Sonntag Reminiszere
Sonntag, 25. Februar 1872

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Titel: Das evangelische Kirchenjahr
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Violett
25.2.1872 | Reminiszere | 2. Sonntag in der Fasten
Sonntag
 

Kirchenjahr 1871/1872

Sonntag
Reminiszere

2. Sonntag in der Fasten

 
 
Bewegliches Datum
Sonntag Reminiszere zwischen dem 15. Februar und dem 21. März
  • 5. Sonntag vor Ostern
  • 2. Sonntag in der Fasten
  • Abhängig vom Osterdatum
    Reminiszere liegt zwischen dem 15. Februar und dem 21. März eines Jahres
 
Symbol: Abstand zum Osterfest
  • 35 Tage vor Ostern
  • gerechnet ab diesem Tag ist am 36. Tag Ostern
 

Der Name Reminiszere

 

»Erinnere Dich!«

reminisci: sich erinnern
reminiscere: erinnere dich!, gedenke!

 

Der Name Reminiszere geht zurück auf die vorreformatorische Zeit und leitet sich ab vom ersten Wort des lateinischen Introitus der römisch-katholischen Messe für diesen Sonntag:

»Reminiscere miserationum tuarum, Domine, et misericordiarum tuarum quae a saeculo sunt.«, »Gedenke deiner Barmherzigkeit, Herr, und deiner Gnade, die seit Anbeginn besteht.«

Dieser Name hat sich in den evangelischen Kirchen als Name für den 2. Sonntag der Passionszeit bis heute erhalten.

Biblisch stützt sich die Bezeichnung Reminiszere auf das erste Wort in Psalm 25,6 (Vulgata: Psalm 24,6).

Hier der Text aus der lateinischen Biblia Sacra Vulgata (Ps 24,6; Text nach G) und aus der Luthe-Bibel von 1545 ( →Psalm 25,6):

 

246 reminiscere miserationum tuarum Domine et misericordiarum tuarum quia a saeculo sunt

 

256 GEdenck HERR an deine Barmhertzigkeit vnd an deine Güte / Die von der welt her geweſen iſt.

 

Die mittelalterlichen Bezeichnungen

 

Dominica quadragesimalis reminiscere

Für den Sonntag Reminiszere sind unterschiedliche Bezeichnungen bekannt. Die lateinisch-kirchliche Bezeichnung Dominica quadragesimalis reminiscere bedeutet »Sonntag Reminiscere der vierzigtägigen Fastenzeit«.

quadragesimalis: vierzigtägig, zur vierzigtägigen Fasternzeit gehörig, von:
quadragesimus: der Vierzigste

 

Daneben sind u. a. bekannt:

  • Dominica Cananee oder einfach Cananae, Kanaan-Sonntag, so genannt nach dem dem alten Evangeliumstext für diesen Sonntag: →Mt 15,21-29 (Heilung der Tochter einer Kanaanäerin);
  • Erbessontag, Erbsensonntag, so genannt nach den Erbsen, die als Fastenspeise dienten;
  • Gedenke widder sontag, Erinnere-Dich-Sonntag (Gedenke-wieder-Sonntag) als Übersetzung des Dominica reminiscere.

 

 

Unsere Kalender verwenden die vorreformatorischen Bezeichnungen bis zum Jahr 1530 (Verlesung der →Confessio Augustana, des Augsburgischen Bekenntnisses).

Titel Gottesdienstliche Ordnung
Symbol Evangelisch

Der evangelische Sonntag

Reminiszere

2. Sonntag in der Fasten

Gottesdienstliche Ordnung

 
 

Liturgische Farbe

 
Christusmonogramm mit A und O in der liturgischen Farbe Violett

Violett

 

Nach altkirchlicher Textordnung

 

überwiegend gültig in den Jahren 1530/1531 bis 1897/1898

 

Thema des Sonntags

( nach dem Evangeliumstext Mt 15,21-28 )

 

Das kanaanäiſche Weib

 

 

Spruch für die Woche

 
Biblia
1545
 

Spruch für die Woche

 

DEr HErr HERR wecket mir das ohr / das ich höre / wie ein Jünger. Ich bin nicht vngehorſam / vnd gehe nicht zu rücke.

