Der Himmel steht nicht jedem offen

Das Recht, zu urteilen

Gedanken über christliche Zugehörigkeit

Denkanstöße
für gelebten Glauben

 

Der Himmel steht nicht jedem offen

Das Recht, über christliches Denken, Reden und Handeln zu urteilen

Gedanken über christliche Zugehörigkeit

 
Evangelisch Christsein
 

Reiner Makohl

Erstveröffentlichung: 28. Juni 2024
Letztes Update: 20. Oktober 2026

 

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Der Himmel steht nicht jedem offen

Grafik: Der Himmel steht nicht jedem offen.
Bildnachweis: → siehe unten.

 

Dürfen Christen über christliches und nicht-christliches Denken, Reden und Handeln ihrer Mitmenschen urteilen?

 

1. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet

Immer wieder verweisen Menschen auf das Gebot aus der Bergpredigt, man solle nicht urteilen (Matthäus 7,1). Dies oft dann, wenn gläubige Christen deren Haltung als nicht-christlich bezeichnen. Diese Menschen versuchen, ihre moralischen, sozialen, gesellschaftspolitischen und politischen Sichtweisen und ihr daraus resultierendes Verhalten über ihre Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft zu rechtfertigen.

Doch Matthäus 7,1 steht in einem anderen Zusammenhang. Jesus verbietet dort das egozentrische, selbstgerechte Verurteilen anderer Menschen zum eigenen Vorteil. Er fordert dazu auf, zuerst die eigenen Fehler zu erkennen und zu beheben, bevor man andere auf deren Fehler hinweist (Mt 7,1–5). Das Beurteilen fremden Verhaltens wird damit keineswegs verboten.

 

 

2. Urteile! Du bist bevollmächtigt.

Christen haben sogar den Auftrag und die Vollmacht, zu urteilen. Im Matthäusevangelium bekommt Petrus die Vollmacht, sozusagen das Jüngste Gericht vorzuziehen. Jesus wird im Jüngsten Gericht sein Urteil ganz sicher berücksichtigen. Jesus spricht zu ihm:

[Jesus spricht]

»Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.«

(Mt 16,19).

Petrus steht im Kontext dieser Rede Jesu für die Kirche, die er gründen soll. Die Kirche wiederum ist die Gemeinschaft der gläubigen Christen. Das Wort Jesu autorisiert somit nicht allein Petrus, sondern die Gemeinschaft der gläubigen Christen.

Anders als in der katholischen Auslegung wird dies in der evangelischen Lehre nicht als exklusive Autorität des Petrus oder eines Papstamtes verstanden, sondern als Auftrag an alle Gläubigen.

 

 

3. Uneinsichtigkeit hat Folgen

In Matthäus 18,15–18 gibt Jesus der Gemeinde und ihren Mitgliedern in Vers 18 genau diese Vollmacht und erklärt in den Versen davor, wie sie mit Menschen umgehen sollen, die trotz wiederholter Ermahnung an ihrem Fehlverhalten festhalten.

Jesus sagt dort, dass Mitglieder der Glaubensgemeinschaft, die Unrecht tun und damit seinen Geboten und Weisungen zuwiderhandeln, ermahnt werden sollen. Das setzt voraus, dass ihr Reden und Handeln beurteilt wird. Hören sie nicht auf die Ermahnungen, halten sie an ihrem Verhalten fest und verweigern jede Einsicht, dann sollen sie behandelt werden wie Menschen, die nicht zur Gemeinschaft gehören.

Da helfen weder ein Taufschein noch eine formale Kirchenmitgliedschaft. Eine klare Ansage, der nicht widersprochen werden kann.

 

 

4. Der Glaube im gesellschaftlichen Alltag

In gesellschaftlichen und politischen Debatten wird immer wieder bestritten, dass Christen das Denken, Reden und Handeln anderer Menschen nach den Maßstäben ihres Glaubens beurteilen dürfen. Dies gilt besonders, wenn es um parteipolitische Programme, politische Aussagen und die öffentliche Meinungsbildung geht.

Besteht tatsächlich ein Anspruch auf Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft, wenn bewusst gegen maßgebliche Lehren Jesu verstoßen wird? Ist menschenverachtendes Denken, Reden und Handeln, das einzelne Menschen und ganze Menschengruppen pauschal zu Opfern von parteipolitischen oder gesellschaftlichen Gesinnungen macht, für den christlichen Glauben und die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft der Christen belanglos?

Hier dürfen sich Christen auf die Worte Jesu in den Evangelien verlassen: Nein, es ist nicht belanglos.

Vor Gott und seinem Urteil steht immer der ganze Mensch, nicht ein frommer Teil von ihm.

 

 

5. Lieben Gott und Jesus Sünder?

Doch was ist der Maßstab? Wonach darf geurteilt werden? Die Evangelien beantworten es an etlichen Stellen. Im Johannesevangelium wird die Liebe Gottes zum Menschen mit dessen Liebe zu Jesus und dem Befolgen seiner Gebote und Weisungen verbunden:

[Jesus spricht]

»Wer meine Weisungen kennt und nach ihnen handelt, der ist es, der mich liebt. Wer mich liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und mich ihm zu erkennen geben.
Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht.«

(Joh 14,21.24 | Text: eigene Übersetzung).

 

Daraus ergibt sich: Die Liebe zu Jesus erweist sich im Gehorsam gegenüber seinen Weisungen. Wer sie wissentlich missachtet und jede Umkehr verweigert, widerspricht nun mal durch sein Handeln dem eigenen Bekenntnis zu Jesus und kann kaum auf seine Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft pochen. Noch weniger kann er sich auf eine unbedingte, alles verzeihende, alles duldende Liebe Christi und Gottes berufen – weil es sie so nicht gibt.

 

 

6. Glasklare Konsequenzen

Jesus wendet sich Sündern zu, um sie zur Umkehr zu rufen. Wer diesen Ruf bewusst zurückweist, kann und darf der christlichen Gemeinschaft nicht das Recht absprechen, darüber zu urteilen, und auch keinen Anspruch auf Zugehörigkeit erheben.

Tja, Pech für alle, die christliche Gebote bewusst missachten, und dann darauf pochen möchten, dass Jesus alle liebe und jeden willkommen heiße, sogar speziell die Sünder.

Der Himmel steht nicht jedem offen.

 

 

 

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Bildnachweis

Grafik: Der Himmel steht nicht jedem offen
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Text: Reiner Makohl
Layout: eigene Gestaltung unter Verwendung KI-generierter Bildelemente.

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Reiner Makohl, Christsein im Alltag: Der Himmel steht nicht jedem offen – Gedanken über christliche Zugehörigkeit., in: Stilkunst.de,
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