Matthäus 6,16-21

Das Hörbuch-Video zur Lutherbibel von 1545

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zur Lutherbibel von 1545

 

 

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Aus der Bergpredigt Jesu

Die Rede über das Fasten und gegen die Scheinheiligkeit
und die Rede gegen Schätzesammeln auf Erden und über den wahren Schatz im Himmel

Evangelium nach Matthäus
6,16-21

vorgelesen von Reiner Makohl

 

 

Evangelium am

→ Aschermittwoch

 

Gedanken zum Text

 

Evangelium nach Matthäus
Kapitel 6, Verse 16-21

Aus der Bergpredigt Jesu

Die Rede über das Fasten und gegen die Scheinheiligkeit
und die Rede gegen Schätzesammeln auf Erden und über den wahren Schatz im Himmel

Einleitung

Der Text Matthäus 6,16-21 ist Teil der Bergpredigt. Er ent­hält zwei kur­ze Re­den Jesu, die un­ab­hän­gig von­ein­an­der zu be­trach­ten sind.

In den Ver­sen 16 bis 18 steht die Re­de über das Fas­ten und die Schein­hei­lig­keit beim Fas­ten, in den Ver­sen 19 bis 21 re­det Jesus ge­gen das das Stre­ben nach ir­di­schem Reich­tum und über das Schät­ze­sam­meln im Him­mel.

Inhalte und Botschaften

Verse 16-18: Vom Fasten

Jesus kritisiert äußeren Schein. Fas­ten ist kei­ne Show, son­dern ei­ne per­sön­li­che An­ge­le­gen­heit. Wer fas­tet, soll es in Stil­le tun – nicht für An­er­ken­nung als loyaler Christ in der christ­li­chen Ge­mein­schaft. Gott sieht ins Herz und be­lohnt die gu­te Ab­sicht, nicht die Schein­hei­li­ge.

Im evangelischen Verständnis ist Fasten keine Pflicht. Es ist kein Dienst an oder für Gott, es ist kein Got­tes­dienst. Gott ver­langt nicht, dass wir fas­ten. Viel­mehr ist es ein Dienst für sich selbst, doch da auch nur für den Kör­per, nicht für den Teil des Geis­tes, in dem sich un­ser Glau­ben ent­fal­tet.

Daher ist Fasten keine Leis­tung, die nach An­er­ken­nung ruft, son­dern ei­ne (hof­fent­lich mög­lichst schmerz­freie) Form der Kas­tei­ung, die ge­eig­net sein kann, un­se­re kör­per­li­che Ver­fas­sung neu zu er­den, die uns hel­fen kann, un­se­ren Le­bens­wan­del durch be­wuss­ten Ver­zicht auf Ge­wohn­hei­ten zu hin­ter­fra­gen. Doch das ma­chen die vie­len Le­bens­rat­ge­ber, die den Buch­markt über­schwem­men, auch.

Verse 19-21: Vom Schätzesammeln

Jesus mahnt: Materielle Werte sind ver­gäng­lich. Statt Reich­tum auf Er­den sol­len wir Schät­ze im Him­mel sam­meln – durch Glau­ben, Lie­be und Ge­rech­tig­keit. Denn wo­ran un­ser Herz hängt, das be­stimmt un­ser Leben.

Zusammenfassung

Beide Reden lassen sich aus evan­ge­li­scher Sicht mit we­ni­gen Wor­ten so zu­sam­men­fas­sen:

Glaube ist Her­zens­sa­che, kein äu­ße­res Ri­tu­al. Wah­re Schät­ze lie­gen in der Be­zie­hung zu Gott – nicht im Be­sitz, nicht in der Mei­nung an­de­rer und auch nicht in der Selbst­kas­tei­ung durch Ver­zicht.

 

 

 

 

Kleiner Entwurf für eine Predigt

 

 

Evangelium nach Matthäus
Kapitel 6, Verse 16-21

Aus der Bergpredigt Jesu

Die Rede über das Fasten und gegen die Scheinheiligkeit
und die Rede gegen Schätzesammeln auf Erden und über den wahren Schatz im Himmel

Fasten und echte Schätze – woran hängt dein Herz?

