
Reiner Makohl | Februar 2026
Die Mette ist der älteste Gottesdienst der christlichen Tradition: ein nächtliches oder frühmorgendliches Gebet, das die Gemeinde vor dem Tagesbeginn versammelt. Sie gehört zum liturgischen Stundengebet und hat ihre Wurzeln im jüdischen Nacht- und Morgengebet. → 1: Mette — Begriff und Ursprung
Systematische Kurzformel
Die Mette ist das liturgische Nacht- oder Frühgebet der Kirche, gefeiert zwischen Mitternacht und Morgendämmerung.
Mette ist die eingedeutschte Form von Matutin (lateinisch: matutinus, morgendlich; hora matutina: Morgenstunde). Im liturgischen Stundengebet bezeichnet sie das Gebet, das ursprünglich nach Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden gefeiert wurde. → 2: Wortgeschichte
Im evangelischen Sprachgebrauch ist „Mette“ heute vor allem als Bezeichnung für die Christnachtmette und die Ostermette geläufig.
Das Stundengebet ist die liturgische Ordnung, nach der die Gemeinde den Tag durch festgelegte Gebetszeiten heiligt. Die Mette bildet darin den ersten und ältesten Gebetstermin: Sie eröffnet den liturgischen Tag noch in der Dunkelheit.
In ihrer klassischen Form besteht die Mette aus Psalmgesang, biblischen Lesungen und Responsorien. Sie kann durch Predigt oder Katechese ergänzt werden. An hohen Festen, vor allem Weihnachten und Ostern, wurde und wird sie festlich ausgestaltet.
Die bekannteste Form der Mette ist die Christnachtmette, der Gottesdienst in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Sie gehört zu den ältesten christlichen Feiern überhaupt: Bereits im 4. Jahrhundert ist in Jerusalem ein nächtlicher Gottesdienst zur Geburt des Herrn bezeugt. → 3: Die nächtliche Weihnachtsfeier

Luther schaffte das Stundengebet nicht ab. Er beseitigte das Pflichtgebet des klerikalen Offiziums, hielt aber Mette und Vesper als Gemeindegottesdienste bewusst aufrecht, und zwar an Sonntagen und werktags an Orten mit Lateinschulen. In der evangelischen Matutin waren längere Schriftlesungen und eine Predigt vorgesehen: Das Gebet sollte vom Wort her leben, nicht von der liturgischen Form allein. → 4: Mette und Reformation
Im Laufe der Aufklärung verdrängten Betstunden und Andachten die liturgischen Formen weitgehend. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Stundengebet im deutschen Protestantismus wiederentdeckt im Zusammenhang der Liturgischen Bewegung, durch Gruppen wie die Evangelische Michaelsbruderschaft und die Kirchliche Arbeit Alpirsbach.
Das evangelische Gesangbuch enthält eine vollständig ausgeführte Ordnung der Mette als Morgengebet, als liturgische Gottesdienstform für heute. Sie ist in einer aus der evangelischen Tradition entwickelten Fassung dargeboten, zusammen mit den Ordnungen für Mittagsgebet, Vesper (Abendgebet) und Komplet (Nachtgebet). → 5: Mette im evangelischen Gesangbuch
Die Ordnung der Mette im Gesangbuch zeigt, dass sie sehr wohl ein liturgisches, aber kein kompliziertes Ritual ist. Sie beginnt mit einem kurzen Eingang (lat.: Ingressus), dem ein Psalm mit Leitvers (Antiphon) folgt. Danach kommen Lesung und Antwortgesang (lat.: Responsorium), Loblied (Hymnus) und der Lobgesang des Zacharias (lat.: Canticum Benedictus,
Lk 1,68–79). Es folgen Gebet, Vater Unser und Fürbitten (lat.: Preces) — jeweils eigens für jeden Wochentag — sowie ein Schlussgebet und der Ausgang mit Lobpreis. Diese Struktur ist erstaunlich nah an der alten Form: Psalm — Wort — Antwort — Gebet — Segen.
Wer diese Seiten des Gesangbuchs aufschlägt, findet hier eine Vorlage für einen Gottesdienst, den eine kleine Gruppe, eine Familie oder auch eine Einzelperson feiern kann, auch ohne Pfarrer, ohne Kirchenraum und vor dem Beginn des Tages, dann als Morgenandacht durchgeführt.
Der Unterschied zwischen Mette und Morgenandacht erscheint weniger bedeutend, als ihn der alte Sprachgebrauch erwarten lässt.
Während die Mette Teil einer offiziellen, strukturierten Liturgie der Kirche ist, die beispielsweise von Pfarrerinnen und Pfarrern zelebriert oder in kirchlichen Gemeinschaften gebetet wird, ist die Morgenandacht eine freier gestaltete, kleinere gottesdienstliche Form. Sie folgt keiner festen, liturgisch normierten Struktur wie die Mette, sondern besteht meist aus Gebet, Lied, Bibeltext und einem kurzen geistlichen Impuls, wobei kein Element zwingend erforderlich ist.
Wer bei einer Freizeitgruppe noch vor dem Frühstück zusammenkommt, einen Psalm liest und ein Gebet spricht, vollzieht in der Sache eine Morgenandacht, die sich funktional kaum von einer Mette unterscheidet, auch wenn das Wort nicht fällt. Das Muster ist dasselbe: Menschen versammeln sich, bevor der Tag beginnt, und stellen ihn unter das Wort des Evangeliums. Dies folgt ganz dem Sinne des Morgengebets der frühen Christen, aus dem sich die Mette entwickelt hatte.
↦ Introitus
Der liturgische Eingangsgesang, der auch die Mette eröffnet.
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.
Beispiel:
Reiner Makohl, Evangelische Begriffserklärung: Mette - Das nächtliche Gebet der Kirche., in: Stilkunst.de,
abgerufen unter:
(abgerufen am )