Das Buch der Psalmen

Psalm CXIX.

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

 

Biblia
 

Die gantze Heilige Schrifft Deudsch
D. Martin Luther, Wittenberg 1545

Die Bücher der Dichtung im Alten Testament

∙ Der Psalter ∙
Die Bücher der Psalmen

 

CXIX.

 

Ps 119,1-176

 

150 Psalmen, aufgeteilt in fünf Büchern

 

Lobpreis auf das Gesetz Gottes

Ein Loblied

 

 

Der Psalm 119 aus Luthers Biblia 1545

 

 

Psalm 119, 105

 

Im folgenden Text ist der bezeichnete Vers hervorgehoben.

Der Pſalter.

 

 

CXIX.

I.

WOl denen die on wandel leben / Die im Ge­ſe­tze des HER­RN wan­deln.

2Wol denen / die ſeine Zeugnis halten / Die jn von gantzem hertzen ſuchen.

3Denn welche auff ſeinen Wegen wandeln / Die thun kein vbels.

4Du haſt geboten vleiſſig zu halten / Deine Befelh.

5O das mein Leben deine Rechte / Mit gantzem ernſt hielte.

6Wenn ich ſchawe allein auff deine Gebot / So werde ich nicht zu ſchanden.

7Ich dancke dir von rechtem hertzen / Das du mich lereſt die Rechte deiner Gerechtigkeit.

8Deine Rechte wil ich halten / Verlas mich nimer mehr.

II.

WIE wird ein Jüngling ſeinen Weg vnſtrefflich gehen? Wenn er ſich helt nach deinen Worten.

10Ich ſuche dich von gantzem hertzen / Las mich nicht feilen deiner Gebot.

11Ich behalte dein Wort in meinem Hertzen / Auff das ich nicht wider dich ſündige.

12Gelobet ſeieſtu HERR / Lere mich deine Rechte.

13Ich wil mit meinen Lippen erzelen / Alle Rechte deines mundes.

14Ich frewe mich des weges deiner Zeugnis / Als vber allerley Reichthumb.

15Ich rede was du befolhen haſt / Vnd ſchawe auff deine Wege.

16Ich habe luſt zu deinen Rechten / Vnd vergeſſe deiner Wort nicht.

III.

THV wol deinem Knecht / das ich lebe / Vnd dein Wort halte.

18Offene mir die augen / Das ich ſehe / die Wunder an deinem Geſetze.

19Ich bin ein Gaſt auff Erden / Verbirge deine Gebot nicht fur mir.

20Meine Seele iſt zumalmet fur verlangen / Nach deinen Rechten alle zeit.

21Du ſchilteſt die Stoltzen / Verflucht ſind die deiner Gebot feilen.

22Wende von mir ſchmach vnd verachtung / Denn ich halte deine Zeugnis.

23Es ſitzen auch die Fürſten / vnd reden wider mich / Aber dein Knecht redet von deinen Rechten.

24Ich habe luſt zu deinen Zeugniſſen / Die ſind meine Ratsleute.

IIII.

MEine Seele ligt im ſtaube / Er­quicke mich nach deinem Wort.

26Ich erzele meine wege / vnd du erhöreſt mich / Lere mich deine Rechte.

27Vnterweiſe mich den weg deiner Befelh / So wil ich reden von deinen Wundern.

28Ich greme mich / das mir das Hertz verſchmacht / Stercke mich nach deinem Wort.

29Wende von mir den falſchen weg / Vnd gönne mir dein Geſetze.

30Ich habe den weg der Warheit erwelet / Deine Rechte hab ich fur mich geſtellet.

31Ich hange an deinen Zeugniſſen / HERR las mich nicht zu ſchanden werden.

32Wenn du mein Hertz tröſteſt / So lauffe ich den weg deiner Gebot.

V.

ZEige mir HERR den weg deiner Rechte / Das ich ſie beware bis ans ende.

34Vnterweiſe mich / das ich beware dein Geſetze / Vnd halte es von gantzem Hertzen.

35Füre mich auff dem Steige deiner Gebot / Denn ich habe luſt dazu.

36Neige mein hertz zu deinen Zeugniſſen / Vnd nicht zum Geitz.

37Wende meine augen ab / das ſie nicht ſehen nach vnnützer Lere / Sondern erquicke mich auff deinem Wege.

38Las deinen Knecht dein Gebot feſtiglich fur dein Wort halten / Das ich dich fürchte.

39Wende von mir die ſchmach / die ich ſchewe / Denn deine Rechte ſind lieblich.

40Sihe / ich begere deiner Befelhe / Erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit.

VI.

HERR / Las mir deine gnade wi­derfaren / Deine Hülffe / nach deinem Wort.

42Das ich antworten müge meinem Leſterer / Denn ich verlas mich auff dein Wort.

43Vnd nim ja nicht von meinem munde das wort der Warheit / Denn ich hoffe auff deine Rechte.

44Ich wil dein Geſetz halten alle wege / Imer vnd ewiglich.

45Vnd ich wandele frölich / Denn ich ſuche deine Befelh.

