Nikolaustag
Freitag, 6. Dezember 2019

◉ Home | ►Deutscher Jahreskalender | ►Nikolaustag | Freitag, 6. Dezember 2019
Wissenswertes zum Tag
6.12.2019 | NikolaustagFreitag
 
 

Nikolaustag

 
Symbol

Nikolaus von Myra
(† 6. Dezember 326 [oder: 345, 351, 365])

Symbol

Ambrosius Blarer
(† 6. Dezember 1564 in Winterthur)

Symbol

Anton Praetorius
(† 6. Dezember 1613 in Laudenbach an der Bergstraße [inoffiziell])

Symbol

Tag des hl. Nikolaus

Symbol

Überliefertes Brauchtum speziell für Kinder

 
Kalenderblätter
 
Festes Datum
6. Dezember
     
  • Der Nikolaustag
    ist immer der 6. Dezember eines Jahres.
 
Symbol: Abstand zum Weihnachtsfest
 
Überliefertes Brauchtum

 

Über Brauchtum und Gebräuche zum Nikolaustag

Die Verschmelzung der Elemente im Brauchtum

Das Brauchtum zum Nikolaustag war und ist vielfältig und regional sehr un­ter­schied­lich. Es ver­än­der­te sich über die Jahrhunderte und entfernte sich dabei zunehmend von sei­nen kirch­li­chen Ursprüngen, den heiligen Nikolaus als einen Schutzpatron zu verstehen, der in dieser Rolle unter anderem auch den Kindern begegnet. Mit dazu beigetragen hat sicher auch die Ablehnung der Heiligenverehrung in den evangelischen Kirchen und Gebieten. Hier fand als Ersatz der Heiligenfigur die Person des Knecht Ruprechts Verbreitung.

Was heute übriggeblieben ist, ist ein Nikolaus, der als vorweihnachtliche Figur erscheint, die mit kleinen Geschenken auf Weihnachten einstimmt. Oft nicht weniger pädagogisch un­ter­legt, wie schon in den Jahrhunderten zuvor: Die braven Kinder bekommen Geschenke, den unartigen droht die Rute.

Einzelne Elemente unterschiedlichen Brauchtums sind verschmolzen, was stark durch die Figur des amerikanischen Santa Claus und durch die Kommerzialisierung, beispielsweise durch die Schokoladen-Industrie, beeinflusst wurde. Der Nikolaus erscheint immer häufiger in der Gestalt des Weihnachtsmanns. Schoko-Nikoläuse, die dem Aussehen eines ka­tho­li­schen Bischofs nachempfunden sind, werden selten in den Regalen der Supermärkte an­zu­treffen sein.

Knecht Ruprecht, der traditionell eher in ein braunes oder schwarzes Mönchsgewand ge­klei­det erschien – auch da gibt es kein Schoko-Pendant! –, hat seine Rute längst an den Nikolaus weitergereicht.

Der Nikolaustag ist ein kleines Fest für Kinder, das sich überwiegend hinter verschlossenen Türen in Familien abspielt, oder eben dort, wo Kinder anzutreffen sind.

Warten auf den Nikolaus | Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz: CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Warten auf den Nikolaus
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

Von Stiefelchen, Ruten und einem Knecht

Am 5. Dezember, am Vorabend des Nikolaustages, stellen die Kinder geputzte Schuhe, Winterstiefelchen oder Teller vor die Tür in der Erwartung, am Nikolaus-Morgen darin kleine Gaben des Freundes braver Kinder vorzufinden.

In manchen Familien erscheint Nikolaus – dann heute immer öfter in der Tracht des Weih­nachts­mannes! – am Nikolausabend leibhaftig. Darunter verblasst die Figur des Knecht Ruprecht zunehmend.

Knecht Ruprecht, der im ausgehenden Mittelalter auftauchte und zum Begleiter des hei­li­gen Nikolaus avancierte, bekam die Rolle eines »Vollstreckers« des Nikolauses in der Kin­der­er­zie­hung zugewiesen. Er konnte Kinder mit den Gaben des Nikolauses reich beschenken, aber auch harte Strafen vollziehen. Sein gefürchtes Utensil war und ist in manchen Gegenden noch heute die Rute.

Bekanntheit erfuhr die Figur des Knecht Ruprecht nicht zuletzt durch das Gedicht von Theodor Storm, dessen erste Zeile immer wieder zitiert wird, wobei sie wechselweise auch gern dem Nikolaus oder dem Weihnachtsmann untergeschoben wird:

 

Knecht Ruprecht.

Von drauß’ vom Walde komm ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen.
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan.
Alt’ und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn.
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!«

Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.«

– »Hast denn das Säcklein auch bei dir?«

Ich sprach: »Das Säcklein das ist hier!
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.«

– »Hast denn die Rute auch bei dir?«

Ich sprach: »Die Rute, die ist hier!
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil den rechten.«

Christkindlein sprach: »So ist es recht!
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!«

Von drauß’ vom Walde komm ich her,
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

 

Theodor Storm, 1862

 

 
Gedenken im Kirchenjahr
Symbol Evangelisch

Seit dem Kirchenjahr 2018/2019 ist der Nikolaustag auch evangelischer Gedenktag und mit einem eigenem →Proprium im Kir­chen­ka­len­der enthalten.

