geht darum, wie wir unser christliches Leben ganz praktisch gestalten.
Christlich gelebtes Leben entsteht dort, wo Menschen sich hingeben, Liebe leben und Vertrauen auf Gott setzen.
Jesus fordert uns auf, nicht zu verpassen, unserem Leben den angedachten Sinn zu geben. Das reife Weizenkorn muss fallen, um die Metamorphose einzuleiten. Es muss auf fruchtbarem Boden keimen können, um dann viel Frucht zu erzeugen.
Wer sich auf dieses Lebensziel einlässt – wer es beispielsweise riskiert, zu lieben, auch wenn er verletzt werden kann, wer loslässt, auch wenn es Angst macht, wer sein Leben als Grundlage für sich selbst und für Bestand, Entfaltung und Entwicklung von künftigem Leben unter christlichen Lehren und christlicher Ethik sieht, der erfährt echtes, tiefes Leben.
Perikope | Typ | Tag |
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1531 - 1898 | ||
Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen | ||
1899 - 1978 | ||
Joh 12,20-26 | 2. Evangelium | |
Lutherische Kirchen 1958-1978 | ||
Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen | ||
1979 - 2018 | ||
Joh 12,20-26 | Evangelium | |
seit 2019 | ||
Joh 12,20-24 | Evangelium |
VERSE AUS DEM TEXT IN LITURGISCHEN TAGES- UND WOCHENSPRÜCHEN
Vers / Typ | Text | Tag |
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1531 - 1898 | ||
Joh 12,24b | Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. | |
Wochenspruch | ||
1899 - 1978 | ||
Joh 12,24b | Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. | |
Wochenspruch | ||
Lutherische Kirchen 1958-1978 | ||
Joh 12,24b | Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. | |
Wochenspruch | ||
1979 - 2018 | ||
Joh 12,24b | Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. | |
Wochenspruch | ||
seit 2019 | ||
Joh 12,24b | Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte. | |
Wochenspruch |
Frakturschrift ist nicht leicht zu lesen. Die Videos zeigen ausgewählte Texte aus der Lutherbibel von 1545, vorgelesen von Reiner Makohl.
Die Lutherbibel von 1545 ist mit ihrem Frakturzeichensatz nicht leicht zu lesen. Wir bieten Videos, in denen ausgewählte Perikopen aus den Sonn- und Feiertagsreihen vorgelesen werden.
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©2024 by Reiner D. Makohl | www.stilkunst.de
Bibeltexte: Dr. Martin Luther, Biblia, Wittenberg 1545
Zeichensätze der Frakturschriften, Typografie & Layout,
Video: Reiner D. Makohl
Sprecher: Reiner D. Makohl
Musik: ©Bluevalley, J.S.Bach, Präludium in C-Dur, Gitarre