Aus der Bergpredigt Jesu
vorgelesen von Reiner Makohl
Aus der Bergpredigt Jesu
Die Rede über das Fasten und gegen die Scheinheiligkeit
und die Rede gegen Schätzesammeln auf Erden und über den wahren Schatz im Himmel
Der Text Matthäus 6,16-21 ist Teil der Bergpredigt. Er enthält zwei kurze Reden Jesu, die unabhängig voneinander zu betrachten sind.
In den Versen 16 bis 18 steht die Rede über das Fasten und die Scheinheiligkeit beim Fasten, in den Versen 19 bis 21 redet Jesus gegen das das Streben nach irdischem Reichtum und über das Schätzesammeln im Himmel.
Jesus kritisiert äußeren Schein. Fasten ist keine Show, sondern eine persönliche Angelegenheit. Wer fastet, soll es in Stille tun – nicht für Anerkennung als loyaler Christ in der christlichen Gemeinschaft. Gott sieht ins Herz und belohnt die gute Absicht, nicht die Scheinheilige.
Im evangelischen Verständnis ist Fasten keine Pflicht. Es ist kein Dienst an oder für Gott, es ist kein Gottesdienst. Gott verlangt nicht, dass wir fasten. Vielmehr ist es ein Dienst für sich selbst, doch da auch nur für den Körper, nicht für den Teil des Geistes, in dem sich unser Glauben entfaltet.
Daher ist Fasten keine Leistung, die nach Anerkennung ruft, sondern eine (hoffentlich möglichst schmerzfreie) Form der Kasteiung, die geeignet sein kann, unsere körperliche Verfassung neu zu erden, die uns helfen kann, unseren Lebenswandel durch bewussten Verzicht auf Gewohnheiten zu hinterfragen. Doch das machen die vielen Lebensratgeber, die den Buchmarkt überschwemmen, auch.
Jesus mahnt: Materielle Werte sind vergänglich. Statt Reichtum auf Erden sollen wir Schätze im Himmel sammeln – durch Glauben, Liebe und Gerechtigkeit. Denn woran unser Herz hängt, das bestimmt unser Leben.
Beide Reden lassen sich aus evangelischer Sicht mit wenigen Worten so zusammenfassen:
Glaube ist Herzenssache, kein äußeres Ritual. Wahre Schätze liegen in der Beziehung zu Gott – nicht im Besitz, nicht in der Meinung anderer und auch nicht in der Selbstkasteiung durch Verzicht.
Aus der Bergpredigt Jesu
Die Rede über das Fasten und gegen die Scheinheiligkeit
und die Rede gegen Schätzesammeln auf Erden und über den wahren Schatz im Himmel
Fastenzeit – und wieder wird überall über Fasten geredet. Manchmal wird zu Verzicht auf Schokolade, Social Media oder Kaffee und andere Dinge aufgerufen. Das sind nicht selten echte Herausforderungen. Sie zu erfüllen, kann hart sein. Und manchmal will man vielleicht auch damit angeben, wie stark man darin ist, Verzicht im Fasten zu schaffen.
Doch Jesus sagt: »Wenn ihr fastet, macht kein trauriges Gesicht!« (Mt 6,16). Kein frommes Getue! Macht keine Show daraus! Gott sieht nur das an, was im Herzen ist.
Fasten ist auch im traditionellen Sinn keine Leistung, die nach Anerkennung ruft, sondern eine (hoffentlich möglichst schmerzfreie) Form der Kasteiung, die geeignet sein kann, unsere körperliche Verfassung neu zu erden, die uns helfen kann, unseren Lebenswandel durch bewussten Verzicht auf Gewohnheiten zu hinterfragen. Doch das machen die vielen Lebensratgeber, die den Buchmarkt überschwemmen, auch.
Daher sagt Jesus: Wahres Fasten ist eine Herzensangelegenheit. Sie richtet sich hin zu Gott, nicht weg von ihm.
Und dann spricht Jesus über Schätze: »Sammelt euch Schätze im Himmel!« (Mt 6,20). Unsere Zeit, Liebe und Hingabe für Gott und Menschen – das sind bleibende Werte. Alles andere vergeht.
Wer sich ganz Gott anvertraut, ihm Raum im Herzen lässt, der sammelt Schätze für die Ewigkeit. Das allein zählt.
Warum evangelische Christen keine Fastenzeit kennen
Aus der christlichen Sicht ist Fasten, wie es traditionell gepflegt wird, kein Dienst an oder für Gott. Leben nach Gottes Wort ist es. Und das ist mit Fasten im traditionellen Sinn nicht kompatibel. (→ Jesaja 58,1-11; s. u.)