46Ich rede von deinen Zeugniſſen fur Königen / Vnd ſcheme mich nicht.

47Vnd habe luſt an deinen Geboten / Vnd ſind mir lieb.

48Vnd hebe meine hende auff zu deinen Geboten / die mir lieb ſind / Vnd rede von deinen Rechten.

VII.

GEdencke deinem Knechte an dein Wort / Auff welches du mich leſſeſt hoffen.

50Das iſt mein Troſt in meinem Elende / Denn dein Wort erquicket mich.

51Die Stoltzen haben jren ſpott an mir / Dennoch weiche ich nicht von deinem Geſetz.

52HERR / wenn ich gedencke / wie du von der Welt her gerichtet haſt / So werde ich getröſtet.

53Ich bin entbrand vber die Gottloſen / Die dein Geſetz verlaſſen.

54Deine Rechte ſind mein Lied / In meinem Hauſe.

55HERR ich gedencke des nachts an deinen Namen / Vnd halte dein Geſetz.

56Das iſt mein Schatz / Das ich deinen Befelh halte.

VIII.

ICH hab geſagt / HERR das ſol mein Erbe ſein / Das ich deine Wege halte.

58Ich flehe fur deinem Angeſichte / von gantzem hertzen / Sey mir gnedig nach deinem Wort.

59Ich betrachte meine wege / Vnd kere meine füſſe zu deinen Zeugniſſen.

60Ich eile vnd ſeume mich nicht / Zu halten deine Gebot.

Coloff.2.
Laſſt euch niemand berauben.

61Der Gottloſen rotte beraubet mich / Aber ich vergeſſe deines Geſetzes nicht.

62Zur mitternacht ſtehe ich auff / dir zu dancken / Fur die Rechte deiner gerechtigkeit.

63Ich halte mich zu denen / die dich fürchten / Vnd deinen Befelh halten.

64HERR / die Erde iſt vol deiner Güte / Lere mich deine Rechte.

IX.

DV thuſt guts deinem Knech­te / HERR nach deinem Wort.

(Erkentnis)

Das iſt beſcheidenheit.
2.Pet.1.

66Lere mich heilſame ſitten vnd erkentnis / Denn ich gleube deinen Geboten.

67Ehe ich gedemütiget ward / jrret ich / Nu aber halte ich dein Wort.

68Du biſt gütig vnd freundlich / Lere mich deine Rechte.

69Die Stoltzen ertichten Lügen vber mich / Ich aber halte von gantzem hertzen deinen Befelh.

70Ir hertz iſt dick wie Schmehr / Ich aber habe luſt an deinem Geſetze.

71ES iſt mir lieb / das du mich gedemütiget haſt / Das ich deine Rechte lerne.

72Das Geſetze deines Mundes iſt mir lieber / Denn viel tauſent ſtück Gold vnd Silber.

X.

DEine Hand hat mich gemacht / vnd bereitet / Vnterweiſe mich / das ich deine Gebot lerne.

74Die dich fürchten / ſehen mich vnd frewen ſich / Denn ich hoffe auff deine Wort.

75HERR ich weis / das deine Gerichte recht ſind / Vnd haſt mich trewlich gedemütiget.

76Deine Gnade müſſe mein troſt ſein / Wie du deinem Knecht zugeſagt haſt.

77Las mir deine Barmhertzigkeit wider faren / das ich lebe / Denn ich habe luſt zu deinem Geſetz.

78Ah das die Stoltzen müſten zu ſchanden werden / die mich mit Lügen niderdrücken / Ich aber rede von deinem Befelh.

79Ah das ſich müſſen zu mir halten / die dich fürchten / Vnd deine Zeugniſſe kennen.

80Mein hertz bleibe rechtſchaffen in deinen Rechten / Das ich nicht zu ſchanden werde.

XI.

MEine Seele verlanget nach dei­nem Heil / Ich hoffe auff dein Wort.

82Meine augen ſehnen ſich nach deinem Wort / Vnd ſagen / Wenn tröſteſtu mich?

(Haut)

Da man öle / wein / waſſer inne füret / wie ein watſack.

83Denn ich bin wie ein Haut im rauch / Deiner Rechte vergeſſe ich nicht.

84Wie lange ſol dein Knecht warten? Wenn wiltu gericht halten vber meine Verfolger.

85Die Stoltzen graben mir Gruben / Die nicht ſind nach deinem Geſetze.

86Deine Gebot ſind eitel Warheit / Sie verfolgen mich mit Lügen / Hilff mir.

87Sie haben mich ſchier vmbbracht auff Erden / Ich aber verlaſſe dein Befelh nicht.

88Erquicke mich durch deine Gnade / Das ich halte die Zeugnis deines Mundes.

XII.

HERR dein Wort bleibt ewiglich / So weit der Himel iſt.

90Deine Warheit wehret fur vnd fur / Du haſt die Erde zugerichtet / vnd ſie bleibt ſtehen.

91Es bleibt teglich nach deinem Wort / Denn es mus dir alles dienen.