In unserem Kalender zum →evangelischen Kirchenjahr finden Sie den passenden Artikel zu diesem Tag:

Zum Artikel

Nikolaustag 2019/2020

Der Nikolaustag stützt sich auf die Legenden, die sich um Bischof Nikolaus von Myra ranken. Texte der Bibel geben dem Tag einen evangelischen Sinn im Kirchenjahr.

Mehr dazu in diesem Artikel.
Hintergründig

Wer ist
Nikolaus?

Nikolaus von Myra

Der heilige Nikolaus war angeblich Bischof von Myra, der zur Zeit des Konzils von Nicäa wirk­te und um 350 n. Chr. hingerichtet wurde. Die genauen Lebensdaten sind un­be­kannt.

Geboren wurde er vermutlich zwischen 270 n. Chr. und 286 n. Chr. in der Stadt Patara, die an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei lag. Gestorben sei er im Jahr 326, 345, 351 oder 365 n. Chr. Festzustehen scheint nur: Er starb an einem 6. Dezember.

Legenden umrankte Überlieferung

Über sein Leben ist nicht viel bekannt. Kaum etwas lässt sich belegen. Jedoch ist er die Hauptfigur in einer ganzen Reihe Legenden, die sich um Wunder, um Rettungen in Not ge­ra­te­ner Menschen und um Auferweckungen ranken. Seine Vita enthält somit fast nur le­gen­däre Züge.

Seine Attribute, meist Bischofstracht und Stab, häufig ein Buch mit drei Goldklumpen (seltener mit Broten) oder einem Anker, werden durch Legenden begründet: Nikolaus habe der Stadt Myra bei großer Hungersnot dadurch geholfen, dass er einem reichen Han­dels­mann im Traum erschienen sei und ihn veranlasst habe, mit seinen Ge­trei­de­schiffen nach Myra zu segeln.

Schutzheiliger mit vielen Aufgaben

Nikolaus ist einer der populärsten Heiligen. Die vielen Legenden führten dazu, dass ihn etliche Gruppen als Schutzheiligen auserwählten. Nikolaus ist Schutzheiliger der Schü­ler und der Studenten, der Pilger und der Reisenden, der Liebenden und der Ge­bä­ren­den, der Alten, der Ministranten, der Metzger. Er ist Schutzpatron der Seefahrer, Binnenschiffer und Händler, weshalb ihn etliche Hansestädte als Schutzheiligen wählten. Mit dem Aufschwung des Nothelfer-Kultes ist er Beschützer gegen alle Gefahren des Wassers. Er ist aber auch Patron von Dieben, Gefängniswärtern, Prostituierten und Gefangenen. In Amerika gilt er als Patron der Bankleute.

Die verbreitete Verehrung als Kinderfreund (hier wird auch der Rest eines germanischen Ritus vermutet) knüpft an die Legende an, dass Nikolaus drei armen Mädchen Geld spen­de­te, so dass sie heiraten konnten. Aus diesem Schutzpatronat leitet sich das heutige Brauch­tum ab:

Der Nikolaustag ist Tag der Kinder, wenn sich auch die Bräuche regional stark un­ter­schei­den mögen.

Die Verbreitung in Deutschland

Sein Kult ist im 6. Jahrhundert im Osten nachweisbar, im 9. Jahrhundert im Westen (Rom und Süditalien). In Deutschland wird die Verehrung im 11. Jahrhundert beliebt, be­son­ders im Alpengebiet und dort in der Nähe reißender Gewässer.

In Oberbayern haben sich die sog. »Niklasreime« der Kinder erhalten sowie der Brauch, dem Geistlichen am Nikolaus-Vorabend ein Nikolaus-Schiffchen vor die Tür zu legen.

Älteste Darstellung des Heiligen Nikolaus im deutschen Sprachgebiet, die von den sonst üb­li­chen byzantinischen Einflüssen frei ist, ist eine Holzstatue des ausgehenden 12. Jahr­hun­derts in der ehemaligen Abteikirche zu Brauweiler.

Wallfahrtsort Bari

Nachdem 1087 der angebliche Leib des Heiligen von Myra nach Bari in Italien verbracht war, wird diese Stadt der Hauptwallfahrtsort des Nikolaus im Abendland. Wer also den heiligen Nikolaus besuchen möchte, sollte sich in die Krypta der Basilica Pontificia di San Nicola in Bari an der Piazza San Nicola begeben.