An Dich!

Fastenzeit – und wieder wird überall über Fasten geredet. Manchmal wird zu Verzicht auf Schokolade, Social Media oder Kaffee und andere Dinge aufgerufen. Das sind nicht selten echte Herausforderungen. Sie zu erfüllen, kann hart sein. Und manchmal will man vielleicht auch damit angeben, wie stark man darin ist, Verzicht im Fasten zu schaffen.

Doch Jesus sagt: »Wenn ihr fastet, macht kein trauriges Gesicht!« (Mt 6,16). Kein frommes Getue! Macht keine Show daraus! Gott sieht nur das an, was im Herzen ist.

Fasten ist auch im traditionellen Sinn keine Leis­tung, die nach An­er­ken­nung ruft, son­dern ei­ne (hof­fent­lich mög­lichst schmerz­freie) Form der Kas­tei­ung, die ge­eig­net sein kann, un­se­re kör­per­li­che Ver­fas­sung neu zu er­den, die uns hel­fen kann, un­se­ren Le­bens­wan­del durch be­wuss­ten Ver­zicht auf Ge­wohn­hei­ten zu hin­ter­fra­gen. Doch das ma­chen die vie­len Le­bens­rat­ge­ber, die den Buch­markt über­schwem­men, auch.

Daher sagt Jesus: Wahres Fasten ist eine Herzensangelegenheit. Sie richtet sich hin zu Gott, nicht weg von ihm.

Und dann spricht Jesus über Schätze: »Sammelt euch Schätze im Himmel!« (Mt 6,20). Unsere Zeit, Liebe und Hin­ga­be für Gott und Men­schen – das sind blei­ben­de Wer­te. Al­les an­de­re vergeht.

Wer sich ganz Gott an­ver­traut, ihm Raum im Her­zen lässt, der sam­melt Schät­ze für die Ewig­keit. Das allein zählt.

 

 

 

Was da noch zu sagen wäre ...

 

Fasten ist kein Gottesdienst

Warum evangelische Christen keine Fastenzeit kennen

Aus der christlichen Sicht ist Fasten, wie es traditionell gepflegt wird, kein Dienst an oder für Gott. Leben nach Gottes Wort ist es. Und das ist mit Fasten im traditionellen Sinn nicht kompatibel. (→ Jesaja 58,1-11; s. u.)

Es gibt gute Gründe dafür, dass die evangelischen Kirchen in ihren Kalendern gar keine Fastenzeiten kennen. Die altkirchliche Fastenzeit vor Ostern ab Aschermittwoch heißt im Kirchenkalender nun Passionszeit. Der kommende Sonntag (Invokavit) ist nicht mehr der »1. Sonntag in der Fasten«, sondern der »1. Sonntag der Passionszeit«.

In der traditionell geprägten Fastenzeit geht es methodisch um Verzicht, um Selbstkasteiung. Es geht darum, dass wir unsere körperlichen und psychischen Gewohnheiten dort einschränken, wo es schmerzhaft sein kann. Doch wohin führt das, außer zu Narben an Körper und Seele, wenn nach der Fastenzeit wieder alles ist, wie es vorher war?

Gott verlangt keine Opfer von uns. Trotz vieler Bemühungen, Fasten theologisch zu begründen, kann es nicht gelingen, Fasten von einem leeren Ritualismus zu befreien.

In Matthäus 6,16-18 wird erzählt, dass Jesus erkannt hatte, dass schon damals das Fasten zu einem Ritual wurde, das missbraucht wurde, um Frömmigkeit zu demonstrieren. Und doch war es nur Frömmelei, keineswegs von Gott gewolltes Handeln. (→ Jesaja 58,1-11; s. u.)

Doch Jesus erklärt, dass es im Fasten um eine innere Haltung der Offenheit gegenüber Gott geht, nicht um das Ritual des Verzichts, nicht um den öffentlichen Beweis, Leid auf sich nehmen zu können, um plakativ die Nachfolge demonstrieren zu wollen, wie es im Jesus Wort heißt: Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich. (→ Mt 10,38; Mk 8,34; 1Petr 2,21; u. a.)