92WO dein Geſetz nicht mein troſt ge­weſt were / So were ich vergangen in meinem Elende.

93Ich wil deinen Befelh nimer mehr vergeſſen / Denn du erquickeſt mich da mit.

94Ich bin dein / hilff mir / Denn ich ſuche deine Befelh.

95Die Gottloſen warten auff mich das ſie mich vmbbringen / Ich aber mercke auff deine Zeugnis.

96Ich hab alles dinges ein ende geſehen / Aber dein Gebot wehret.

XIII.

WIE habe ich dein Geſetz ſo lieb / Teglich rede ich dauon.

98Du macheſt mich mit deinem Gebot weiſer / denn meine Feinde ſind / Denn es iſt ewiglich mein Schatz.

99Ich bin Gelerter denn alle meine Lerer / Denn deine Zeugnis ſind meine Rede.

100Ich bin Klüger denn die Alten / Denn ich halte deinen Befelh.

101Ich were meinem fus alle böſe wege / Das ich dein Wort halte.

102Ich weiche nicht von deinen Rechten / Denn du lereſt mich.

103Dein Wort iſt meinem Mund ſüſſer / Denn Honig.

104Dein Wort macht mich klug / Darumb haſſe ich alle falſche Wege.

XIIII.

DEin Wort iſt meines fuſſes Leuchte / Vnd ein Liecht auff meinem wege.

106Ich ſchwere vnd wils halten / Das ich die Rechte deiner gerechtigkeit halten wil.

107Ich bin ſeer gedemütiget / HERR erquicke mich nach deinem Wort.

108Las dir gefallen HERR das willige opffer meines mundes / Vnd lere mich deine Rechte.

109Ich trage meine Seele jmer in meinen henden / Vnd ich vergeſſe deines Geſetzes nicht.

110Die Gottloſen legen mir ſtricke / Ich aber jrre nicht von deinem Befelh.

111Deine Zeugnis ſind mein ewiges Erbe / Denn ſie ſind meines hertzen wonne.

112Ich neige mein hertz / Zu thun nach deinen Rechten jmer vnd ewiglich.

XV.
Fladdergeiſter heiſſen hie die vnbeſtendigen Geiſter / die jmer etwas newes finden vnd fürnemen / Wie Ketzer pflegen zu thun.

ICH haſſe die Fladdergeiſter / Vnd liebe dein Geſetze.

114Du biſt mein ſchirm vnd ſchild / Ich hoffe auff dein Wort.

115Weichet von mir jr Boshafftigen / Ich wil halten die gebot meines Gottes.

116Erhalt mich durch dein Wort / Das ich lebe / Vnd las mich nicht zu ſchanden werden vber meiner hoffnung.

117Stercke mich / das ich geneſe / So wil ich ſtets meine luſt haben an deinem Rechte.

118Du zutritteſt alle die deiner Rechte feilen / Denn jr triegerey iſt eitel Lügen.

119Du wirffſt alle Gottloſen auff Erden weg / wie ſchlacken / Darumb liebe ich deine Zeugniſſe.

120Ich fürchte mich fur dir / das mir die haut ſchawert / Vnd entſetze mich fur deinen Rechten.

XVI.

ICH halte vber dem Recht vnd gerechtigkeit / Vbergib mich nicht denen / die mir wöllen ge­walt thun.

122Vertritt du deinen Knccht / vnd tröſte jn / Das mir die Stoltzen nicht gewalt thun.

123Meine augen ſehnen ſich nach deinem Heil / Vnd nach dem Wort deiner gerechtigkeit.

124Handel mit deinem Knechte nach deiner gnaden / Vnd lere mich deine Rechte.

125Ich bin dein Knecht / vnterweiſe mich / Das ich erkenne deine Zeugniſſe.

126Es iſt zeit / das der HERR da zu thu / Sie haben dein Geſetze zuriſſen.

127Darumb liebe ich dein Gebot / Vber gold vnd vber fein gold.

128Darumb halte ich ſtracks alle deine Befelh / Ich haſſe allen falſchen weg.

XVII.

DEine Zeugnis ſind wunderbar­lich / Darumb helt ſie meine Seele.

130Wenn dein Wort offenbar wird / ſo erfrewet es / Vnd machet klug die Einfeltigen.

131Ich thu meinen mund auff / vnd begere deine Gebot / Denn mich verlanget darnach.

132Wende dich zu mir / vnd ſey mir Gnedig / Wie du pflegſt zuthun denen die deinen Namen lieben.

133Las meinen gang gewis ſein in deinem Wort / Vnd las kein vnrecht vber mich herrſchen.

134Erlöſe mich von der Menſchen freuel / So wil ich halten deinen Befelh.

135Las dein Andlitz leuchten vber deinen Knecht / Vnd lere mich deine Rechte.

136Meine augen flieſſen mit waſſer / Das man dein Geſetz nicht helt.

XVIII.

HERR du biſt Gerecht / Vnd dein Wort iſt recht.

138Du haſt die Zeugnis deiner ge­rechtigkeit / Vnd die Warheit hart geboten.