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Ach du getreuer GOtt und himmliſcher Vater !
Ich armer Sünder weiß, daß ich nicht werth bin, daß ich meine Augen und Hände zu dir aufhebe und bete.
Weil du aber befohlen haſt,
daß ich dich im Namen deines Sohnes JESU Chriſti ſoll bitten und anrufen,
auch deß willen zugeſaget,
daß du mich willſt erhören, und mir geben, was ich dich bitten werde:
ſo gründe ich mich auf ſolche gnädige Zuſage,
die mir nicht fehlen kann,
und hoffe, weil ich Befehl habe zu beten, und darnach auch Verheißung,
du wirſt mein Gebet erhören.
Ich bitte deshalb demüthiglich,
du wolleſt mir den Heiligen Geiſt in mein Herz gießen,
der alle unnütze Sorgen und böſe Gedanken austreibe,
damit ich mit Herzensandacht nützlich und fruchtbarlich beten,
und um deiner Zuſage willen auch gewißlich erhöret werden möge.
Ich bete deshalb mit allen frommen Chriſten,
wie mich Chriſtus JEſus zu beten gelehret hat:
Vater Unſer ꝛc.
Amen.
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Anmerkung 1
1 Der Ausdruck »deß willen« ist veraltet und meint »um dessen willen« (»um dessentwillen«, »seinetwegen«).
Anmerkung 2
2 »Vater Unſer ꝛc.« (Vater Unser etc.): An dieser Stelle wird darauf verwiesen, nun das Vaterunser zu beten. Vom Text selbst sind an dieser Stelle nur die beiden ersten Wörter abgedruckt. Es wird vorausgesetzt, dass der Rest (»etc.«) bekannt ist.
Sie finden den Text aber bei uns:
Vaterunser
Beten! – Was riskieren wir schon dabei? Nichts. Was kostet es uns, außer einigen Minuten Zeit, die wir vermutlich anderweitig kaum besser genutzt hätten?
Die Macht des Betens! – das klingt kompliziert! Ja, Gebete sind nicht nur Worte. Sie erwarten viel Engagement von Ihnen. Man muss sogar über den eigenen Schatten springen können. Und man muss dran bleiben. Nicht nur reden, handeln! Aber womöglich ist es genau das, weshalb viele nicht an die Macht des Betens glauben: Sie nehmen das Gebet nicht ernst. Sie können nicht erfahren, wie es wirkt. Können Sie es?
Das Gebet ist die Begegnung mit Gott. Es ist neben Bitten und Danken ein Ort der Selbstreflexion. Das ICH dominiert die Begegnung mit dem sich nähernden Gott.
Im Leben evangelischer Christen ist das Gebet von größter Bedeutung. Es ist die Kommunikation mit Gott. Diese Kommunikation ist Ausdruck des christlichen Glaubens im Sinne einer gelebten Beziehung zwischen Mensch und Gott. Das Gebet ermöglicht eine tiefe, sehr persönliche Begenung mit Gott aus dem eigenen ICH heraus.
Quelle der Gebetstexte :
Sammlung einiger erwecklichen Gebete, Morgens und Abends auf jeden Tag in der Woche, desgleichen beym Gottesdienst in der Kirche, sodann bey der Beichte und Communion; ferner um Glück und Segen zur Berufs-Arbeit, um Trost in Kreuz und Trübsal, wie auch bey schwerem Donnerwetter, und letztlich in Todesnöthen, fruchtbarlich zu gebrauchen.
Mit Königl. Preuß. und Churfürstl. Brandenb. allergnädiger Freyheit. Magdeburg, im Faber´schen Verlag. [1817, 1851].
Bildnachweis:
Grafik: Evangelische Gebete
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