→Jes 50,4.5

Pſalm
25
 

Psalm für die Woche

 
 

→Psalm 25

 

Hinweis: Der Spruch ist an dieser Stelle der Lutherbibel von 1545 entnommen und kann sich daher in Formulierung und Schreibweise geringfügig unterscheiden von Veröffentlichungen in Perikopenordnungen oder Gesangbüchern der jeweiligen Zeit.

 

 

Lied für die Woche

 
EG alt EG neu Titel
282 EG 366 Wenn wir in höchſten Nöten ſein
 

EG: Evangelisches Gesangbuch
EG alt: Nummer des Liedes in alten Evangelischen Gesangbüchern
EG neu: Nummer des Liedes im neuen Evangelischen Gesangbuch (ab 2013)

 
 

Die biblischen Texte für Lesung und Predigt*

 
Lesung Text für die Lesung
Epistel Verweis1Thess 4,1-12
Evangelium VerweisMt 15,21-28
   

 

Erläuterungen zu den Perikopen

Mit der Reformation änderte sich die Bedeutung der Lesungen und der Predigt in der Kirche grundlegend. Gab es vorher keine oder nur eine sehr lose Bindung der Perikopen an die Messe, so war für Luther nun re­gel­mäßig die Evangelienperikope Grundlage der Predigt im sonntäglichen Hauptgottesdienst (Vor­mit­tags), an diesem Tag also VerweisMt 15,21-28.

Im Fokus der Predigt stand jetzt als Teil der Verkündigung die Auslegung des Evangeliums.

Die Epistelperikope war als Predigttext empfohlen für den Gebrauch im Gottesdienst am Nachmittag bzw. Abend. (siehe dazu auch Luthers Schrift →Von der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde, 1523, Über den Sonntagsgottesdienst).

Die Reihe der Epistelperikopen enthielt (anders als heute) auch Texte aus dem Alten Testament. Es gab keine spezielle Reihe für Lesungen aus dem Alten Testament.

Doch die Pfarrer und Prediger waren zunächst nicht nur frei darin, einen biblischen Text für die Predigt zu wählen, sondern geradezu aufgefordert, die Predigt an den Bedürfnissen der Gemeinde und an der geübten Praxis auszurichten.

In den meisten Kirchen wurden nahezu täglich Gottesdienste geboten (die in unseren Kalendern z. Z. nicht abgebildet sind). An Sonn- und Feiertagen konnten gleich mehrere Gottesdienste und Messen stattfinden. Hier entwickelten sich Leseempfehlungen für jeden Wochentag, in Summe also für jeden Tag des Kirchenjahres.

Von Bedeutung war auch die protestantische Ausrichtung der Gebietskirche: lutherisch, reformiert und uniert. Unterschiede zeigten sich in der Liturgie und damit im Verständnis der Predigt als Teil der Verkündigung.

Luthers allgemeinen Empfehlungen in seinen Schriften folgten etwa ab 1560 vereinzelt Ansätze, eine gewisse verbindliche Textordnung für Pfarrer und Gemeinden zu gestalten. Dies geschah jedoch zaghaft und zögerlich angesichts der bestehenden Meinungsvielfalt und angesichts der Lage der Entscheidungshoheit, die nicht in der Kirche, sondern beim Landesfürsten angesiedelt war. Zunächst gab es auch keinen hinreichenden Bedarf für neue Regelungen: Gottesdienst war selbstverständlich und die Bevölkerung nahm rege teil. Doch spätestens im Zeitalter der Aufklärung, als ein deutlicher Rückgang christlichen Engagements in der Bevölkerung zu erkennen war, die Zahl der Gottesdienstbesucher stetig abnahm und etliche unterwöchige Gottesdienste und Messen gestrichen wurden, trat die Notwendigkeit deutlich hervor, das Gottesdienstverständnis und die Gottesdienste des Kirchenjahres zu überdenken.