Torbogen am Portal der Basilica Pontificia di San Nicola, Bari, Italien, mit einem Relief des Heiligen Nikolaus | Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz: CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Torbogen am Portal der Basilica Pontificia di San Nicola, Bari, Italien, mit einem Relief des Heiligen Nikolaus
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz CC BY-SA

 

Relief an der Basilica Pontificia di San Nicola, Bari, Italien | Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz: CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Relief an der Basilica Pontificia di San Nicola, Bari, Italien.
Es zeigt den heiligen Nikolaus in seiner Funktion als Schutzheiliger.
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de
Lizenz CC BY-SA

 

Heiligenfigur des heiligen Nikolaus in der Basilica Pontificia di San Nicola, Bari, Italien | Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de | Lizenz: CC BY-SA
Creative Commons Attribution-ShareAlike

Abbildung: Heiligenfigur des heiligen Nikolaus in der Basilica Pontificia di San Nicola, Bari, Italien.
Die lebensgroße Figur befindet sich geschützt in einem Schrein.
Foto: © Sabrina | Reiner | www.stilkunst.de
Lizenz CC BY-SA

 

Eine vorweihnachtliche Figur

Als Vorbote des Christkindes ist Nikolaus schon früh mit anderen Lieblingsgestalten des Volksglaubens verschmolzen (wie Knecht Ruprecht, Pelzmärtel u. a.).

Mit der aufkommenden Kommerzialisierung jeglichen Brauchtums vermischen sich un­ter­schied­li­che Traditionen in dieser vorweihnachtlichen Symbolfigur: Das ursprüngliche Bischofs­bild und die Figur des Knecht Ruprecht verschmelzen in einer Darstellung, die eher der des Weihnachtsmanns entspricht.

Evangelischer Gedenktag

Martin Luther lehnte wie alle übrigen Reformatoren die Verehrung der Heiligen, wie sie die römisch-katholische Kirche kannte und noch heute kennt, ab. Die evangelischen Kirchen kannten in ihrer Kirchenordnung bis ins Kirchenjahr 2017/2018 daher den Ni­ko­laus­tag nicht.

Doch der Nikolaustag hat sich längst im bürgerlichen Kalender etabliert, wo ihm nur noch wenig kirchliches Gepränge anhaftet. So begehen wohl auch die meisten evangelischen Familien den Nikolaustag als einen vorweihnachtlichen Tag des Beschenkens der Kinder, jedoch ganz ohne Heiligenverehrung.

Neuer Gedenktag ab 2018

Mit der »Neuordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder« von 2017 fand der Ni­ko­laus­tag im Sinne einer ökumenischen Angleichung Einzug in den evangelischen Kir­chen­ka­len­der ab dem Kirchenjahr 2018/2019. Erstmals in der Geschichte der evan­ge­li­schen Kirchen wurde am 6. Dezember 2018 der Nikolaustag als evangelischer Ge­denk­tag begangen.

Barmherzigkeit aus Glauben heraus

Nach wie vor geht es an diesem Tag nicht um Heiligenverehrung. Vielmehr dient Ni­ko­laus als Beispiel gelebten Glaubens. Etliche seiner Taten, die in Legenden tradiert sind, sind aus dem christlichen Glauben heraus motiviert.

Der evangelische Nikolaustag nutzt die Präsenz des Nikolaus im Brauchtum, um mit bib­li­schen Texten zu verweisen auf den Sinn der Barmherzigkeit aus Glauben heraus und auf die fro­he Botschaft der Erlösung aus Gnade. An diesem Tag stammt der Evangeliumstext aus der Bergpredigt (→Mt 6,1-4, »Die Rede über das Almosengeben«), der Episteltext aus dem Brief des Paulus an die Epheser (→Eph 2,1-10; »Das neue Leben aus Gnade«) und der alt­tes­ta­ment­li­che Text aus dem Buch des Propheten Jesaja (→Jes 61,1-2,10; »Die frohe Botschaft von der kom­men­den Herrlichkeit«).

So ruft der Nikolaustag evangelische Christen einmal mehr dazu auf, die Gnade, die ihnen zuteilwird, münden zu lassen in Barmherzigkeit allen Menschen gegenüber – völlig un­ab­hän­gig von Herkunft, Gesinnung und Glauben. Denn maßgeblich für unser Handeln ist nicht unser Gegenüber, dessen Glauben, dessen Herkunft, dessen Geschlecht, dessen Alter, dessen sozialer Stand, dessen Bildung oder dessen Gesinnung. Maßgeblich für unser Tun ist allein unser Glauben. Und darin – in unseren Taten! –, offenbart sich die Wahrheit über diesen Glauben.

Sabrina

Text | Grafik | Webdesign | Layout:

©by Reiner Makohl | Stilkunst.de
©by Sabrina | SABRINA CREATIVE DESIGN™

SK Version 09.12.2019  

Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied der Europäischen Union.

 
Die Kalenderangaben beziehen sich ab dem Jahr 1949 auf Kalender der Bundesrepublik Deutschland (DE).
Die Datums- und Zeitangaben gelten nach Mitteleuropäischer Zeit (MEZ/MESZ | CET/CEST).
Fehler und Irrtümer sind nicht ausgeschlossen. Alle Angaben ohne Gewähr.