Es gibt gute Gründe dafür, dass die evangelischen Kirchen in ihren Kalendern gar keine Fastenzeiten kennen. Die altkirchliche Fastenzeit vor Ostern ab Aschermittwoch heißt im Kirchenkalender nun Passionszeit. Der kommende Sonntag (Invokavit) ist nicht mehr der »1. Sonntag in der Fasten«, sondern der »1. Sonntag der Passionszeit«.
In der traditionell geprägten Fastenzeit geht es methodisch um Verzicht, um Selbstkasteiung. Es geht darum, dass wir unsere körperlichen und psychischen Gewohnheiten dort einschränken, wo es schmerzhaft sein kann. Doch wohin führt das, außer zu Narben an Körper und Seele, wenn nach der Fastenzeit wieder alles ist, wie es vorher war?
Gott verlangt keine Opfer von uns. Trotz vieler Bemühungen, Fasten theologisch zu begründen, kann es nicht gelingen, Fasten von einem leeren Ritualismus zu befreien.
In Matthäus 6,16-18 wird erzählt, dass Jesus erkannt hatte, dass schon damals das Fasten zu einem Ritual wurde, das missbraucht wurde, um Frömmigkeit zu demonstrieren. Und doch war es nur Frömmelei, keineswegs von Gott gewolltes Handeln. (→ Jesaja 58,1-11; s. u.)
Doch Jesus erklärt, dass es im Fasten um eine innere Haltung der Offenheit gegenüber Gott geht, nicht um das Ritual des Verzichts, nicht um den öffentlichen Beweis, Leid auf sich nehmen zu können, um plakativ die Nachfolge demonstrieren zu wollen, wie es im Jesus Wort heißt: Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich. (→ Mt 10,38; Mk 8,34; 1Petr 2,21; u. a.)
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Mt 10,38: Jesus sprach: »Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.«
Mk 8,34: Jesus sprach: »Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«
1Petr 2,21: Petrus schrrieb: »Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.«
Jesaja 58,2b-11:
Gott spricht: »2b Sie fordern von mir Rechtsentscheide der Wahrheit, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 3 ›Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?‹
Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.
4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein.
Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.
5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet?
Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?
6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!
7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.
9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.«
[Alle Zitate aus der Luther-Bibel 2017.]
Warum evangelische Christen die Passionszeit als Hinwendung zu Gott verstehen
Die Passionszeit dient aktivem Engagement für Taten aus Nächstenliebe, für Gerechtigkeit und für Versöhnung in der Welt.
Unter der Betonung der Passion Christi ist die Zeit vor Ostern eine Zeit tiefer Reflexion über Gottes Mitleiden und über konkrete Hoffnung inmitten von Leid.
Der leidende Gott begegnet uns im leidenden Menschen. Da, wo wir dem leidenden Menschen unser Mitleid bekennen, Trost durch Hoffnung bieten, Leiden durch Hilfen mildern, Position beziehen gegen Ungerechtigkeiten, gegen Hass und Gewalt, gegen Unversöhnlichkeit, da findet Gottesdienst statt.
Ganz praktisch ist daher der Aufruf zu aktivem Engagement für Gerechtigkeit und Versöhnung in der Welt zu tätigen.
Die existentielle und soziale Dimension, sowie die kosmische Dimension des Kreuzes müssen in der Passionszeit als Ausdruck der umfassenden Liebe und Hoffnung Gottes für die gesamte Schöpfung in Verkündigung und Interpretation des Evangeliums großen Raum einnehmen dürfen.
Perikope | Typ | Tag |
---|---|---|
1531 - 1898 | ||
Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen | ||
1899 - 1978 | ||
Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen | ||
Lutherische Kirchen 1958-1978 | ||
Mt 6,6-18 | Evangelium + | |
1979 - 2018 | ||
Mt 6,16-21 | Evangelium + | |
Mt 6,19-23 | Reihe V | |
seit 2019 | ||
Mt 6,16-21 | Evangelium + | |
Mt 6,19-23 | Pool | |
Mt 6,19-24 | Pool |
Frakturschrift ist nicht leicht zu lesen. Die Videos zeigen ausgewählte Texte aus der Lutherbibel von 1545, vorgelesen von Reiner Makohl.
Die Lutherbibel von 1545 ist mit ihrem Frakturzeichensatz nicht leicht zu lesen. Wir bieten Videos, in denen ausgewählte Perikopen aus den Sonn- und Feiertagsreihen vorgelesen werden.
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©2024 by Reiner D. Makohl | www.stilkunst.de
Bibeltexte: Dr. Martin Luther, Biblia, Wittenberg 1545
Zeichensätze der Frakturschriften, Typografie & Layout,
Video: Reiner D. Makohl
Sprecher: Reiner D. Makohl
Musik: ©Bluevalley, J.S.Bach, Präludium in C-Dur, Gitarre