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Textverweise:

Mt 10,38: Jesus sprach: »Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.«

Mk 8,34: Jesus sprach: »Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.«

1Petr 2,21: Petrus schrrieb: »Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.«

Jesaja 58,2b-11:

Gott spricht: »2b Sie fordern von mir Rechtsentscheide der Wahrheit, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. 3 ›Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?‹

Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein.

Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet?

Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.«

[Alle Zitate aus der Luther-Bibel 2017.]

 

 

Die Passionszeit verlangt aktives Engagement

Warum evangelische Christen die Passionszeit als Hinwendung zu Gott verstehen

Die Passionszeit dient aktivem Engagement für Taten aus Nächstenliebe, für Gerechtigkeit und für Versöhnung in der Welt.

Unter der Betonung der Passion Christi ist die Zeit vor Ostern eine Zeit tiefer Reflexion über Gottes Mitleiden und über konkrete Hoffnung inmitten von Leid.

Der leidende Gott begegnet uns im leidenden Menschen. Da, wo wir dem leidenden Menschen unser Mitleid bekennen, Trost durch Hoffnung bieten, Leiden durch Hilfen mildern, Position beziehen gegen Ungerechtigkeiten, gegen Hass und Gewalt, gegen Unversöhnlichkeit, da findet Gottesdienst statt.

Ganz praktisch ist daher der Aufruf zu aktivem Engagement für Gerechtigkeit und Versöhnung in der Welt zu tätigen.

Die existentielle und soziale Dimension, sowie die kosmische Dimension des Kreuzes müssen in der Passionszeit als Ausdruck der umfassenden Liebe und Hoffnung Gottes für die gesamte Schöpfung in Verkündigung und Interpretation des Evangeliums großen Raum einnehmen dürfen.

 

 

 

Liturgiegeschichtliche Verwendung
Perikope Typ Tag
1531 - 1898  

Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen

1899 - 1978  

Keine Verwendung an Sonntagen, Feiertagen und Gedenktagen

Lutherische Kirchen
1958-1978
 

Mt 6,6-18

Evangelium +
Reihe I

→ 7. Sonntag nach Trinitatis

1979 - 2018  

Mt 6,16-21

Evangelium +
Reihe I

→ Aschermittwoch

Mt 6,19-23

Reihe V

→ Erntedanktag

seit 2019  

Mt 6,16-21

Evangelium +
Reihe V

→ Aschermittwoch

Mt 6,19-23

Pool

→ Erntedanktag

Mt 6,19-24

Pool

→ 11. November | Martinstag

 

 

Übersichten der verfügbaren Hörbuch-Videos
Titelbild
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Frakturschrift ist nicht leicht zu le­sen. Die Vi­de­os zei­gen aus­ge­wähl­te Tex­te aus der Luther­bi­bel von 1545, vor­ge­le­sen von Reiner Makohl.

 

 

Zum Gebrauch

Die Lutherbibel von 1545 ist mit ihrem Frak­tur­zei­chen­satz nicht leicht zu le­sen. Wir bie­ten Vi­de­os, in de­nen aus­ge­wähl­te Pe­ri­ko­pen aus den Sonn- und Fei­er­tags­rei­hen vor­ge­le­sen wer­den.

Wir empfehlen, die Vi­de­os im Voll­bild­mo­dus zu ge­nie­ßen.

 

 

Credits zum Video:

©2024 by Reiner D. Makohl | www.stilkunst.de

Bibeltexte: Dr. Martin Luther, Biblia, Wittenberg 1545
Zeichensätze der Frakturschriften, Typografie & Layout,
Video: Reiner D. Makohl

Sprecher: Reiner D. Makohl
Musik: ©Bluevalley, J.S.Bach, Präludium in C-Dur, Gitarre

 

 

Sabrina

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©by Reiner Makohl | Stilkunst.de

SK Version 15.03.2025