Evangelisch gedacht – in kurzen Videos

Reiner Makohl
Erstveröffentlichung: 24. Oktober 2026
Letztes Update: 24. Oktober 2026
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Nicht überall, wo Christ draufsteht, ist Christ drin.
Ein Glaubensbekenntnis, ein Taufschein oder die Mitgliedschaft in einer Kirche machen unser Denken, Reden und Handeln nicht automatisch und selbstverständlich christlich.
Jesus nennt einen wichtigen Maßstab: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“
Und das gilt auch für unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Überzeugungen und für unsere Teilhabe an der Gesellschaft in allen Lebensbereichen.
Wer getauft ist, gehört zur christlichen Gemeinschaft. Wer Mitglied einer Kirche ist, darf sich selbstverständlich als Christ bezeichnen. Doch sagt das bereits etwas darüber aus, wie dieser Mensch denkt, redet und handelt?
Wir erleben immer wieder, dass Menschen sich zum christlichen Glauben bekennen und zugleich andere Menschen herabwürdigen, ausgrenzen oder ihnen ihre Rechte absprechen. Manchmal geschieht das unter ausdrücklicher Berufung auf christliche Werte.
Dabei können ganz unterschiedliche Interessen eine Rolle spielen: persönliche Überzeugungen, gesellschaftliche Vorurteile, wirtschaftliche Vorteile oder politische Ideologien.
Doch solche Interessen dürfen nicht darüber entscheiden, welche Menschen wir achten und welche wir verachten.
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Menschenverachtung beginnt lange vor psychischer oder körperlicher Gewalt. Sie beginnt dort, wo Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Lebensweise oder ihrer Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe pauschal abgewertet werden.
Wir begegnen solchen Vorgängen täglich. In Gesprächen, in sozialen Netzwerken und in öffentlichen Diskussionen. Da werden Menschen zu Bedrohungen erklärt, für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht oder als Belastung dargestellt, die man möglichst loswerden möchte.
Zunehmend werden solche Behauptungen ungeprüft übernommen, tausendfach wiederholt und durch zustimmende Reaktionen scheinbar bestätigt. Zu oft bleibt Widerspruch aus. So erscheinen selbst unbelegte Behauptungen irgendwann wie gesicherte Tatsachen.
Wer andere Menschen zum Gegenstand seiner Verachtung macht, hat sie bereits in seinem Denken zu Opfern gemacht. Aus solchen Gedanken können Worte und Taten erwachsen, die ihren Opfern weiteres Unrecht zufügen.
Eine Meinung ist deshalb nicht schon dadurch gerechtfertigt, dass jemand ein Recht hat, sie zu äußern. Sie muss sich an ihren Inhalten und Folgen messen lassen.
Das gilt auch für Meinungen, die mit christlichen Überzeugungen begründet werden.
Christliche Lehre ist nicht beliebig. Christus passt sich nicht an Meinungen an. Er fordert, seine Gebote zu befolgen.
Jesus nennt einen einfachen Maßstab: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,16).
Dabei geht es um das, was Menschen tatsächlich hervorbringen. Was bewirken ihre Überzeugungen? Wem nützen sie? Wem schaden sie? Wen schützen sie, und wen machen sie zum Opfer?
Wenig später macht Jesus deutlich, dass es nicht genügt, ihn als Herrn anzurufen. Entscheidend ist, den Willen Gottes zu tun (Matthäus 7,21–23).
In Matthäus 25,31–46 wird dieser Maßstab besonders anschaulich. Jesus beurteilt die Menschen nach ihrem Umgang mit anderen Menschen. Er wählt dafür leicht verständliche Beispiele von Menschen in großer Not. An ihnen verdeutlicht er einen Grundsatz, der für unseren Umgang mit allen Menschen gilt: Was wir einem Menschen tun, betrifft unmittelbar unser Verhältnis zu Gott.
Das christliche Bekenntnis von Augsburg (1530) fordert in Artikel VI ausdrücklich, dass der Glaube gute Früchte und gute Werke hervorbringen soll.¹
Auch die Barmer Theologische Erklärung von 1934 hält in ihrer zweiten These daran fest, dass Christus einen Anspruch auf unser ganzes Leben erhebt.² Es gibt keinen Bereich unseres Lebens, den wir von diesem Anspruch ausnehmen können.
Das betrifft auch unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Überzeugungen.
Vor Gott steht immer der ganze Mensch mit seinem Denken, Reden und Handeln – nicht nur ein frommer Teil von ihm.