Dies führte vielfach schon früh und speziell im 19. Jahrhundert zu zahlreichen unterschiedlichen Durchführungen, Vorschlägen und Erprobungen, bis sich 1896 die Eisenacher Konferenz als reichsweite Konferenz der deutschen Landeskirchen mit der Idee einer allgemein gültigen Textordnung beschäftigte und schließlich eine Perikopenordnung beschloss, die ab 1898/1899 allen evangelischen Landeskirchen zur Umsetzung empfohlen wurde.

Es ist derzeit an dieser Stelle nicht möglich, für die Jahre 1530/1531 bis 1898/1899 Textordnungen darzustellen, die über die altkirchlichen Perikopen für die Lesungen und Predigten hinaus gehen. Wir sind uns dabei bewusst, dass diese Perikopen regional und zeitlich begrenzt keine Bedeutung hatten.

 

HERR thu meine Lipppen auff

Das mein Mund deinen Rhum verkündige.

→Psalm 51,17

 

»Frewet euch mit den Frölichen /

vnd weinet mit den Weinenden.

Habt mit allen Menſchen Friede.«

→Römerbrief 12,15.18

Zum Gebrauch

Wir beschränken uns in den weit zu­rück­lie­gen­den Jahren auf Pe­ri­ko­pen­ord­nun­gen, die über­wie­gend in Ge­brauch oder empfoh­len wa­ren.

Zu bedenken ist, dass es zu keiner Zeit (und das bis heute) eine ein­heit­li­che evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land gab. Das führte zu zahl­rei­chen Ord­nun­gen ver­schie­de­ner Landes-, Gebiets- und Frei­kir­chen, die neben­ein­an­der be­stan­den. Das schlug sich nie­der in de­ren Ge­stal­tung der Gottes­dienste.

Durch den Rückblick ist zu­min­dest sche­men­haft er­kenn­bar, wie sich die Ver­wen­dung der bib­li­schen Texte in evan­ge­li­schen Gottes­diensten im Lau­fe der Zeit ver­än­der­te. Dies er­laubt auch Rück­schlüsse auf jene Zeit und auf die Men­schen, die als Gottes­dienst­be­su­cher Em­pfän­ger der bib­li­schen Bot­schaf­ten waren.

Dadurch, dass es in­zwischen neue Ord­nun­gen für die Ver­wen­dung von Sprüchen, Psalmen, Bibel­tex­ten und Lie­dern gibt, sind die alten Ord­nun­gen zwar li­tur­gisch über­holt, aber in­halt­lich des­we­gen kei­nes­wegs falsch.

 

Selbst lesen, selbst urteilen

Wir möchten Sie daher aus­drück­lich da­zu er­mun­tern, die in alter Zeit ver­wen­de­ten Text­stellen ein­mal in Ihrer Bibel zu lesen und sie auf diese Weise in Ihre per­sön­liche Ge­gen­wart zu holen. Nur so kön­nen Sie er­grün­den, ob das, wo­rauf sich Pfarrer vor hun­der­ten von Jahren in Gottes­dienst und Pre­digt stützen, auch noch heute aktu­ell ist. Aktu­ell für Sie ganz per­sönlich.

 

Hinweise zur Stilkunst.de-Ausgabe der Lutherbibel von 1545

Erläuterungen zum Satz und zur Typografie des Bibeltextes

Der Text aus der Luther­bi­bel ist auf un­se­ren Sei­ten in An­leh­nung an das Druck­bild des Ori­gi­nals von 1545 wie­der­ge­ge­ben.

Den Sei­ten­auf­bau, die ver­wen­de­ten Schrif­ten, die Schreib­re­geln der Frak­tur­schrift und Luthers In­ten­tio­nen, mit der Ty­po­gra­fie Le­se­hil­fen be­reit­zu­stel­len, er­läu­tert dem in­ter­es­sier­ten Le­ser un­ser Ar­ti­kel »Satz und Ty­po­gra­fie der Luther­bi­bel von 1545«.

 
 
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