¹ Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis, 1530), Artikel VI „Vom neuen Gehorsam“. Zitat: „Dieser Glaube [soll] gute Früchte und gute Werke hervorbringen.“
² Barmer Theologische Erklärung (1934), These II: Jesus Christus ist „Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben“ und „Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären.“
Wer sich zum christlichen Glauben bekennt, zugleich aber andere Menschen verachtet oder zu Opfern seiner Meinung, einer gesellschaftlichen Gesinnung, wirtschaftlicher Interessen oder einer politischen Ideologie macht, ist kein Christ im Sinne Jesu, im Sinne der christlichen Bekenntnisse und der christlichen Ethik.
Nicht überall, wo Christ draufsteht, ist Christ drin. ³
Daran ändern weder sein Glaubensbekenntnis noch sein Taufschein oder seine Kirchenmitgliedschaft etwas. Bibellesen, Beten und kirchliche Zugehörigkeit können fehlendes christliches Handeln nicht ersetzen.
Die Berufung auf Gottes Liebe rechtfertigt keine Menschenverachtung.
³ Reiner Makohl, in Anlehnung an Martin Luther, Das fünfte, sechste und siebente Kapitel Matthäi, gepredigt und ausgelegt (1532).
Zu Mt 6,31–32 spricht Luther dem Geizigen trotz Taufe das Christsein ab: „kein Christen, ob er gleich getaufft jst“ (WA 32, 465). Zu Mt 7,6 bezeichnet er Menschen, die das Evangelium beharrlich verachten, als „nicht Christen sondern verdampte heiden“ (WA 32, 486). Auch wenn sie sich weiterhin „mit dem schein und namen des Euangelij odder Christlicher bruderschafft“ auf ihre christliche Zugehörigkeit berufen, spricht Luther ihnen das Christsein ab und fordert, sich von ihnen zu trennen, „damit wir uns nicht ihrer Sünde teilhaft machen“ (WA 32, 487–488; Schlusszitat sprachlich modernisiert).
Menschenverachtendes Denken, Reden und Handeln ist mit gelebtem christlichem Glauben unvereinbar.
Christen haben die Pflicht, Meinungen, Äußerungen und Handlungen anderer Menschen an Jesu Geboten zu messen, insbesondere dort, wo Menschen von Christen zu Opfern ihres Denkens, Redens und Handelns gemacht werden.
Wir dürfen uns nicht daran hindern lassen, zu fragen, ob eine Behauptung wahr ist, ob sie anderen Menschen Unrecht zufügt und ob ihre Folgen mit Jesu Geboten vereinbar sind.
Wo Menschen zu Opfern gemacht werden, wo sie ausgegrenzt, beleidigt, bedroht oder angegriffen werden, verbietet sich jede Toleranz, um sich nicht an diesen Vergehen mitschuldig zu machen. Menschen beizustehen, falschen Behauptungen zu widersprechen und ihre Würde zu verteidigen, sind Früchte gelebten Glaubens. Wir tragen diese Verantwortung, so weit unsere persönlichen Möglichkeiten reichen. Wo wir handeln können, sind Schweigen und Duldung keine Optionen.
Das ist nicht immer bequem. Es verlangt Standhaftigkeit, häufig Kraft und Mut, besonders dort, wo ein solcher Widerspruch Ablehnung und Anfeindungen hervorruft.
Der christliche Glaube ist kein Etikett, mit dem man sich schmücken kann. Er verlangt, dass wir uns in unserem Denken, Reden und Handeln an Gottes Willen orientieren – so gut es uns gelingen kann.
Damit dort, wo Christ draufsteht, auch Christ drin ist.
Kurze Gedanken zu Fragen des Glaubens, des Zusammenlebens und der Verantwortung aus evangelisch-christlicher Sicht.
Willkommen im Bereich »Denkanstöße für gelebten Glauben«. Hier finden Sie kurze Texte mit unterschiedlichen Themen zur Glaubenspraxis, verständlich aufbereitet für alle, die sich für den christlichen Glauben interessieren.
Kurze Videos zu Fragen des christlichen Glaubens, zu biblischen Aussagen und zu unserem Zusammenleben.
Manchmal reichen wenige Sätze, um einen Gedanken anzustoßen. Die Reels greifen Fragen des christlichen Glaubens, biblische Aussagen und Erfahrungen aus unserem Zusammenleben auf. Die kurzen Videos laden zum Nachdenken ein. Ergänzende Begleittexte erläutern die angesprochenen Themen und eröffnen Wege, die Gedanken zu vertiefen.
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Reiner Makohl, Christsein im Alltag: Nicht überall, wo Christ draufsteht, ist Christ drin., in: Stilkunst.de,
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